LG Cheesecake? Äll-Dschieh Cheesecake!
NY Cheesecake ist uns wohlbekannt, seine Alte-Welt-Cousins Käsekuchen und Quarktorte haben es auch wirklich nicht leicht neben ihm. Irgendwie ist so ein ordentlicher Cheesecake eine ganz andere Nummer. Auch ich bin dem kompakten, saftigen Wesen des Cheesecakes erlegen, spätestens seit 2008, als die Mädels und ich mit wundgelaufenen Füßen und schmerzendem Nacken vom ständigen Hochgucken eine Kuchenpause im New Yorker Central Park einlegten.
Allein... New York ist weit weg und der Doppelrahmrischkäse ward auf einer Neuauflage des Brotes weggefuttert. Außerdem war es Zeit, eine meiner liebsten Neuentdeckungen des letzten Jahres zu Ruhm und Ehre zu verhelfen: Dem Schichtkäse. Und wie er hier seine Aufgabe erfüllt! So einen cremig-sahnigen Cheesecake habe ich seit Jahren nicht mehr gegessen.
Wikipedia erklärt, dass Schichtkäse eine Frischkäse aus Kuhmilch sei, eine besondere Form von Quark, der vor dem Verpacken nicht glattgerührt, sondern geschnitten und schichtweise (aha!) in die Verpackung gelegt wird. Dabei werden Schichten mit verschiedenem Fettgehalt übereinander gelegt, die mittlere Schicht ist aus vollfetter Milch und ist meist gelblich. Die obere und untere Schicht bestehen dagegen aus Magermilch. Frisch aus der Packung ist der Schichtkäse, ähnlich wie Quark, krümelig und säuerlich, aber sobald er glatt gerührt wurde, ist er cremig und seidig und extrem köstlich. Und wie geschaffen für Cheesecake.
Und so begab es sich eben, dass aus NY im Cheesecake ein LG wurde. LG steht nicht nur für "Liebe Grüße", sondern ist auch eins der hübschesten Autokennzeichen, das man haben kann: LG für Lüneburg. Klebt rein zufällig auch vorn und hinten an meinem fahrbaren Untersatz. ;-)
Lasst Euch nicht von der langen Anleitung abschrecken, ich habe alles recht ausführlich beschrieben. Jeder Schritt ist aber tatsächlich sehr, sehr einfach. Eigentlich könnte man es auch zusammenfassen mit: Kekse krümeln, backen, Füllung rühren, backen, lange kaltstellen. Und dann ja aufpassen, dass Euch niemand das letzte Stückchen vor der Nase wegschnappt.
LG Cheesecake mit Erdbeer-Rhabarber-Topping
für eine Form von ca. 20cm Durchmesser
BRÖSELBODEN:
125g zuckerfreie Kekse (Rezept siehe unten)
50g Butter
wer auch den Boden süß mag: 1-2 EL Reissirup oder Dextrose.
CHEESECAKE-FÜLLUNG:
500g Schichtkäse, Zimmertemperatur
3 Eier, Zimmertemperatur
2 TL Vanilleextrakt (mein Selbstgemachtes ist nicht so stark, bei Gekauftem sollte 1 TL reichen), gern auch das Mark einer echte Vanilleschote!
150g Süßmittel Eurer Wahl, ich habe Dextrose verwendet
TOPPING:
150g Rhabarber
200g Erdbeeren
1 Vanilleschote
1 TL Speisestärke
1-2 EL Süßmittel nach Wahl, bei mir Dextrose
AUSSERDEM:
Alufolie
Auflaufform, die groß genug ist, dass die Springform hineinpasst, alternativ ein tiefes Backblech ("Fettpfanne")
heißes bzw. kochendes Wasser
:: Die Kekse in der Küchenmaschine kleinbröseln, alternativ in eine Plastiktüte geben und mit dem Nudelholz plattmachen. Butter schmelzen und dann mit den Bröseln mischen, ggf. Dextrose oder Reissirup unterrühren. Eine 20-cm-Springform mit Backpapier auslegen oder den Boden ordentlich einbuttern. Krümelmasse auf den Boden geben und gut festdrücken. Dann für 15 Minuten in den Kühlschrank stellen.
:: Währenddessen den Backofen auf 175°C vorheizen. Boden nach der Kühlzeit aus dem Kühlschrank nehmen und 15 Minuten backen. Herausnehmen und komplett auskühlen lassen.
:: Jetzt kommt die Christo-Aktion: 2 ausreichend lange Streifen Alufolie über Kreuz legen und die Springform in die Mitte setzen. Die Alufolie ganz fest um die Form wickeln, so dass sie ungefähr bis zum Rand hoch reicht.
:: Ofen wieder auf 175°C hochheizen.
:: Cheesecake-Füllung anrühren: Den Schichtkäse glattrühren, dann die Eier einzeln unterschlagen, anschließen noch den Vanilleextrakt und das Süßmittel einrühren.
:: Füllung auf den Boden gießen und glattstreichen. Die Form in die Auflaufform oder in das tiefe Backblech setzen und mit idealerweise kochendem Wasser soweit auffüllen, dass die Springform bis zur Hälfte im Wasser steht.
:: Vorsichtig in den Ofen bugsieren und 45 Minuten backen. Dann die Temperatur auf 160°C reduzieren und noch mal 30 Minuten backen. Die Füllung wird schon recht fest geworden sein, aber in der Mitte ist sie noch ein kleines bisschen wabbelig. Nicht direkt nass, aber sie gibt auf leichten Druck sofort nach. Das ist OK.
:: Den Ofen ausschalten, die Ofentür leicht ankippen und den Kuchen in seinem Wasserbad noch einmal eine gute Stunde im Ofen stehen lassen. (Falls "Tür ankippen" nicht geht, meine ist auch immer bisschen störrisch...: für 1-2 Minuten weit aufmachen und dann wieder zumachen und einen Löffelstiel zwischen Tür und Ofen klemmen.)
Herausnehmen, die Alufolie entfernen und den Kuchen auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Erst wenn der Kuchen wirklich nur noch Zimmertemperatur hat, die Springform abdecken und den Cheesecake mindestens mal 6 Stunden in den Kühlschrank stellen, damit er sich richtig setzt.
:: Für das Topping Rhabarber und Erdbeeren putzen und in Stücke schneiden: Rhabarber ca. 1cm dick, Erdbeeren vierteln. Rhabarber mit 1 EL Wasser ankochen, wenn er anfängt, weich zu werden, 2/3 der Erdbeeren unterrühren und alles zusammen weich kochen lassen. Süßmittel unterrühren.
Stärke mit 1 EL Wasser glattrühren, dann in das Kompott gießen und unter Rühren alles einmal aufkochen, bis das Kompott eindickt. Die restlichen Erdbeeren in das Kompott mischen und dann erkalten lassen. Und dann, ganz wichtig für den Geschmacks-Boost: kurz den Pürierstab hineinhalten und 1/3 bis 1/2 des Kompotts glatt pürieren.
:: Den Cheesecake aus dem Kühlschrank nehmen. Ich lasse ihn gern vor dem Anschneiden eine Weile akklimatisieren, etwa eine Stunde. Dann mit einem scharfen langen Messer, das in heißes Wasser getaucht wurde, einmal am Rand langfahren. Den Springformrand entfernen und den Kuchen auf die Tortenplatte setzen. Das Anschneiden immer mit einem heiß abgespülten Messer vornehmen, am besten bei jedem Schnitt. Dann gib't weniger Krümel.
:: Das Topping entweder auf dem ganzen Kuchen verteilen oder einzeln zu den Kuchenstücken reichen.
Zuckerfreie Kekse
ergibt genug für einen Boden des Cheesecakes. Und auch sonst sind das meine Standard-SchnellSchnell-Kekse.
100g Mehl
25g fein gemahlene Mandeln
25g kalte Butter, in kleine Stückchen geschnitten
50g Dextrose, Reissirup oder Sukrin
1-2 EL Sahne
wer mag: etwas Vanille- oder Mandelaroma
:: Mehl und Mandeln mischen und dann mit der Butter, dem Süßmittel und der Sahne (und ggf. Aroma) verkneten. Eine Scheibe formen und für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank legen.
Superschnell-Variante für Knetfaule: Mehl und Mandeln mischen und zusammen mit der Butter in der Küchenmaschine verkrümeln. Süßmittel und Sahne und ggf. Aroma dazugeben und ein paar Sekunden durchmischen, bis ein Teig entsteht. Aus dem Maschinchen nehmen, zu Kugel bzw. Scheibe formen und ab in den Kühlschrank.
:: Backofen auf 180°C vorheizen. Teig ausrollen und dann mit einem scharfen Messer in Rechtecke schneiden. Auseinander nehmen, auf ein Backblech legen und 8-10 Minuten backen. Sie sollen nicht braun werden, nur so gelbgold. Herausnehmen und komplett auskühlen lassen. Wie brave Kekse werden auch diese beim Auskühlen knusprig.




