Dienstag, 30. November 2010

Weihnachtsplätzchen meets Christmas cookie

Ist es eigentlich VÖLLIG bescheuert, wenn man eine zwei Wochen vor dem ersten Advent anfängt zu überlegen, mit welchen Plätzchen man am Adventssonntag loslegen möchte? Wenn man eine Woche vorher in seinem Kopf die Einkaufsliste erstellt? (Immerhin habe ich mich mit dem tatsächlichen Aufschreiben bis zum Freitag zurückhalten können, legitim, wie ich finde, denn Samstags besuche ich in der Regel die Supermärkte.) Und ist es total meschugge, wenn der erste Gedanke am Sonntag dann tatsächlich nicht dem Liebsten neben einem gilt, sondern eher lautet "Juhuuuuu! Heute ist Plätzchenbacktag! Endlich!!"? Ja? Schon ein bisschen, oder?
Egal. Ich liebe es einfach. Freundlicherweise habe ich leicht verfressene Kollegen, die in nicht mal 24h den ersten Teller ratzeputz kahlgefuttert haben. Gut so! Meine Keksdosen haben nämlich nur eine begrenzte Kapazität und es soll ja auch noch andere Plätzchen geben.


Grün-Schwarz-Gebäck

Der Klassiker "Schwarz-Weiß-Gebäck" in neuem Gewand.
Da diese Plätzchen am meisten Zeit brauchen, beginne ich in der Regel mit ihnen und rühre, knete und backe die übrigen Plätzchen in der Ruhezeit dieses Teigs. 



250g Mehl
25g Kakaopulver
40g fein gemahlene Pistazien
100g Puderzucker
Salz
200g kalte Butter
1 Ei
100g dunkle Kuvertüre
2 EL gehackte Pistazien
Es müssen 2 getrennte Teige hergestellt werden - klar, ein grüner und ein dunkler. Das wirft eventuell Schwierigkeiten mit dem einen Ei auf - in der Mitte durchschneiden ist ja nicht. Ich trenne das Ei dann meistens, gebe das Eigelb zum dunklen Teig und das Eiweiß zum hellen. Man kann das Ei auch verquirlen und dann die Hälfte abwiegen. Alles Glaubenssache. (Man könnte den Teig auch verdoppeln, hätte dann aber erfahrungsgemäß ca. 4 Bleche voll Kekse.)

:: Die Eier trennen.

:: Für den dunklen Teig:
125g Mehl, Kakao und 1 Prise Salz gut vermischen, dann mit Eigelb, 100g Butter und 50g Puderzucker zu einem festen Teig verkneten, evtl. noch Mehl dazugeben. Halbieren und die beiden Teighälften in Folie gewickelt mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

:: Für den grünen Teig:
Die Pistazien, falls nicht so gekauft, fein mahlen, ich mache das in der elektrischen Kaffeemühle; im Mörser geht das ganz retro, aber mit etwas mehr Kraft- und Zeitaufwand allerdings auch gut.
125g Mehl, 50g Puderzucker, die gemahlenen Pistazien und 1 Prise Salz zu vermischen, dann mit 100g Butter und dem Eiweiß zu einem glatten Teig kneten. Halbieren und die beiden Teighälften in Folie gewickelt mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

:: Den grünen Teig zu 2 Rollen formen, meine hatten etwa 2cm Durchmesser.
Die dunklen Teighälften länglich ausrollen, so dass sie die Länge der grünen Rollen haben und komplett einmal um eine Rolle herumpassen.

:: Dann die grünen Rollen auf den dunklen Teig legen, den dunklen Teig eng um die Rollen wickeln, Überschüsse abschneiden.

:: Die Rollen fest in Klarsichtfolie einwickeln und für etwa 1 Stunde ins Tiefkühlfach legen. Das Einfrieren hilft dabei, die Rollen beim anschließenden Schneiden in Form zu halten.

:: Den Ofen auf 175°C vorheizen. Die Rollen aus dem Tiefkühlfach nehmen und mit einem scharfen Messer in ca. 1/2 cm breite Scheiben schneiden.  Auf ein Backblech legen und 12 Minuten backen. Die Kekse sollten nicht (!) golden werden. Gut auskühlen lassen.

:: Dunkle Kuvertüre hacken und über Wasserbad schmelzen. Die Kekse zur Hälfte eintauchen, auf Alufolie oder Backpapier geben, mit gehackten Pistazien bestreuen und trocknen lassen.



Coconut Cookie Favors
aus: "Country Living Merry & Bright"


Meistens rechne ich die amerikanischen Volumenmaße ja um, irgendwie traue ich meiner Waage mehr als den immer unterschiedlich großen Tassen. Wenn ein Rezept aber nur wenige Zutaten hat, bin ich meist zu faul, um die Umrechnungstabelle rauszukramen. Deswegen habe ich auch bei diesen Keksen "Cups" bzw. Tassen als Mengenangaben aufgeführt. Ich nehme dafür eine normal große Kaffeetasse, also keinen Pott/Topf/Haferl, sondern die klassische Kaffeeservice-Tasse. 

2 Tassen Kokosraspeln
1/2 Tasse Zucker
1 1/2 EL Mehl
70g weiche Butter
2 Eigelb, Gr. L
1 Ei, Gr. L
100g Kuvertüre, dunkle oder weiße.
als Deko: gehackte Pistazien, Hagelzucker, Kokosraspeln, geriebene Orangenschale, etc.

:: Den Ofen auf 175°C vorheizen.

:: Alle Zutaten bis auf Kuvertüre und Deko miteinander mixen, bis ein weicher Teig entsteht.

:: Mit einem Teelöffel gleichgroße Nocken abstechen (für kleine Konfekt-Cookies Espressolöffel nehmen) und mit feuchten Händen zu Kugeln formen. Auf ein Backblech setzen und 12 - 15 Minuten backen. Auskühlen lassen.

:: Die Kuvertüre hacken, überm Wasserbad schmelzen und die abgekühlten Coconut Cookies eintauchen. Dann mit der gewünschten Deko bestreuen und trocknen lassen.



Double Chocolate Snowquakes
auch aus: "Country Living Merry & Bright"

Hier hab ich mich mit metrischen Maßen wieder wohler gefühlt... :) Auch hab ich ein paar Zutaten geändert - und wie immer den Zucker gewaltig reduziert.



180g Mehl
2 EL Kakaopulver
2 TL Backpulver
1 Prise Salz
125g weiche Butter
1TL Vanilleextrakt
80g brauner Zucker
2 Eier, Gr. L
100g gehackte Schokolade, von Milch-Schoki bis richtig dunkel geht alles, meine hatte 70% Kakaoanteil
1 Tasse Puderzucker

:: Ofen auf 175° vorheizen.

:: Mehl, Kakao, Backpulver und Salz vermischen.

:: In einer großen Schüssel Butter und Zucker verrühren, Vanilleextrakt und die Eier (einzeln) darunterschlagen. Die Mehlmischung daraufsieben und untermixen, bis sich ein weicher Teig bildet. Die gehackte Schokolade unterrühren.

:: Mit einem Teelöffel Teig abstechen, zu Kugeln formen und großzügig im Puderzucker wälzen. Nicht abklopfen. Mit Abstand (sie zerfließen...) auf ein Backblech setzen und etwa 12 Minuten backen. Der Puderzucker sollte beim Backen eine "zerrissene Kruste" bilden. Die Cookies sind noch weich, wenn sie aus dem Ofen kommen, da die Schokolade natürlich schmilzt - also gut abkühlen lassen.

Samstag, 27. November 2010

Dreierlei Cupcakes: Kokos, Lemon Meringue und Schokolade

In wahrscheinlich jedem Food-Blog kommt irgendwann der Punkt, an dem ein Name fällt. In amerikanischen Blogs wahrscheinlich früher, in europäischen vielleicht später. Ich hab immerhin fast einen Monat ausgehalten, bevor ich den Namen ausschreibe: Martha Stewart. Und ja, ich gebe es zu - ich liebe sie... :-) Sie UND ihre KitchenAid. Jedes Mal, wenn sie das feuerwehrrote Modell anschmeißt, zuckt mein Mausfinger Richtung Internetkaufhaus und will das Ding haben. Aber ich widerstehe und versichere dann meinem oldschool Handmixer, dass ich ihn trotzdem sehr lieb habe. Und Marthas geniale Cupcakes funktionieren selbstredend auch ohne feuerwehrrote KitchenAid! Die größte Schwierigkeit besteht eh vor allem darin, die Mengenangaben umzurechnen. Aber ich war so frei, das für Euch zu tun.

Wie üblich habe ich die amerikanischen Rezepte etwas "entzuckert". Die Küchlein sind immer noch süß genug! Also - let the good sweet times roll!




**Dieses sind keine zuckerfreien Rezepte. Der Zucker und der Puderzucker lassen sich hier aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**

Coconut Cupcakes
für 12 Stück

180g Mehl
1TL Backpulver
1/2 TL Salz
1/2 Tasse Kokosraspeln
200g zimmerwarme Butter
150g Zucker
1/2 TL Vanilleextrakt
120ml Kokosmilch
4 Eiweiß

"7-Minute Frosting" - siehe unten
geröstete Kokosraspeln

:: Den Backofen auf 175°C vorheizen. Eine Muffinsforn mit Förmchen auslegen oder mit Butter einfetten.

:: Mehl, Backpulver, Salz und Kokosraspeln in einer Schüssel vermischen.

:: Butter und Zucker schaumig rühren, Vanille untermischen.

:: Die Mehlmischung abwechselnd mit der Kokosmilch untermixen, mit dem Mehl beginnen und aufhören.

:: Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben. Dann in die Muffinsförmchen füllen und 20 - 25 Minuten backen. Gut auskühlen lassen.

:: Dann mit "7-Minute Frosting" betreichen und in gerösteten Kokosflocken wälzen.


Lemon Meringue Cupcakes
für 12 Stück

180g Mehl
1/2 TL Backpulver
1 Prise Salz
125g zimmerwarme Butter
2 Eier
geriebene Zitronenschale von 1-2 Zitronen, ca. 2 EL
1/2 TL Vanilleextrakt
2 EL Zitronensaft
120ml Buttermilch

Lemon Curd
"7-Minute Frosting"

:: Den Backofen auf 175°C vorheizen. Eine Muffinsforn mit Förmchen auslegen oder mit Butter einfetten.

:: Mehl, Backpulver und Salz mischen.

:: In einer zweiten Schüssel Butter und Zucker schaumig schlagen. Die Eier einzeln untermischen, Zitronenschale und Vanille hineinrühren.
Abwechselnd Mehlmischung, Buttermilch und Zitronensaft untermixen.

:: In die Förmchen füllen und für etwa 20 - 25 Minuten backen. Auskühlen lassen.

:: Die Cupcakes mit Lemoncurd bestreichen.

:: 7-Minute Frosting in eine Spritztüte füllen und kleine Häubchen auf die Cupcakes spritzen, dann entweder ein paar Minuten unter dem Grill bräunen oder direkt mit dem "Haushaltsflammenwerfer" bräunen.


7-Minute Frosting
reicht für 12 Cupcakes

170g + 2 EL Zucker
2 TL Wasser
2 EL Reissirup
3 Eiweiß

:: In einem kleinen Topf mit dickem Boden 170g Zucker, Wasser und Sirup mischen und auf kleiner Flamme so lange erhitzen, bis sich die Zuckerkristalle aufgelöst haben. Das kann ein Weilchen dauern.

:: In der Zwischenzeit Eiweiße steif schlagen, dabei 2 EL Zucker einrieseln lassen.

:: Wenn sich beim Sirup die Zuckerkristalle aufgelöst haben, die Hitze hochdrehen und den Sirup etwa 5 Minuten kochen lassen.

:: Den heißen Sirup in das Eiweiß gießen, am besten geht das, wenn man den Sirup langsam, aber stetig am Schüsselrand hinabfließen lässt. Dabei immer weiter mixen.

:: Und nun kommen die 7 Minuten ins Spiel: Die Masse muss jetzt richtig gut geschlagen werden, und zwar etwa 7 Minuten lang, bis sie glänzt, fest ist und steife Häubchen zieht.



Schokoladen-Cupcakes
für 12 Cupcakes

Für diese Cupcakes hat Martha Stewart nur inspirativ Pate gestanden, denn ihre "Devil's Food Cupcakes" erinnerten mich so sehr an den "Teufelskuchen", der in meiner Familie Tradition hat und einer der saftigsten und leckersten Schokokuchen ist, den ich kenne, dass ich das Teufelskuchen-Rezept halbiert und auf Cupcakes getrimmt habe. Das Frosting ist eine klassische 1:1-Ganache.

125g Butter
1 Tasse Zucker
1 Pck. Vanillezucker 
2 Eier
1 Tasse Mehl
1 TL Natron
1 1/2 EL Kakaopulver
125g saure Sahne

100g dunkle Schokolade
100ml Sahne

:: Den Backofen auf 175°C vorheizen. Eine Muffinsforn mit Förmchen auslegen oder mit Butter einfetten.

:: Butter, Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen. Eier einzeln untermixen.

:: Mehl, Natron und Kakaopulver mischen und unterrühren. Saure Sahne einrühren und alles noch einmal gut durchmixen.

:: In Förmchen füllen und 25 Minuten backen. Auskühlen lassen.

:: Währenddessen die Schokolade hacken. Sahne in einem kleinen Topf aufkochen, vom Feuer nehmen und die Schokolade hineingeben. Kurz stehen lassen, und dann gründlich verrühren, bis die Schokolade geschmolzen ist. Abkühlen lassen.

:: Wenn die Cupcakes und die Ganache abgekühlt sind, die Ganache in einen Spritzbeutel füllen und die Cupcakes verzieren. (Wenn man die große Schoko-Schweinerei mit dem Spritzbeutel scheut, kann die Ganache natürlich auch mit einem Messer, Löffel oder Spatel auf den Küchlein verstrichen werden.)


Morgen ist es dann soweit!!! Plätz-chen-bak-ken!!! Juhuuu!

Donnerstag, 25. November 2010

Salat aus gerösteten Karotten, Avocado und Parmesan

Es schneit in Norddeutschland. Zwar bleibt noch nichts liegen, aber nun es ist amtlich: Es wird Winter. In meiner Rechnung, die, wenn es auf den Advent zugeht, "Plätzchenbacken minus x Tage" lautet, nähern wir uns ganz stark der Null, und mental schreibe ich schon meine Einkaufsliste für die Backzutaten. Insofern ist es ganz in Ordnung, dass es schneit.
Nicht in Ordnung ist, dass dies so gar nicht zu dem bereits existierenden  Kühlschrank-Inhalt passt. Darin befindet sich nichts, was schon von weitem "WINTER!" ruft. Überhaupt scheint auf den ersten Blicks auch nichts darin zu sein, was irgendwie zueinander passen könnte. Ich fühle mich ein bisschen wie früher, als ich passionierter Zuschauer des "Kochduells" war, und mich jedes Mal gefragt habe, wie die Köche aus diesen scheinbar so gar nicht kompatiblen Zutaten tolle Menüs zaubern konnten. Seit damals habe ich allerdings zwei unschlagbare Vorteile: Ich habe an Koch-Erfahrung und das Internet hat an Rezeptseiten gewonnen. (Das selbstverliebte Ich möchte vor allem den ersten Punkt betont wissen. In der Realität wird wahrscheinlich Punkt zwei den Sieg davontragen.) 
Nach dem "Was muss weg"-Prinzip vorgehend, gab ich "Karotten" ein, und siehe da, mir wurde ein vielversprechender Salat mit dem orangen Gemüse angeboten. Ich muss sagen, das Rezept hat dieses Versprechen auch eingelöst, es hat die perfekte Mischung aus bissfest und cremig, süß-säuerlich und pfeffrig. 



Salat aus gerösteten Karotten, Avocado und Parmesan

1 Pfund Karotten
2 EL Olivenöl
Meersalz, grob gemahlener Pfeffer, 1/2 TL Kreuzkümmel
1/2 reife Avocado
2-3 El Zitronen- oder Limettensaft
Parmesan, entweder grob gerieben oder in Bröckchen zerbrochen


:: Backofen auf 200°C vorheizen

:: Karotten schälen und in gleichgroße Stücke schneiden, in einer Schüssel mit Olivenöl, Meersalz, grobem Pfeffer und Kreuzkümmel verrühren. Meiner Meinung nach vertragen so süße Dinger wie Karotten gern die ein oder andere Umdrehung mehr aus der Salz- und Pfeffermühle.
Auf einem Backblech verteilen und etwa 20 Minuten backen, dabei ein oder zweimal wenden. Herausnehmen und leicht abkühlen lassen.

:: Während die Karotten abkühlen, die Avocadohälfte schälen und in Stücke schneiden, in die Salatschüssel geben und mit Zitronen- oder Limettensaft begießen.

:: Die warmen, aber nicht mehr heißen Karotten unter die Avocado heben, bis sich das Öl mit allem Gemüse und dem Zitronensaft vermengt hat. Dann noch einmal pfeffern, mit Parmesan bestreuen und sofort servieren.

:: Gehackte Petersilie oder auch Koriander sollten perfekt dazu passen.


Dienstag, 23. November 2010

Karibisches Hähnchen: hot, hot, hot!

So. Da habe ich mir nicht nur die Erinnerung an mieses Essen von unserer Konferenz mitgebracht, sondern als besonderes Extra auch noch eine fette Erkältung, mit allem, was dazu gehört. Das Wochenende war in weiten Teilen wenngleich nicht gelaufen, so doch ziemlich eingeschränkt. Zwar wollte ich mit scharfem und heißem Essen die elenden Viren aus meinem Körper vertreiben (sie lassen herzlich grüßen, und sie sind immer noch da), aber letztlich hatte ich dann "nur" die (weiblichen) Verwandten unseres Hähnchens in der klassischen Anti-Erkältungs-Hühnersuppe zu Besuch. Zum geplanten Sonntags-Hahn konnte ich mich irgendwie noch nicht aufraffen, und da kam mir die Einladung meiner Eltern zum Abendessen ganz gelegen... Trotzdem, der Hahn war da und ließ sich nicht wegleugnen, prominent thronte er im Kühlschrank und heischte um Aufmerksamkeit. Eitler Gockel, eben.

Mit dem Abklingen der schlimmsten Erkältungssymptome kam auch die Lust aufs Kochen wieder, und so wurde der Gute dann eben kein Sonntags-Hahn, sondern ein Montags-Hahn. Auch Montage müssen gewürdigt werden, meistens haben sie ja keinen sonderlich guten Ruf, im Gegensatz zu ihren Kumpels, den Freitagen. Die werden gefeiert, verehrt und mit erlöstem Seufzen begrüßt, "endlich Freitag"! Und Montage? Montage sind die Buhmänner der Nation, die Spielverderber der Woche. Also warum nicht auch einmal einem sozial benachteiligten und unterpriviligierten Montag zurufen, "ey Kleiner - haste Lust auf wat Scharfet?"


© http://katharinakochtsichumdiewelt.blogspot.com/
Karibisches Hähnchen

Das Wichtigste an diesem Gericht sind gleich 2 Dinge: ein qualitativ hochwertiges Hähnchen - und Jerk, die Gewürzmischung aus der Karibik. So zahlreich wie die Inseln die zur Karibik zählen, so zahleich sind auch die Rezepturen für das Jerk. Diese hier ist also nur eine Variante. Eines haben aber alle gemein: eine ordentliche Schärfe! Nicht umsonst gibt es Jerk-Mischungen mit Namen wie "Three Kinds of Fire".


1 Hähnchen
5 Knoblauchzehen
3 rote Chilischote
Saft von 3 Limetten
2 EL Honig bzw. Reissirup (= zuckerfrei)
50 ml brauner Rum


für das Jerk:
3 TL Chilipulver
2 TL gemahlener Kreuzkümmel (Cumin)
1 TL Paprikapulver edelsüß
1 TL Pfeffer
jeweils 1 Msp. Zimt, gemahlener Piment und Muskatnuss
3 TL Salz


:: Backofen auf 200°C vorheizen.

:: Das Hähnchen innen und außen waschen und trockentupfen. In einen Bräter legen.

:: 3 Knoblauchzehen pellen und fein hacken, 2 Chilischoten putzen und fein würfeln.
Mit Limettensaft, Honig und braunem Rum mischen.

Die Gewürze für das Jerk mischen und zur Flüssigkeit geben und verrühren.

:: Das Hähnchen mit der Marinade richtig gut einreiben, immer wieder Marinade über die Haut gießen und "einmassieren". Das, was vom Hähnchen abtropft, kann ruhig im Bräter bleiben, damit wird nachher das Hähnchen begossen.
Wenn das Hähnchen gut gewürzt ist und noch Marinade übrig sein sollte, diese in den Bräter gießen.

:: Die restlichen Knoblauchzehen pellen und mit der übrigen Chilischote in den Bauch des Hähnchens stecken.

:: Den Flattermann in den Ofen schieben und etwa 80-90 Minuten garen. Dabei immer wieder mit dem entstehenden Bratensatz übergießen oder einpinseln.

:: Ich habe den Hahn nach ca. 60 Minuten aus dem Bräter genommen, und mit der Unterseite nach oben auf ein Rost gelegt, das über den Bräter in den Ofen geschoben wurde. Das ergibt erstmal eine ziemliche Sauerei, hat dann aber den Effekt, dass der Gockel rundum knusprig wird.


Dazu gab es bei uns einen grünen Salat mit Papaya, Avocado, Koriander und einem Dressing aus Rapsöl und Limettensaft, gut mit grob gemahlenem Pfeffer abgeschmeckt.

Freitag, 19. November 2010

Mallorquinischer Mandelkuchen

...der Abschluss des Tapas-Essens am Sonntag. Irgendwie praktisch, wenn ein Essen für die Posts einer ganzen Woche reicht!!!


Überhaupt. Essen.
Ich war ja die letzten Tage beruflich unterwegs und ich glaube, ich kann schon deswegen keine große Karriere machen, weil mich das Essen auf Konferenzen so nervt. Warum? Langweilige Gerichte, langweilig gewürzt, Essen im Stehen (urgs!), und dann versuch mal, halbwegs intelligente Gespräche während des physischen Vorgangs des Essens zu führen, ohne sich komplett von oben bis unten mit Sauce zu bekleckern (oder das jeweilige Gegenüber). Außerdem hat meine Mama mir beigebracht, dass es nicht die feine Art ist, mit vollem Mund zu sprechen. So. Was dann die Zeit, die mit abbeißen, kauen und schlucken zu verbringen ist, im Verhältnis zum Sprechen deutlich reduziert. Mal ganz davon abgesehen, dass es ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration fordert, Salatblätter zu falten oder die Erbse auf der Gabel vom Teller zum Mund zu balancieren.  Und so habe ich meistens immer noch Hunger, wenn das Essen vorbei ist. Und dann der Kaffee! Eeeeeeklig! Bitter, halb-warm aus dem großen Bottich und mit Kondensmilch statt frischer Milch.
Ehrlich, ich bin immer wieder froh, wenn ich dann zu Hause bin. Gestern war ich vor allem froh, dass ich heil und am Stück wieder den Boden berührt habe. Ich habe wirklich null Flugangst und bin einer von den arroganten Deppen, die bei der Sicherheitsvorführung gelassen ihr Buch oder ihre Zeitschrift weiterlesen, aber die sehr unsanfte Landung gestern hat mich dann doch mordsmäßig erschreckt irritiert. Der Kommentar der Stewardess: "Meine Damen und Herren, wir sind soeben in Hamburg aufgeschlagen." Großes Gelächter.

Nun also zum Kuchen. Der ist (im Gegensatz zum Konferenz-Beton-Kuchen der letzten beiden Tage) ein Gedicht: Saftig, mandelig/marzipanig, und fluffig wie ein Wölkchen. Hat ja auch was mit Fliegen zu tun.

Ich habe den Kuchen ohne den im Originalrezept angegebenen Zimt gebacken, dafür habe ich den Mandelgeschmack etwas intensiviert, in dem ich Mandelaroma zum Kuchen gegeben habe - im Original wohl eher nicht vorgesehen. Ob es dann noch echt mallorquinisch ist?! Egal - lecker ist er!!!

Wenn irgend möglich, sollten geschälte/blanchierte Mandeln verwendet werden, dann wird der Kuchen hell und fein. Die geschälte Version ist eigentlich gut im Supermarkt zu bekommen, im Zweifelsfall werden aber die dunklen "Brösel" der gemahlen Mandeln dem Geschmack keinen enormen Abbruch tun.

Und es kommen WIRKLICH weder Butter noch Mehl hinzu! Die ganze Arbeit erledigen die Eier und die Mandeln.

© http://katharinakochtsichumdiewelt.blogspot.com

Malloquinischer Mandelkuchen
leicht adaptiert

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**

6 Eier
1 Prise Salz
200 g geschälte gemahlene Mandeln
200 g Puderzucker
Mark einer Vanilleschote
Schale einer unbehandelten Zitrone
1/2 Fläschchen Bittermandelaroma


:: Den Backofen auf 180° vorheizen und eine 26er Springform ausfetten oder mit Backpapier auslegen und den Rand fetten.

:: Die Eier trennen.

Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen. Zur Seite stellen.
Eigelb und Puderzucker solange rühren, bis die Masse fast weiß ist und sich die Zuckerkristalle aufgelöst haben. Mandeln, das ausgekratzte Mark der Vanilleschote und die Zitronenschale unterrühren. Dann je nach Geschmack Bittermandel-Aroma zufügen, 1/2 Fläschen sollte es schon sein, ich habe (eher versehentlich) fast ein ganzes dazugegeben, aber ich mag Mandel/Marzipan-Aroma.

Den Eischnee mit einem großen Löffel unterheben, bis sich alles gleichmäßig vermischt hat. Nicht mit dem Mixer unterrühren - es ist ein alter Hut, aber es stimmt, denn es macht die Konsistenz kaputt.

:: Den Teig in die Springform füllen und 30 Minuten backen. Während des Backens, zumindest aber in der Anfangsphase, wenn alles noch flüssig ist, den Backofen nicht aufmachen, der Kuchen könnte sonst zusammensacken. Und das wollen wir nicht.

Auskühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.

:: Ich habe, da der Kuchen zum Espresso gereicht werden sollte, die Torte in Rauten geschnitten. So konnte jeder sein(e) Stückchen wie Konfekt mit den Fingern essen. Wir erinnern uns an die Geschirr-Knappheit beim Tapas-Essen...

Dienstag, 16. November 2010

Tapas-Sause, Teil 2: Pimientos de padrón, gefüllte Champignons und Auberginenröllchen

Schön, dass Ihr noch da seid! Spätestens hier angekommen wird man durstig sein. Überhaupt - durch die ganzen Sachen mit dem groben Meersalz ist unser Wasserkonsum beim Tapas-Essen enorm hoch gewesen. Und es wird auch erstmal nicht besser....... wenn jetzt die gebratenen Paprika kommen!


Pimientos de padrón

Hier habe ich wirklich Glück gehabt, dass mir die kleinen grünen Dingerchen quasi im REWE vor die Füße gefallen sind, ich hab sonst keine Ahnung, wo man die außerhalb von Gemüsegroßmärkten bekommen kann. Also - wenn Ihr sie findet, zugreifen! Die Pimientos sind, anders als ihre scharfen kleine Freunde, mild bis leicht scharf.



200g kleine grüne Pimientos, oder "Bratpaprika"
Öl, kein Olivenöl, da es stark erhitzt wird
grobes Meersalz

:: Die Pimientos waschen und abtropfen bzw. abtrocknen.

:: In einer großen Pfanne reichlich Öl erhitzen (muss richtig heiß sein) und dann die Paprika darin 5 - 10 Minuten anbraten, bis die Haut anfängt, Blasen zu werfen. Immer wieder wenden.

:: Dann mit 1 kleinen Handvoll Meersalz bestreuen, einmal wenden und sofort servieren.
Dazu noch eine kleine Schale mit Meersalz reichen, in die die Pimientos gedippt werden können.


Gefüllte Champignons

Bei der Füllung habe ich einfach etwas experimentiert und das genommen, was das Gemüsefach hergab, ob das jetzt wirklich spanisch ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Aber es passte insgesamt gut ins "Konzept" - und außerdem wollte ich nicht schon wieder Tomaten oder Paprika verwenden, da ich die quasi schon überall drin hatte.


1/2 Tasse Reis
3 Frühlingszwiebeln
1/2 Zucchini
Olivenöl 
Salz, Pfeffer, Paprikapulver
6 große Champignons
Käse zum Überbacken
1 handvoll gehobelte Mandeln zum Dekorieren

:: Den Reis in Salzwasser kochen, abtropfen und leicht abkühlen lassen.

:: Frühlingszwiebeln putzen und in Ringe schneiden. Zucchini waschen und grob raspeln.

:: Zunächst die Frühlingszwiebeln im Olivenöl anbraten. Herausnehmen, und die Zucchini-Raspeln anbraten, bis sie sich bräunen. Alles auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

:: Die Pfanne kurz mit Küchenkrepp auswischen und dann die Mandeln darin rösten.

:: Reis mit Frühlingszwiebeln und Zucchini mischen, salzen und pfeffern und mit Paprika würzen.

:: Backofen auf 200°C vorheizen.

:: Die Champignons aushöhlen. Das funktioniert am besten, indem man  die Stiele entfernt, und dann mit einem kleinen Löffel oder einem Espressolöffel die dunklen Lamellen herauskratzt und eine schöne Kuhle bildet.

:: Die Reis-Gemüse-Mischung in die Champignons füllen. Den Käse reiben und auf die Champignons verteilen, dann im Ofen etwa 15 - 20 Minuten backen, bis die Champignons warm sind und der Käse geschmolzen und. Herausnehmen, auf einem Teller anrichten und mit den gerösteten Mandeln bestreuen.


Gefüllte Auberginenröllchen

Inspiration für diese Röllchen war dieses Gericht hier: Link, das die liebe Tine bei Chefkoch gepostet hat. Da ich es "nur" als Tapas kochen wollte, habe ich es etwas abgespeckt, aber ich bin mir mehr als sicher, dass ich Tines Originalrezept noch mal in seiner Gänze kochen werde. Allein das Petersilienöl...... hmmmmm.......



1 große Aubergine
Salz
Olivenöl
1 Becher Ziegenfrischkäse oder "normaler" Frischkäse
2 EL Ricotta, ersatzweise geht auc Crème fraîche
Salz, Pfeffer, Zitronensaft
4 getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten
2 EL gehackte Petersilie

1 Zwiebel, gepellt und gehackt
2 Knoblauchzehen, gepellt und angequetscht
Öl zum Braten
1 gelbe Paprika, gewürfelt
1/2 grüne Chili, in Ringe geschnitten
1/2 Dose gehackte Tomaten
Salz, Pfeffer

:: Die Aubergine in Scheiben schneiden (nicht zu filigran, sonst fallen sie beim Backen auseinander - ein knapper Zentimeter Dicke war super) und auf ein Backblech oder großes Brett legen. Salzen und auf jeder Seite etwa 10-15 Minuten Wasser ziehen lassen.

:: Währenddessen den Backofen auf 200°C vorheizen.

:: Die Auberginenscheiben abtupfen, mit Olivenöl bepinseln und im Ofen etwa 5 Minuten backen, umdrehen, erneut mit Olivenöl bestreichen und weitere 5 Minuten backen. Man kann die Scheiben auch in der Pfanne braten, aber das erzeugt ziemlich viel Rauch und verbraucht Unmengen von Öl.
Kurz abkühlen lassen.

:: Während die Scheiben abkühlen, den Ziegenfrischkäse und den Ricotta verrühren, mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen. Die getrockneten Tomaten hacken, und mit gehackter Petersilie unter den Frischkäse rühren.

:: Den Frischkäse auf die Auberginenscheiben schmieren und aufrollen.

:: Für die Sauce Zwiebeln und Knoblauch in einer Pfanne in Öl anbraten. Wenn die Zwiebeln leicht gebräunt sind, die Paprikawürfel und Chilistreifen ebenfalls in die Pfanne geben und kurz mitbraten. Gehackte Tomaten angießen, mit Salz und Pfeffer würzen und alles etwa 5 Minuten schmoren lassen.

:: Die Sauce in eine Auflaufform füllen, die gefüllten Auberginenröllchen daraufsetzen und nach Belieben mit geriebenem Parmesan bestreuen.

:: Dann im Ofen bei 200°C 25 Minuten backen, bis der Käse oder die Auberginenscheiben schön gebräunt sind.

:: Direkt in der Form oder auf kleinen Tellerchen servieren.



So! Das waren die Hauptgerichte. OK, ich hab jetzt die Gambas nicht weiter aufgeführt, denn die habe ich einfach in etwas Knoblauchöl angebraten, dann ordentlich gepfeffert und ihnen einen kleinen Schuss Sherry gegönnt. Kein Hexenwerk.

Jetzt bin ich erstmal 2 Tage lang "weg vom Schuss" und geschäftlich unterwegs, aber ich verspreche hoch und heilig, dass ich die Mandeltorte SOFORT und UMGEHEND nach meiner Rückkehr posten werde.

Adios!

Ach ja, und gestern (Montag) gab's SALAT!!! Ganz simpel!!! Ohne Schnick und ohne Schnack!

Montag, 15. November 2010

¡Hola! Die große Tapas-Sause, Teil 1: Albóndigas, Tortilla, Papas arrugadas und eine schnelle Aioli

Alternativer Post-Titel: "Ich LIEBE meine Spülmaschine."

Die gestrige Tapas-Sause hat so ziemlich JEDEN meiner Teller und jedes Schüsselchen gebraucht, oder zumindest in einer Phase des Kochens eingesaut. Als ich am Ende Espresso und Kuchen serviert habe, mussten meine Gäste ohne Kuchenteller auskommen. Aber hey - zum einen war es "trockener" Kuchen, und zum anderen bestanden die Gäste zu 100% aus Familie - die sollen sich nicht so anstellen! 

Meine Eltern sind gestern vom Sonnetanken aus Gran Canaria wiedergekommen (ja, ich weiiiiiiß.... ich hatte mich auch schon als Handgepäck angeboten, aber hat nix genützt), und als Urlaubsabschluss haben wir sie zum Tapas-Essen eingeladen, und meine Schwester samt Gatten noch gleich dazu.
Da ich in kürzerer Zeit gleich zwei Mal in einer Tapas-Bar war, hatte ich also den Kopf noch voll mit guten Ideen zum Nachkochen. Auch die Seite tapas.de erwies sich als wirklich guter Ideengeber.


Die bereits angefutterte Tafel. Dass ich ein Foto machen wollte, ist mir nämlich  erst etwas später eingefallen...


Was gab es also nur auf unserer norddeutsch-spanischen Tapas-Sause?
  • Albóndigas - Hackbällchen in Tomatensauce
  • Tortilla
  • Papas arrugadas - SchrumpelFaltenkartoffeln
  • Pimientos de padrón - Bratpaprika mit Meersalz
  • gefüllte Champignons
  • gefüllte Auberginenröllchen
  • Gambas  
  • Aioli auf die faule Art
Lediglich gekauft wurden:  schwarze und grüne Oliven, Serranoschinken, Chorizo, Manchego, eingelegte Peperoni, Mojo rojo und Mojo verde bei denen mir der Aufwand zu groß war die aus dem Glas auch ok sind, sowie Brot
 
...und als Dessert: Mallorquinische Mandeltorte zum Espresso. Da die aber auch ohne die anderen kleinen Schweinerein sehr fein zum Sonntagnachmittagskaffee passt, widme ich ihr einen eigenen Post.

Das Schöne ist, dass sich viele Sachen super vorbereiten lassen. So habe ich zum Beispiel die Tortilla und die Albóndigas bereits am Samstag gekocht, was der Sauce auch nochmal gut Zeit zum Durchziehen gab - hat ihr sicher nicht geschadet! Auch die Auberginen für die Röllchen duften bereits am Vortag gebacken werden. Gut verpackt im Kühlschrank haben sich alle schon auf Sonntag gefreut. Glaub ich jedenfalls. Ich versteh ja so gut wie kein Spanisch.


Bevor es losgeht..... Ich habe einen Arbeitsplan aufgestellt - nennt mich Streber! :) Ich hab mir zuerst überlegt, welche Gerichte auf den Tisch sollen, was ich wann vorbereiten kann und was direkt aus der Pfanne auf den Teller springen sollte. Das war auch insofern hilfreich, dass ich nur 4 Herdplatten und einen Ofen habe - und eine begrenze Kapazität an Töpfen, Pfannen, Energie und Geduld - und vor allem, weil ich WUSSTE, dass am Ende doch wieder alle in der Küche (und damit mir im Weg) stehen würden.

Also werde ich hier auch die vorbereitungstauglichen Dinge zuerst beschreiben. Und weiß jetzt schon, dass das ein ellenlanger Post wird.... also bitte, fühlt Euch so frei, hoch- und runterzuscrollen, wenn ihr keine Hackfleischbällchen mögt! :-)

Und damit es nicht so lange dauert mit dem Scrollen, werde ich einfach 2 Posts daraus machen.


Albóndigas: pikante Hackfleischbällchen mit Tomatensauce



Für die Fleischbällchen:
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Olivenöl
500g Hackfleisch - ich habe Rinderhack genommen, weil ich den intensiven Geschmack mag, aber Schwein oder gemischt geht auch
2 Eier
Semmelbrösel zum Binden
Salz, Pfeffer
1TL gemahlener Koriander
1TL gemahlener Kreuzkümmel
1/2 TL Zimt (unbedingt!)
1/2 TL Muskat, nach Geschmack

Für die Sauce:
Olivenöl
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 kleines Glas Sherry
1 Dose gehackte Tomaten
1 EL Tomatenmark
100ml Rinderbrühe (ich habe sie etwas stärker konzentriert)
Salz, Pfeffer
2 EL gehackte Petersilie


:: Zwiebeln und Knoblauch  fein hacken, in Olivenöl anschwitzen und etwas abkühlen lassen.
Hack mit den Eiern, den Gewürzen und etwas Paniermehl vermischen, angeschwitzte Zwiebeln und Knoblauch untermengen. Die Masse für 2-3 Stunden ruhen bzw. ziehen lassen.
Dann mit nassen Händen kleine Hackbällchen formen, die Hände dabei immer wieder nass machen, damit formt es sich leichter. Die Fleischklopse dann in Olivenöl von allen Seiten anbraten.

:: Für die Sauce Zwiebeln und Knoblauch fein hacken und in einem kleinen Topf in Olivenöl anbraten. Dann das Tomatenmark unterrühren und ebenfalls "anrösten". Mit Sherry ablöschen. Etwas einkochen lassen und die gehackten Tomaten und  die Hälfte der Fleischbrühe einrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen und ca. 10 Minuten kochen lassen.

:: Mein Tipp: die Sauce pürieren, so bekommt sie eine schöne sämige Konsistenz und schmeckt nach mehr als nur gebratenen Zwiebeln mit Tomaten.
Abschmecken und ggf. mit der restlichen Fleischbrühe würzen. Die Hackbällchen untermischen, in einem Schälchen anrichten und mit gehackter Petersilie bestreuen.

:: Vorbereitungsvariante: Die Albóndigas auskühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Die Sauce ebenfalls abkühlen lassen, so lässt sie sich auch gefahrloser prürieren. Kurz vorm Servieren dann die Hackbällchen in die Sauce geben und alles zusammen noch mal 10 Minuten erwärmen, dann anrichten.


Tortilla



3 mittlere Kartoffeln
1 rote Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1/2 rote Paprikaschote
Olivenöl
3 Eier
Salz, Pfeffer, Chilipulver

:: Kartoffeln und Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden.
Die Knoblauchzehe pellen und anquetschen, die Paprika waschen und würfeln.

:: In einer kleinen Pfanne Öl auf mittlerer Stufe erhitzen und die Kartoffeln darin etwa 5 Minuten unter Rühren braten. Dann Zwiebelwürfel und Knoblauchzehe dazugeben und weitere 3 Minuten mitbraten, bevor auch die Paprika hineinkommt und ebenfalls 2 Minuten gebraten wird. Dabei immer schön rühren!

:: Die Knoblauchzehe entfernen.

:: Die Eier verquirlen, salzen und pfeffern. Das Gemüse schön gleichmäßig in der Pfanne verteilen und die verquirlten Eier darübergießen. Die Hitze weiter reduzieren und dann die Tortilla stocken lassen - nicht mehr rühren! Wenn sie sich in der Pfanne bewegen lässt, ist sie durch, eventuell kann man sie jetzt umdrehen und die Oberseite  auch noch bräunen.

:: Auf einen Teller gleiten lassen, in kleine Würfel schneiden und servieren.


Papas arrugadas - kanarische Faltenkartoffeln

500g kleine Kartoffeln, zB. Drillinge
5-6 EL grobes Meersalz

:: In einem Topf die gewaschenen, ungeschälten Kartoffeln gerade so mit Wasser bedecken und das Meersalz hinzugeben.
Wem das viele Salz nicht ganz geheuer ist, der kann es auch erstmal mit 1 EL Meersalz versuchen und am Ende die Kartoffeln salzen. Das ist immer abhängig vom Salz und braucht vielleicht ein paar Erfahrungswerte.

:: Die Kartoffeln etwa 20 Minuten gar kochen, das Wasser sollte dabei fast verkocht sein. Eventuell jetzt erst das Salz hinzugeben und die Kartoffeln offen ausdampfen lassen, dabei hin und wieder den Topf schwenken, damit sich das Salz überall verteilt.
Kurz stehen lassen, dann entwickelt sich die typische Runzel-Kruste an den Kartoffeln.
Traditionell gibt es dazu Mojo rojo, eine scharfe rote Sauce aus Chili, Knoblauch und Tomaten.

Auch gut passt:

Aioli - etwas getrickst.

100g Mayonnaise
4 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl

Die originale und echte Knoblauchmayonnaise wird natürlich aus gutem Öl und frischen Eigelben per Hand gerührt, das Öl wird dabei tröpfchenweise dazugegeben. Dazu hatte ich leider nicht die Geduld Zeit, und so habe ich ein bisschen getrickst und zu bereits fertiger Mayo gegriffen. Schaut aber, dass Ihr eine gute erwischt, also keine mit 5 Sorten Zucker und Unmengen von E-Nummern und mehr Branntweinessig als Öl.

:: 2 Knoblauchzehen pellen, sehr fein hacken und im erhitzen Olivenöl anbraten. Dabei aufpassen! Wenn die Zehen dunkelbraun oder schwarz sind, ist es zu spät, dann schmecken sie meist nur noch bitter. Also am besten im hellbraunen Zustand von der Herdplatte ziehen, die Pfanne heizt ja auch noch nach. Falls sie schon ziemlich braun sind, sofort mit dem Öl in ein Schüsselchen geben und abkühlen lassen.

:: Die restlichen 2 Knoblauchzehen pellen und entweder fein hacken oder reiben.

:: Die Mayonnaise mit dem gebratenen Knoblauch und dem aromatisierten Öl gut verrühren und den frisch gehackten oder geriebenen Knoblauch unterrühren. Kurz stehen lassen, dann abschmecken und, falls es noch nicht stark genug ist, um Dracula damit zu vertreiben, noch etwas mehr Knobi dazu. Aber vorsicht - der Knoblauch setzt nach und nach seine Wirkung frei, also lieber kurz vorm Servieren nachknofeln.

:: In ein kleines Glas umfüllen und als Dekoration eine ungeschälte Knoblauchzehe einschneiden und auf den Glasrand setzen. (Ja genau - so wie das normalerweise das Obst am Rand eines Cocktailglases tut!)


Glückwunsch an alle, die sich hier heruntergearbeitet haben! Für die ganz Mutigen und Unerschrockenen geht es in Teil 2 mit Pimientos, gefüllten Champignons und Auberginenröllchen weiter.  Aber den muss ich erstmal schreiben. :-)

¡Olé!

Samstag, 13. November 2010

Brasilianische Fischsuppe

Traditionellerweise essen Testesser und ich am Freitag - hahaha, reingefallen, oder? "Fisch" ist leider nicht die richtige Antwort. :-) Nein, bei uns gibt es am Freitag in der Regel Suppe. Das kommt noch aus der Zeit, in der wir einige hundert Kilometer voneinander entfernt wohnten, Testesser sich aber fast jeden Freitag auf den Weg zu mir gemacht hat. Da waren Suppen das praktischste, da sie auch Verkehrsstau-bedingte Verzögerungen überstanden und einfach aufgewärmt werden konnten. Wir haben diese Tradition beibehalten, aber so langsam habe ich ziemlich alle Suppenrezepte durchgekocht! Da kam mir diese Fischsuppe gerade recht.

Zwar habe ich mich bei der Durchsicht der Zutaten gefragt, was jetzt so brasilianisch an der Suppe ist (vielleicht soll man beim Kochen im Samba-Takt Zwiebeln schneiden?), aber dann fiel mir ein, dass ich vor einigen Jahren einen Kochkurs zum Thema "Karibische Küche" belegt hatte, in dem wir eine ähnliche Suppe gekocht haben, allerdings mit Kokosmilch und nicht mit Kokoswasser. Und da Kokoswasser in Brasilien ja quasi ein Alltagsgetränk ist, glaube ich Eatsmarter.de, von denen das Rezept ist, einfach mal. Auf jeden Fall ist das das Rezept mit der längsten Zutatenliste, die ich in letzter Zeit gekocht habe!!! Aber nicht abschrecken lassen, es lohnt sich wirklich, und sobald das Gemüse geschnippelt ist, ist die Hauptarbeit sowieso vorbei.




Brasilianische Fischsuppe mit Kokos und Chili

3 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
3 Paprikaschoten (je 1 gelbe, rote, grüne)
1 Stange Staudensellerie 
1 Dose gehackte Tomaten (das Originalrezept verlangt 400g reife Tomaten, aber die krieg mal ohne Probleme im November...)
2 rote Chilischoten
1 Stück Ingwer 
Öl
Salz
Pfeffer
200 ml Kokoswasser
1 l Geflügelbrühe
1 EL gemahlener Kreuzkümmel
1 Limette, halbiert und ausgepresst
400 g weißes Fischfilet (bei mir gab es Viktoriabarsch)
200 g Garnelen 
1/2 Bund Frühlingszwiebeln  

:: Zwiebeln schälen und fein würfeln, den Knoblauch schälen und hacken oder in feine Scheiben schneiden.
Paprika würfeln, Chilis halbieren, entkernen und in feine Streifen schneiden.
Staudensellerie putzen, eventuell "entfädeln" und in 1cm breite Stüche schneiden. Ingwer schälen und fein hacken.

:: In einem großen Topf Öl erhitzen und Zwiebeln, Knoblauch, Paprika und Sellerie darin etwa 5 Minuten andünsten.
Tomaten, Chili und Ingwer dazugeben und eine weitere Minute mitdünsten. Salzen und pfeffern.

:: Kokoswasser und Brühe dazugießen und aufkochen lassen. Mit Kreuzkümmel würzen und 10 Minuten leicht köcheln lassen.

:: In der Zwischenzeit Fisch und Garnelen putzen, die Garnelen, wenn nötig, von der Schale befreien - hier eignen sich geschälte Garnelen am besten (öh, ja. Ich hab eher lange an den Schalen rumgepult.) Den Fisch in mittelgroße Stücke schneiden.
Fisch und Garnelen zur Suppe geben und 5 Minuten gar ziehen lassen und die Suppe mit der Hälfte des Limettensaftes würzen.

:: Die Frühlingszwiebeln waschen und in Streifen oder Scheiben schneiden. Das Rezept bei Eatsmarter.de sagt zwar, dass die Frühlingszwiebeln optional sind, aber ich finde, dass sie ein MUSS sein, da sie der Suppe erst den richtigen Kick geben.

:: Die Suppe noch einmal mit Salz, Pfeffer und dem restlichen Zitronensaft abschmecken, in tiefen Tellern oder Schalen anrichten und mit den Fühlingszwiebeln bestreuen.

Dazu: Baguette und gut gekühlter, nicht allzu fruchtiger Riesling.


Mittwoch, 10. November 2010

Zucchini-Ziegenkäse-Pizza

Im Sommer hatten wir eine zeitlang eine kleinere Zucchini-Schwemme. Irgendwann konnte ich kein gegrilltes oder geschmortes oder tomatisiertes Zucchini-Gemüse mehr sehen, musste aber der Menge Herr werden - also habe ich das Netz nach anderen, neuen Varianten durchsucht. Ich habe tatsächlich so viele interessante und ungewöhnliche Rezepte gefunden, dass ich fast neue Zucchini kaufen wollte! ;-) Bevor sie mir aber tatsächlich zu den Ohren herauskamen, habe ich dann schnell noch die damals frisch im Netz entdeckte und für sehr lecker befundene Zucchini-Pizza gebacken, den Rest eingelegt und dann das Kapitel "grüne längliche Dinger" für einige Zeit für beendet erklärt. 
Neulich beim Einkaufen kam mir diese Pizza, die genau betrachtet gar keine ist, wieder in den Sinn, und so landeten erst Ziegenfrischkäse und Zucchini im Einkaufskorb und dann die Pizza im Ofen.

Wer sich beim Gedanken an Ziegenfrischkäse schüttelt, kann den Belag natürlich auch mit normalem Frischkäse backen, allerdings geht dann wohl die Säure etwas verloren. Alternativ müsste auch Crème fraîche funktionieren, vom Prinzip her ist diese Pizza ja dem Flammkuchen ähnlich.
Allen, die sich bei dem Käse aber einfach nur unsicher sind, sei gesagt, dass er wirklich nicht "streng" oder schafig schmeckt (wie auch - anderes Tier ;-)), sondern einfach nur ein wenig säuerlicher als Philadelphia. Oder Buko. Oder Exquisa.




Zucchini-Ziegenkäse-Pizza

Ergibt 2 normale, dünn ausgerollte Pizze oder 4-5 Fladen von der Größe derer auf dem Foto.

Teig:
200g Mehl
1 Prise Salz
1 Tütchen Trockenhefe
1 EL Olivenöl
100 ml lauwarmes Wasser

Belag:
150g Ziegenfrischkäse (zB. Chavroux im Becher)
Saft von 1 Zitrone
Salz, Pfeffer
1-2 Zucchini
etwas Olivenöl

:: Zunächst für den Teig die trockenen Zutaten in einer Rührschüssel vermischen. Öl und Wasser dazugießen und mit einem Löffel die Zutaten solange rühren, bis sie sich zu einer Kugel vermengt haben. Die Kugel kurz, aber gut durchkneten und in der Schüssel etwa 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen (beim Landbrot hatte ich das mit der Hefeteigsauna erklärt - funktioniert hier genauso).

:: In der Zwischenzeit den Belag vorbereiten. Dafür den Ziegenfrischkäse mit der Hälfte des Zitronensafts, Salz und Pfeffer vermischen.
Die Zucchini waschen und entweder in sehr feine Scheiben schneiden oder über den Gemüsehobel jagen. Ich habe gehobelt und bin daher mit einer einzigen, mittelgroßen Zucchini ausgekommen. Zu dick sollten die Stücke auch deswegen nicht werden, da die Backzeit mit etwa 12-15 Minuten recht kurz ist.

:: Den Backofen auf 250°C heizen und ruhig schon mal 5 Minuten auf der Temperatur laufen lassen, bevor die Pizza in den Ofen kommt. Volle Pulle deswegen, weil der Boden nur so knuspig werden kann, ohne dass der Belag ihn zermatscht.

:: Den Teig, der auf die doppelte Größe aufgegangen sein sollte, noch einmal kurz durchkneten und dann wie folgt verarbeiten:

- für ein ganzes Blech: kompletten Teig auf Blechgröße ausrollen und auf ein entweder bemehltes oder mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.
- für 2 runde Pizze den Teig halbieren und jeweils auf die gewünschte Größe und Dicke (gibt's das Wort "Dünne"???) ausrollen. Ab auf's Backblech bzw. die Backbleche.
- für kleine Fladen den Teig vierteln und zu Mini-Pizze ausrollen.

:: Die Ziegenkäsemischung auf dem Teig verstreichen, pizza-typisch einen kleinen Rand lassen. Die Zucchini "dachziegelartig" darauf schichten und mit etwas von dem restlichen Zitronensaft und ein paar Tropfen Olivenöl beträufeln. Noch einmal pfeffern, am besten schwarzen Pfeffer aus der Mühle verwenden.

:: Die Pizza etwa 12 - 15 Minuten backen, bis die Zucchini weich sind und der Rand sich wölbt und braun wird. Im Zweifelsfall einfach noch mal den Ofengrill anwerfen und bräunen.



Beim Schreiben fiel mir ein, dass sich diese Pizza, die keine ist, super als Fingerfood bzw. als erster Gang für mehrere Leute eignen müsste. Einfach viele kleine Fladen aus dem Teig formen, mit Frischkäse beschmieren und mit wenigen Zucchinischeiben belegen. Für Gäste könnte man dann sogar nach gelben Zucchini suchen und die Scheiben farblich abwechselnd schichten.

Und wer nicht soviel Pizza auf einmal essen kann, der kann die Dinger auch fix und fertig ausgerollt und belegt, aber UNGEBACKEN einfrieren, am besten mit einem Blatt Backpapier dazwischen. Direkt und ohne Auftauen vom Tiefkühler in den auf 250°C vorgeheizten Backofen schieben und backen, die Zeit verlängert sich dann um etwa 2-3 Minuten.
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