Sonntag, 30. Januar 2011

Apfel-Cupcakes mit (Fake-)Amaretto-Haube

Früher hing doch über den Telefonen in Hotels oder anderen öffentlichen Orten (und wahrscheinlich auch in so manchem sparsamen Haushalt) ein Schild mit dem prägnanten Text: "Fasse Dich kurz!" So wie hier, zum Beispiel.
Zum Glück gilt das nicht für Blogs, da darf ja jeder so viel und so lange quasseln wie er/sie mag. Sonst könnte ich Euch nur EINE der beiden Stories erzählen, die hinter dem heutigen Rezept stehen. Goddegoddegodd, das wäre dramatisch.


Neulich beim Mittagessen kam einer meiner Kollegen in die gemeinsame Küche, sah den (von mir) mitgebrachten Kuchen, sah mich an und sagte "Ich bin dafür, dass Du wieder aus diesem Büro entfernt wirst. Wir werden alle dick!" Meine Kollegin unterstützte ihn: "Ja, wir nehmen alle zu, aber Du isst das nicht und bleibst schlank!". Hm. Also erstens muss ICH dieses Jahr in ein Brautkleid passen, was Grund genug wäre, auf Süßes zu verzichten. Aber egal! Denn zweitens ess ich den Kuchen wohl - und zum Beweis nahm ich gleich noch ein zweites Stück. So! 
Morgen werde ich KEINEN Kuchen mitnehmen, aber ganz bestimmt ein Foto vom Kuchen - und vor allem eins, auf dem nur noch Krümel zu sehen sind. Ätsch-bätsch, liebe Kollegen. Wetten, Ihr wollt dann eins?
Deswegen also der Cupcake-Sonntag. Einfach, um es ihnen zu zeigen, jawoll!!!

Und die zweite Story? Die ist der Hintergrund für das cremige, und nur leicht gehaltvolle Frosting.
Gestern war ich auf einer Geburtstagsparty und ich glaube, der Freund des Geburtstagskinds muss ungefähr die letzten zweieinhalb Wochen in der Küche verbracht haben... zu später Stunde wurde eine dreistöckige Geburtstagstorte mit vielen vielen Kerzen auf der obersten Torte hereingetragen. Dreistöckig. Drei.Stöckig. Gefüllt, verziert und garniert mit ungefähr allem, was für Menschen, die in diesem Jahr in ein Brautkleid passen müssen, VERBOTEN ist, was aber viiiiiiiel zu verführerisch ist, um es NICHT zu essen. (Sport? Ich? Nöööö...)
Der Wahnsinn. Das dachten sich auch alle anderen Gäste, denn die 3 Stockwerke Torte waren in Nullkommanix weg. Ich hab mir gerade noch ein Stück von der untersten Schicht retten können! 
"MEHR!" verlangte mein Magen. OK, dachte ich, bis Juni hab ich noch 4 Monate, und im Zweifelsfall wird das Kleid weiter gemacht. 
Und so bekamen die Apfel-Cupcakes eine cremige Vanille-Amaretto-Haube.



Ich habe diesmal ein Rezept von Jeanny's fabulous Cupcake Adventure bei Ohhh... Mhhh... ausprobiert, nur den Zucker ein bisschen reduziert. Werd ich öfter machen, die Cupcakes waren locker und saftig.
Normalerweise würde ich zunächst Ei und Zucker schaumig schlagen, dann Butter und am Ende Mehl und Backpulver unterrühren, aber Jeanny empfiehlt, zunächst die trockenen Zutaten mit der Butter zu mischen. Das hat gut funktioniert und gibt dem Teig eine kompakte Konsistenz, ohne dass er zu luftig bzw. bisquit-ig wird.

Bisquit-ig. Schönes Wort.


Apfel-Cupcakes
Für 12 Cupcakes

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**


125g Mehl
80g Zucker
1 Prise Salz
1 1/2 TL Backpulver
40g weiche Butter
120ml Milch
1 Ei
1/4 TL Vanillearoma (bzw. ein paar Tropfen Back-Aroma)
2 mittelgroße, säuerliche Äpfel (z.B. Elstar)

Backofen auf 170°C vorheizen.

Mehl, Backpulver, Zucker und Salz vermischen und mit Butter mixen, bis eine "sandige" Konsistenz entsteht. Mir hat es geholfen, wie bei Streuseln die Butter mit den Fingern unterzuarbeiten.

Die Hälfte der Milch einrühren, bis ein glatter Teig entsteht. Dann die restliche Milch mit dem Ei und dem Vanille-Aroma aufschlagen und in den Teig einrühren, einmal "gescheit" durchmixen, bis der Teig keine Klümpchen mehr hat.

Tipp von der fabulösen Jeanny: Cupcake-Teig niemals ÜBERmixen, sonst werden die kleinen Kuchen hart. Thanks!

Eine Muffinform mit 12 Papierförmchen auslegen und in jedes Förmchen einen Kleks Teig einfüllen.

Äpfel schälen, entkernen, in Spalten oder Würfel schneiden und gleichmäßig auf die Förmchen verteilen, dann mit dem restlichen Teig bedecken.
Die Apfelstücken nicht ZU klein schneiden, sonst schmeckt mann sie nachher nicht raus.

Etwa 25 Minuten backen und gut auskühlen lassen.


(Fake-)Amaretto-Frosting

1/2 Beutel Puddingpulver
100ml Milch
1 EL Zucker
100g weiche (!!!) Butter
50g Puderzucker
1/2 Fläschchen Bittermandel-Aroma oder 2 EL Amaretto


Pudding nach Packungsanweisung kochen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dabei immer wieder rühren, damit sich keine Haut bildet (oder Frischhaltefolie direkt auf die Pudding-Oberfläche legen).

Butter, Puderzucker und Aroma (oder echten Amaretto) cremig mixen, und dann löffelweise den abgekühlten Pudding unterrühren.
2 Minuten auf höchster Stufe schlagen, dann in eine Spritztülle füllen und Häubchen aufspritzen, oder mit dem Löffel auftragen und verstreichen.

1 Stunde kühl stellen, damit die Creme fest werden kann. Dann dekorieren - und genießen...

Als Ausgleich gibt es heute abend Salat. Mit Brathuhn. :) Aber hey, ich habe einen Auftrag zu er- und einen Blog zu be-füllen. Also.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Desaster. Oder: manchmal geht's daneben. Oder: Pasta-Fenchel-Auflauf.

Als Testesser und ich zusammenzogen, erhielt er von seinem Vater eine kleine Predigt. In Auszügen wurde sie mir weitererzählt (und ich glaube, den Rest will ich gar nicht wissen), so unter anderem auch, dass sein Vater ihn ermahnte, ja auch immer alles zu essen, was die Frau ihm kocht und vorsetzt. Braver Junge, der er ist, hat Testesser natürlich genickt und zugestimmt. Und ich muss wirklich sagen, dass ich noch keine Klagen gehört habe, sondern dass er immer voll des Lobes ist. Jetzt weiß ich natürlich nicht, in welchem Maße die Liebe auch die Geschmackssinne beeinflusst...

Heute aber war ich froh, dass er nicht zum Essen da war. Heute hab ich's wirklich verpatzt, anders kann man es nicht sagen.
Daher gehört dieser Post in die Kategorie "Desaster" und soll eher zeigen, dass nicht alles gelingen muss in meiner Küche. :-)

Pasta-Fenchel-Auflauf wird es als Reste-Essen nämlich so nicht mehr geben.



Wobei ich die Schuld ja zumindest zu 50% den Nudeln zuschieben muss. Ich bin nach folgender Gleichung vorgegangen:

Spaghetti mit Fenchel und Tomatensauce schmeckt gut! Vollkorn-Spaghetti schmecken auch gut!
ERGO: Fenchel mit Vollkorn-Penne rigate müssen auch schmecken. FALSCH.





Zumindest die Vollkorn-Nudeln, die mein Glas hergab, schmeckten überhaupt nicht. Wie Sägemehl.





Auf dem Bild deutlich zu erkennen: 

Oben: schlechte Penne.





Unten: leckere Penne.









In der Theorie könnte es also mit normalen Penne Rigate aus der blauen Packung funktionieren. Aber ob ich es wirklich testen will?

Die ungekochten (VK-)Nudeln habe ich in eine Auflaufform gelegt, mit Brühe bedeckt, eine halbe Dose gehackte Tomaten, Salz und Pfeffer dazugegeben und alles einmal durchgerührt.
Zwei Fenchelknollen habe ich in Ringe geschnitten, kurz in Olivenöl angebraten, gepfeffert und dann über die Nudeln verteilt, dann alles mit Parmesan bestreut und eine halbe Stunde in den Backofen geschoben.

Der Fenchel schmeckt OK, aber was soll man bei gratiniertem Fenchel auch anders erwarten?
Die Nudeln hingegen waren widerlich. Matschig, mehlig, pampig, so dass selbst die Tomatensauce übertönt wurde.



Aber wisst Ihr, was das allerschlimmste ist? Ich war so hungrig, dass ich es trotzdem gegessen habe. Zumindest den Fenchel. Und, öhm, ja - auch einen Teil der Nudeln.

Manchmal ist es ganz gut, Strohwitwe zu sein. Dann kann man sich wenigstens nicht blamieren! Man hat ja einen Ruf zu verlieren.

Aber danach gab es erstmal ein Eis, um den Geschmack loszuwerden.

Dienstag, 25. Januar 2011

Orientalisch inspiriert: Auberginenschnitzel mit Sumach und Tabouleh

Ich weiß ich weiß ich weiß - es ist nicht sonderlich kultiviert und wirklich das letzte, was ein ambitionierter Koch von jemandem, der das Teenageralter seit geraumer Zeit verlassen hat, hören will, aber zu unserem heutigen Abendessen fällt mir kaum etwas anderes ein als:

Boah ey, das war mal voll lecker!!!

Ich glaube, ich blamiere mich gerade total, indem ich beweise, dass ich meine Teenagersprache in den 1990ern erworben habe (sagt man heute überhaupt noch "boah ey"???). Also komme ich mal lieber zum Thema und erzähle Euch von meiner Neuentdeckung aus dem Gewürzregal. Sumach. Boah ey. Warum hab ich das noch nicht früher gefunden, Aldaaa?! Krasses Zeug.
Sumach findet vor allem in der arabischen, türkischen und persischen Küche Verwendung und schmeckt... ja, wie? Zitronig, säuerlich, pfeffrig. Sehr eigen. Aber es hat dem Gericht den letzten Pfiff gegeben und macht durch seine dunkelrote Farbe auch optisch was her. (Das Foto lügt. Es WAR rötlich.)
In meiner Kochbuch-Neuerwerbung "Die neue vegetarische Küche" von Maria Elia wurde für ein Gericht Sumach verlangt, und beim türkischen Lebensmittelhändler meines Vertrauens habe ich für kleines Geld ein Tütchen von dem roten Zeug erwerben können., so dass es heute abend ein Essen mit deutlich orientalischem Einschlag geben konte: Auberginenschnitzel mit Tabouleh.



Auberginen sind bislang nicht zwingend mein Lieblingsgemüse gewesen, außer für Moussaka und mit Frischkäse gefüllten Röllchen konnte ich nicht sooo viel damit anfangen. Wahrscheinlich hängt das auch damit zusammen, das meine Mutter irgendwann um 1990 herum mal gehört hatte, dass Avocados, gefüllt mit Quarkcreme, gut schmecken sollen. Beim Einkaufen griff sie dann zielstrebig zu, Ihr könnt es Euch denken, Auberginen. Und wunderte sich dann, dass es nicht schmeckte. Das hat wohl ein Auberginen-Trauma bei mir ausgelöst...
Doch ich habe meine Meinung geändert! Auberginen rocken!

Maria Elia kocht statt des klassischen Bulgur- oder Couscous-Taboulehs eines mit Linsen, aber die Auberginenschnitzel waren experimentell genug für einen Abend... :-)




Auberginenschnitzel mit Sumach und Tabouleh
Für 4 Portionen

Für das Tabouleh:
200g Bulgur
3 Tomaten 
1/2 Salatgurke, ohne "Kernstrang"
1 rote Zwiebel
1 Bund glatte Petersilie
3 Zweige Minze - oder mehr, wenn man mag
Zitronensaft
Olivenöl
Salz, Pfeffer, 1 Prise Zimt

Für die Auberginenschnitzel:
2 Auberginen
75g Semmelbrösel
2 EL Sumach
15g Parmesan
3 EL fein gehackte Petersilie
3 EL fein gehackte Minze
abgeriebene Schale von 1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
3 EL Mehl
1 Ei
Olivenöl zum Braten


Zunächst das Tabouleh zubereiten:
Dafür Bulgur nach Packungsanweisung zubereiten, abgießen und mit kaltem Wasser abspülen, dann gut abtropfen und komplett abkühlen lassen.
Zwiebel, Gurke und Tomaten fein würfeln.
Petersilie und Minze fein hacken.
Gemüse, Kräuter und Bulgur miteinander vermischen, mit Salz, Pfeffer und Zimt würzen und mit Olivenöl und Zitronensaft abschmecken. Etwas durchziehen lassen.

Nun wird es etwas fieseliger, aber der Aufwand lohnt!
Für die Panade der Schnitzel den Parmesan fein reiben, und mit der Petersilie (wirklich fein hacken), der Minze (dito!), Semmelbrösel, Sumach, abgeriebener Zitronenschale, Salz und Pfeffer vermischen.

Auberginen waschen, trocknen und in längs in 1 cm breite Scheiben schneiden.

Kochbuchautorin Maria Elia möchte nun, dass wir 3 Schüsseln zum Panieren nehmen. Schüsseln. Na das möchte ich sehen, wie sie die sperrigen Auberginenscheiben in Schüsseln mehliert, durch das Ei zieht und dann in der Panade wendet! Das geht sicher mit Fleisch, aber für die Auberginen habe ich doch lieber auf normale Teller zurückgegriffen.

Auf einen Teller Mehl geben, in einem zweiten das Ei verquirlen und auf einem dritten Teller die Panade bereitstellen.

Die Auberginenscheiben erst im Mehl wenden, überschüssiges Mehl leicht abklopfen, dann von beiden Seiten einmal durch die Eierpfütze ziehen und anschließend in der Panade wälzen.
Reichlich Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die Schnitzel bei mittlerer Hitze auf jeder Seite 4-5 Minuten braten. 

Erwartungsgemäß passen nicht alle Schnitzel gleichzeitig in die Pfanne, daher empfielt es sich wirklich, die Pfanne zwischendurch mit einem Küchenpapier auszuwischen und angebrannte Reste zu entfernen. Die nachfolgenden Schnitzel saugen sonst die Überreste ihrer Vorgänger auf, und verbrannte Panade schmeckt einfach nicht!

Die Schnitzel herausnehmen, auf Küchenpapier leicht abtropfen lassen und zusammen mit dem Tabouleh servieren. Gern noch mit zusätzlichem Sumach bestreuen!


Da wünsche ich nur: ǃهنيئا ومريئا

Donnerstag, 20. Januar 2011

Eingelegter Knoblauch

Griechisches Kochbuch, ich komme!



Neulich habe ich "Gigandes plaki" kochen wollen, Riesenbohnen in Tomatensauce, eines meiner Lieblings-Leckereien im griechischen Vorspeisen-Business. Das kann ich mehr oder weniger im Schlaf, aber ich dachte mir, schauen wir doch mal, was Herr Psilakis dazu sagt und habe die Bohnen kurzerhand nach seinem Rezept gekocht. Und das war sicher nicht das letzte Mal! Schon allein deswegen nicht, weil er kurz vor Ende "Garlic purée" untergerührt haben wollte - "see page 264". Hui. Ein Rezept im Rezept. Wie immer hatte ich das überlesen. Auf Seite 264 wurde mir klar, dass ich nicht mal eben so Knoblauchpürée würde zusammenrühren können, denn besagtes Pürée verlangte erstmal eingelegten Knoblauch...
Den "Gigandes Plaki" habe ich an diesem Abend das Pürée vorenthalten und auf das nächste Mal vertröstet, aber die Idee vom eingelegten Knoblauch ließ mich ab dann nicht mehr in Ruhe. Ich hatte mich schon mehrfach an Knoblauchöl versucht, aber so richtig toll und aromatisch ist es mir nicht gelungen.

Auch bei dieser Variante habe ich zwei Anläufe gebraucht. Michael Psilakis' Rezept sieht vor, die Knoblauchzehen in Olivenöl in einem Bräter eine Stunde bei 150°C zu schmoren. Versuch Nr. 1 kam schwarz aus dem Ofen... Beim zweiten Versuch habe ich die Knoblauchzehen bei minimaler Hitze auf dem Herd vor sich hinköcheln lassen, ca. 45 Minuten, und wurde dafür mit mediterranem Duft belohnt und einem herrlich aromatisierten Öl.

Naja, nur die Mengen habe ich leicht *hüstel* angepasst. Das Psilakis-Rezept sprach von, haltet Euch fest, "3 cups garlic cloves". 3 Tassen. Ja klar! Ich habe es auf 4 Knollen reduziert, deren Zehen dann gepellt in etwa 1 Tasse ergab. 
Ebenso habe ich auf die Mischung aus Raps- und Olivenöl verzichtet und angesichts der kleinen Menge reines Olivenöl verwendet. Immerhin griechisches!



Eingelegter Knoblauch

für 1 Schraubglas

adaptiert nach Michael Psilakis, "How to Roast a Lamb" 

4 Knollen Knoblauch
2 Zweige Thymian
1 Lorbeerblatt
1/2 TL grobes Meersalz 
grob gemahlener schwarzer Pfeffer
sehr viel Olivenöl


:: Knoblauch in Zehen teilen und pellen.
Zusammen mit Thymian, Lorbeer, Salz und Pfeffer in einen Topf geben und mit soviel Olivenöl bedecken, dass der Knoblauch nicht mehr herausguckt.

:: Den Topf zudecken und bei minimalster Hitze auf dem Herd erwärmen, dabei hin und wieder umrühren. Wenn das Öl zu brodeln und der Knoblauch zu brutzeln beginnt, kurz von der Herdplatte ziehen und leicht abkühlen lassen, dann wieder auf die Platte stellen.

:: Nach ca. 45 Minuten in ein ausgekochtes Schraubglas füllen und vollständig abkühlen lassen.

Psilakis sagt, dass sich der eingelegte Knoblauch im Kühlschrank ca. 3 Wochen hält. Ich würde behaupten, dass er sich auch länger hält, denn Öl konserviert ja recht gut. Und wenn man sich bei Öffnen und Entnehmen an ein paar hygienische Grundregeln hält (sauberer Löffel, nicht reinfassen), sollte eigentlich nichts schiefgehen.

Dienstag, 18. Januar 2011

Meerrettich-Risotto mit Schwarzwurzeln

Hey, ich bin gar nicht mal so schlecht, was die guten Vorsätze für 2011 betrifft. Ich habe am Wochenende 3 Ladungen Wäsche gewaschen und gestern abend alles (!!!) gebügelt. Ich habe Rechnungen sortiert und den Flur entrümpelt. Und ich habe schon 2 Rezepte aus dem griechischen Kochbuch ausprobiert, eins davon definitiv blog-tauglich. Auch das Repertoire an ungewöhnlichen Gemüse- bzw. vegetarischen Kombinationen wächst und gedeiht. Kochbücher sind schon was feines! :-)

Das dachte sich wohl auch die Stadtverwaltung meines Wohnortes. Da der Griechentestesser und ich im Sommer vor das Standesamt ziehen, haben wir kürzlich eben jenes Vorhaben dort anmelden müssen. Am Ende des Gesprächs gab es tatsächlich ein Geschenk für uns! (Wahrscheinlich ist es in der Anmeldegebühr von 40 EUR schon eingerechnet...) Zuhause kam ich aus dem Grinsen nicht mehr raus, denn was schenkt man wohl einer jungen Ehe, besonders der jungen Ehefrau? Genau.... ein Grundkochbuch, mit schönen bunten Fotos aus den frühen 90ern. In denen der Pizzateig zentimerterdick auf's Blech gebracht wurde, damit der unvermeidliche Ketchup und der Pizza-Käse-Mix diesen dann auch ordentlich durchweichen konnte. 
Aber immerhin! Also - danke, liebes Standesamt! Und wer weiß, vielleicht finde ich in diesem Grundkochbuch dann die Antworten auf so drängende Fragen wie "Wie bereite ich eigentlich Schwarzwurzeln zu?"


(Hammer-Überleitung, oder?)

Vor genau diesem Problem stand ich am Sonntag abend. Ihr erinnert Euch: Aus einer Laune heraus hatte ich ein Bund Schwarzwurzeln gekauft und wusste dann nicht genau, was ich eigentlich damit anfangen soll. Ich konnte mich nur noch daran erinnern, das die Dinger einen fiesen, klebrigen Saft absondern, also habe ich mich auch gleich mal mit OP-Handschuhen bewaffnet. Und das war gut so! Was an Klebrigkeit vom Handschuh an die Armatur abgegeben wurde, war nicht von schlechten Eltern.
Da mich die Schwarzwurzeln in der Optik ein wenig an Meerrettich erinnerten, war es dann nur noch ein kleiner Sprung hin zur Erinnerung an das Meerrettich-Risotto, das ich neulich in Österreich probiert habe. Dort wurde es als Krenrisotto zum Tafelspitz serviert.

Das Ergebnis ist insgesamt sehr zufriedenstellend geworden und ergab eine kleine, feine Vorspeise.



Meerrettich-Risotto mit Schwarzwurzeln
Für 4 Portionen

1 Bund Schwarzwurzeln
1 Tasse Risotto-Reis
2 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
1 l klare Gemüsebrühe, ggf. gemischt mit Weißwein
1 Handvoll frisch geriebener Parmesan
1-2 TL geriebener Meerrettich, aus dem Glas
abgeriebene Zitronenschale und einige Spritzer Zitronensaft
Petersilie

:: Zunächst die Schwarzwurzeln schälen (dazu am besten OP-Handschuhe anziehen!) und sofort in kaltes Wasser mit etwas Essig legen, damit sie keine braunen Stellen bekommen. Wenn alle Wurzeln geschält sind, noch einmal kurz abspülen und dann mit reichlich kaltem, gesalzenen Wasser aufsetzen. Aufkochen lassen und ca. 5-10 min köcheln, bis sie weich, aber nicht matschig sind. Da sie noch angebraten werden, können sie ruhig fester sein, als wenn man sie nur gekocht essen würde.
Abgießen und abkühlen lassen.

:: Für das Risotto die Frühlingszwiebeln hacken und in heißem Olivenöl anbraten. Den Reis dazugeben und unter Rühren kurz mitbraten lassen. Dann mit soviel Gemüsebrühe ablöschen, dass der Reis bedeckt ist. Hitze reduzieren und unter viiiiiel Rühren köcheln, bis die Brühe vom Reis aufgesogen wird. Wieder Brühe angießen, immer schön weiterrühren, bis die Brühe aufgesogen wird.... solange wiederholen, bis der Reis weich und cremig ist, innen aber al dente bleibt. 

:: Kurz vor Ende der Garzeit den Parmesan, den Meerrettich und die abgeriebene Zitronenschale unterrühren und mit Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

:: Die abgetropften Schwarzwurzeln in gleich große Stücke "trimmen" und in Olivenöl rundherum goldbraun anbraten, dabei mit grobem Meersalz würzen.

:: Auf den (vorgewärmten) Vorspeisetellern das Risotto anrichten und mit gehackter Petersilie bestreuen, die gebratenen Schwarzwurzeln darauf verteilen und servieren.

Sonntag, 16. Januar 2011

Apfel-Rosen-Kuchen

Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass ich ja schon lange nichts mehr gebacken habe, aber das stimmt ja gar nicht, wie ein Blick auf die immer noch nicht weggeräumten Plätzchendosen zeigt. In manchen ist sogar noch was drin! Ich sollte die Plätzchen am  Montag einfach ins Büro mitnehmen, von meinen lieben Kollegen erzählen mir zwar zwei Drittel, dass sie jetzt aber mal, und gute Vorsätze und überhaupt und die 3 Kilo Weihnachtsspeck... aber am Abend ist der Keksteller dann doch wieder leer gefuttert.

Aber ich mochte wirklich mal wieder was anderes backen, und da kam mir dieser winterliche Apfelkuchen gerade recht. Genau das richtige für Sonntagnachmittage auf dem Sofa!

Für den Kuchen auf dem Foto habe ich etwas mehr Teig gemacht, so dass es für ein Backblech reicht, die unten angegebene Menge ist für eine 28er Springform berechnet.

Die Menge der Äpfel ist auch reichlich, aber ich finde, dass ein APFELkuchen auch sicht- und schmeckbare Apfelstückchen haben sollte.



Apfel-Rosen-Kuchen

für eine 28er Springform.

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe). Allerdings ist durch die Rosinen und die Glasur immer noch Zucker enthalten.**


Für den Teig:
400g Mehl
70g Zucker
1 Prise Salz 
1 Ei 
150ml Milch
20g Frischhefe (ca 1/2 Würfel) - oder ein Tütchen Trockenhefe
70g Butter

Für die Füllung:
100g Rosinen oder getrocknete Cranberries
2 EL Sherry (oder Rum oder Likör oder Apfelsaft)
800g Äpfel
50g brauner Zucker
1 TL Zimt
2 EL Zitronensaft
50g Butter

Zum Glasieren: 
helle Marmelade oder Gelee


:: Für den Hefeteig das Mehl in eine große Schüssel sieben, mit Zucker und Salz vermischen, dann in die Mitte eine Vertiefung drücken und das Ei darin aufschlagen.
Die Milch erwärmen, Hefe darin auflösen und 5 Minuten stehen lassen, bis die Mischung leicht zu schäumen anfängt.
Die Butter schmelzen lassen und zusammen mit der Milch-Hefe-Mischung zum Mehl geben. Mit den Rührhaken des Handmixers verrühren und anschließend noch einige Minuten gut durchkneten.

:: Abdecken und 1-2 Stunden an einem warmen Ort gehen lassen (Stichwort "Hefeteigsauna"), bis sich das Volumen deutlich vergrößert, am besten verdoppelt hat.

:: In der Zwischenzeit die Rosinen oder getrockneten Cranberries in einer Schüssel mit dem Sherry vermischen und ziehen lassen.

:: Kurz vor Ende der Gehzeit des Teigs die Äpfel schälen, in Würfel schneiden, mit Zitronensaft beträufeln und dann mit Zucker und Zimt vermischen.
Ich habe den Zimt auch schon mal durch Vanilleextrakt ersetzt - auch sehr fein!

:: Eine 28er Springform vorbereiten und bereit stellen.

:: Den gegangenen Teig noch einmal kurz durchkneten, dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn zum Rechteck ausrollen, ca. 40x30 cm.
Butter schmelzen und den Teig mit 2/3 der flüssigen Butter bestreichen. Die Rosinen unter die Äpfel mischen und auf der Teigplatte verteilen.

:: Den Teig vorsichtig von der langen Seite her aufrollen und die entstandene "Wurst" mit einem scharfen Messer in 3-4cm dicke Scheiben schneiden. Die Rollen dann nicht allzu dicht in die Springform setzen - Achtung, die schlüpfrigen Apfelscheißerchen fallen dabei gern raus - die Füllung guckt dabei natürlich nach oben. (Wollte ich nur mal gesagt haben.)

:: Noch mal 20 Minuten gehen lassen, dann mit der übrigen flüssigen Butter bestreichen.

:: Den Backofen auf 180°C vorheizen und den Kuchen anschließend etwa 30 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist.

:: Aus dem Ofen nehmen. Die Marmelade oder das Gelee in einem kleinen Topf erhitzen und dann den noch heißen Kuchen damit bestreichen.


:: Wenn man sich beherrschen kann, kann man den Kuchen vollständigen auskühlen lassen. Wenn nicht, kann ich das gut verstehen!


Freitag, 14. Januar 2011

Rote-Bete-Suppe mit Möhren und Ingwer

Gute Vorsätze, Teil 2. Nach der Inspiration durch das Kochblog-Event "Gute Vorsätze für das neue Jahr" bin ich gleich mal zur Tat geschritten mit einem vegetarischen Abendessen.
Man könnte eigentlich meine beiden guten Vorsätze ganz einfach miteinander verbinden, bei der Fülle an Gemüsegerichten in der griechischen Küche. Doch mein norddeutsches Herz - oder der Magen? - schreit angesichts nasskalter Tage ohne Sonne nach einer Schale Suppe, um die man die Hände legen kann, und die Seele und Körper wärmt. Am besten mit einer Prise Chili und Ingwer.

Diese Suppe ist in ihrer Kombination auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, zugegebenermaßen. Das tut dem Geschmack aber keinen Abbruch! Seit ich sie mal Anfang des letzten Jahres in einer Zeitschrift entdeckt habe, kommt sie häufiger auf meinen Teller und ist zu einem Suppen-Favoriten geworden - mal mehr, mal weniger scharf, mal mit Tofu, mal ohne. Testesser liebt Rote Bete, insofern muss ich mir immer schnell meinen Anteil sichern...

Das Rezept stammt aus der Februar 2010-Ausgabe der Zeitschrift "Vital". Die lag damals in meinem Fitnessstudio herum, und das Suppen-Special hatte es mir Suppenkasperin so angetan, dass ich (mit wahrscheinlich hochroten Ohren) die Zeitschrift in die Umkleide und dort in meine Tasche schmuggelte, um am nächsten Tag die Seiten zu kopieren. Aber ich habe sie wieder zurückgebracht! Jawoll! Soweit hat die Erziehung dann doch gereicht. :-)


Rote-Bete-Suppe mit Möhren und Ingwer

4 Rote Bete-Knollen, gegart (das Originalrezept sagt "roh und dann selber kochen", aber ich nehme einfach die aus dem Vakuumpack)
500g Möhren
1 Stück Ingwer, nach Belieben - meines war ca. 2cm groß
1 Knoblauchzehe
1 kleine Chilischote
Öl, bei mir Erdnussöl
800ml Gemüsebrühe
Saft einer Orange
zum Abschmecken: Weißweinessig, Fischsauce, Sojasauce, Pfeffer
100g Mie-Nudeln
Tofu, nach Belieben
Koriandergrün

:: Rote Beete in Würfel schneiden. Karotten schälen und in Scheiben schneiden.
Ingwer und Knoblauch schälen und hacken. Chili in Streifen schneiden.

:: Öl in einem Topf erhitzen und Ingwer, Knoblauch und Chili anbraten. Rote Bete und Karotten dazugeben und 3 Minuten mitdünsten. Mit der Gemüsebrühe ablöschen, einmal aufkochen lassen und etwa 10 Minuten köcheln lassen.

:: In der Zwischenzeit die Mie-Nudeln mit kochendem Wasser übergießen und gar ziehen lassen. Den Tofu in Würfel schneiden. Korianderblätter abzupfen.

:: Den Orangensaft zur Suppe geben, und mit Pfeffer, etwas Essig, Fisch- und Sojasauce abschmecken.Tofu in die Suppe geben und ein paar Minuten warm werden lassen.

:: Zusammen mit denn Mie-Nudeln anrichten (getrennt für die KH-Verächter) und mit Korianderblättchen bestreut servieren.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Gute kulinarische Vorsätze für 2011

Hui, kaum 3x umgedreht, ist schon der erste Monat des neuen Jahres halb vorbei.
Ist es eigentlich schon zu spät für gute Vorsätze? Meine Vorsätze für dieses Jahr sind quasi die üblichen - drei bis vier Kilo abnehmen, mehr rausgehen, mehr Bewegung, den Haushalt besser effektiver schmeißen, die Bügelwäsche nicht immer wochenlang rumliegen lassen, so dass alles bei Bedarf gebügelt werden muss ("Bügling on demand"), eMails sofort sortieren und die Mailbox nicht außer Rand und Band geraten lassen, mehr gute Bücher und weniger Schund lesen, weniger Auto und mehr Fahrrad fahren...... und dergleichen mehr. Im Prinzip weiß ich, dass ich schon im Februar die Hälfte davon wieder vergessen oder in den Wind geschlagen habe, was ich eigentlich schon wieder peinlich finde.
Deswegen freut es mich um so mehr, dass ein aktuelles Kochblog-Event sich mit guten kulinarischen Vorsätzen für das neue Jahr befasst. Auch derer habe ich eine Menge - aber zwei, die besonders herausstechen. 1. will ich 2011 wirklich viel mehr vegetarisch kochen. Und 2. die griechische Küche näher erforschen. 
Der erste Vorsatz ist den meisten wahrscheinlich nachvollziehbar, angesichts der momentanen Lebensmittel-Skandale. Ich hatte aber auch schon vor einiger Zeit einmal eine, ähm, kleinere Moralpredigt gehalten, was die Rolle von Gemüse in meiner Küche betrifft. Eigentlich klappt das soweit auch ganz gut, ist aber natürlich immer noch ausbaufähig.
Der zweite Vorsatz ist dagegen wohl schon exotischer, aber natürlich hat der auch einen Hintergrund, denn wenn sich mein Lieblingsgrieche schon bereit erklärt (und das ganz freiwillig!) mich in diesem Jahr zu ehelichen, dann ist das für mich ein gefundener Anlass, der Küche des Landes seiner Vorfahren mal ein Interesse zu widmen, das über Bauernsalat und Moussaka hinausgeht.

Für beide Vorhaben brauchte ich ein wenig Inspiration. So unendlich dankbar ich auch für die unendlichen Weiten des Internets bin, so können diese dennoch nicht ganz mit der Optik und Haptik eines Kochbuchs mithalten. Daher habe ich ein bisschen gestöbert, mich auf die Rezensionen anderer Blogger verlassen und Bücher gekauft:


Für den ersten Vorsatz habe ich mich für "Die neue vegetarische Küche" von Maria Elia entschieden - grandiose Fotos, ungewöhnliche Kombinationen und, auf den ersten Blick, kaum Zutaten, die schwer zu erhalten sind. Das war einfach! Für den zweiten, griechischen Vorsatz stand ich schon eher vor einem Problem, denn wenngleich der große Internetbuchladen sage und schreibe 474 Treffer für die Italienische Küche angibt, sind es bei Griechenland gerade mal schlappe 73, und davon widmet sich die Hälfte der Kreta-Diät ("die neue Kreta-Diät" - "die Sensationelle Kreta-Diät" - "für immer schlank mit der Kreta-Diät"... das hätten auch die Schlagzeilen auf den letzten paar Ausgaben der Bild der Frau gewesen sein können!). Also schnell mal auf die amerikanische Seite geklickt, und da wurde ich fündig: "How to Roast a Lamb - new greek classic cooking" von Michael Psilakis. Allein der Titel war mir gleich sympatisch - ich musste sofort an "My Big Fat Greek Wedding" denken und die Szene, in der das Lamm gegrillt wird. Naja, und an die Osterfeiern meiner griechischen Bald-Verwandtschaft. Das Buch ist etwas ungewöhnlich aufgemacht, da es zwar durchaus ein Kochbuch mit tollen Rezepten ist, aber auch viele Geschichten und Familienfotos beinhaltet. Ich werde mich da einfach mal durchkochen - vielleicht nicht durch das ganze Buch (das wäre dann am Ende "the Lamb/Katharina Project"), aber einiges daraus wird im Laufe des Jahres sicher auf dem Teller angerichtet werden.

Ach ja, und zur Unterhaltung habe ich gleich mal "Beim Griechen" von Alexandros Stefanidis gekauft. Soviel zum Vorsatz "mehr gute Bücher, weniger Schund".

Und wenn ich schon gerade die unendlichen Weiten des Internets so lobe - hat jemand von Euch einen Vorschlag für Schwarzwurzeln? Die haben mich heute im Laden so angelacht, und jetzt liegen sie hier... 

Mittwoch, 5. Januar 2011

Heringssalat wie bei meiner Mecklenburger Oma


Dies wird ein kulinarischer Nachruf...

In den letzten Stunden des vergangenen Jahres ist meine Omi verstorben, was mich in seiner Plötzlichkeit doch ziemlich geschockt hat. Jetzt hänge ich meinen Gedanken und Erinnerungen an sie nach, den schönen, naja, und auch den paar weniger schönen. Aber das Hirn ist ein wunderliches Ding, und so gewinnen die schönen Erinnerungen natürlich die Oberhand. Und das ist gut so! Denn in gewisser Weise ist es auch ihr zu verdanken, dass ich gern soviel Zeit in der Küche verbringe, neue Sachen ausprobiere und mit Hingabe Torten backe.

Als früher Teenager hatte ich dazu eher ein ambivalentes Verhältnis, denn einerseits hab ich oft Rezepte mit meiner Großmutter getauscht (ich hatte eher "so modernen Kram" aus den Frauenzeitschriften der frühen 90er), andererseits habe ich mich auch unheimlich gepestet, wenn sie meine Kochkünste dann mit dem Ausruf "Wie eine richtige kleine Hausfrau!" quittiert hat. Was hab ich das gehasst! Will eine 13jährige so genannt werden? Ich glaube kaum! Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass das aus ihrer Sichtweise und in ihrer Welt ein ziemliches Lob war, denn ihr Haushalt ging ihr über alles.

Und jetzt..... naja, ich hätte sie gern noch einiges gefragt. Wie man so einen unglaublich schokoladigen Schokoladenpudding hinbekommt. Wie das mit der Kirschgrütze geht. Wie sie die "Eistüten" so bruchsicher aufgerollt bekommen hat. Wie die Zitronencremeschicht für die Bisquittorte funktioniert. Was das wirkliche Geheimnis der Kartoffelsalatsauce ist, denn die schmeckt bei mir nie so gut wie bei ihr. Und wie der Pflaumenkuchen so saftig wird, ohne dass der Hefeteig matschig ist.

Das folgende Rezept stammt auch von ihr, und ist die perfekte norddeutsche Mischung aus süßlich und salzig und gleichzeitig säuerlich. Quasi Hering süß-sauer auf mecklenburgisch.

Wie bei den meisten Rezepte von Omi gibt es keine "richtigen" Mengenangaben. Als sie mir das Rezept vor ein paar Monaten am Telefon sagte, hörte sich das ungefähr so an: "naja, Du kochst Kartoffeln, und dann nimmst Du hartgekochte Eier, und dann gewürfelten Hering, aber keinen Matjes, hörst Du, der schmeckt da nicht, ach ja, und Gurken und rote Beete - und einen Löffel Öl, dann glänzt es so schön..."

Ach Omi, ich werd Dich vermissen!



Heringssalat



Hier im Folgenden sind die Mengen, die ich für eine mittelgroße Schüssel, die so ungefähr 2 Liter fasst, genommen habe.

4 festkochende mittelgroße Kartoffeln
2 Eier
1 Glas Bismarck-Heringe (in meinem Glas waren 3 Stück)
2 kleine Zwiebeln
4 eingelegte Gurken (Cornichons o.ä.), plus Gurkenwasser
1 Apfel
1 kleines Glas Rote Bete, plus etwas "Rote-Bete-Saft"
Salz, Pfeffer
1 EL Öl

:: Kartoffeln mit der Schale kochen. Eier hart kochen.

:: Die Kartoffeln abgießen und pellen, auskühlen lassen, dann in Scheiben schneiden. Eier abschrecken, pellen und würfeln.

:: Die Bismarckheringe in Stückchen schneiden. Die Zwiebeln fein würfeln, Gurken in Scheibchen schneiden, den Apfel entkernen und würfeln, die Rote Bete ebenfalls würfeln (Achtung, Rote-Finger-Alarm! :-))

:: Kartoffeln, Eier, Hering, Zwiebeln, Gurke, Apfel und Rote Beete vermischen, etwas Gurkenwasser und Rote-Bete-Saft darüber gießen, den Esslöffel Öl dazugeben, einmal durchmischen und eine Weile, am besten sogar über Nacht, ziehen lassen.

:: Dann noch mal mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dazu: eine dicke Scheibe Schwarzbrot, ein bisschen Petersilie oder Dill - und noch'n Köm dabei, und die Welt ist in Ordnung!
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...