Montag, 28. November 2011

Szegediner Kartoffelgulasch

So. Der erste Advent ist schon vorbei und ich fühle mich KEIN. STÜCK. ADVENTLICH. Null. Nada. Überhaupt nicht. Das ist enorm ungewöhnlich für mich, normalerweise hätte ich jetzt schon die ersten 5-7 Plätzchendosen gefüllt und die Wohnung auf Weihnachten getrimmt. Die nicht vorhandene Weihnachtsstimmung mag vielleicht am frühlingshaften Wetter liegen, und vielleicht (wahrscheinlich) auch an der Tatsache, dass der Liebste und ich in diesem Jahr große Teile der Vorweihnachtszeit und auch Weihnachten selbst nicht im Lande sind. Wir fliehen in die Wärme und nehmen uns ganz viel Zeit für uns selbst.

Aber jetzt hat mir einer auch noch das letzte Fünkchen Weihnachtsvorfreude verdorben, so richtig gründlich. Wer? Ein großer deutscher Elektronikmarkt, der die hässlichste, dämlichste und wirklich dümmste Werbung ever herausgebracht hat. Ja klar, die Handelsriesen machen ihren Hauptumsatz im Weihnachtsgeschäft, aber muss ich mit dem Slogan "Weihnachten wird unterm Baum entschieden" werben? Nein! Neinneinnein! Was soll der Quatsch? Höher, schneller, weiter gilt wohl auch für die Weihnachtsgeschenke, und dieser Werbeslogan treibt es für mich auf die Spitze, mal davon abgesehen, dass die Bildsprache der Werbung einen Anklang von Irrenanstalt hat. Was wird denn unterm Baum entschieden - welche meiner Omas ich lieber mag, weil die eine das bessere Geschenk eingepackt hat? Ob mein Bruder oder doch meine Schwester cooler ist? Oder ob ich meiner eigenen Eitelkeit schmeichle und mit teuren Geschenken protzen kann? Ehrlich, ein unharmonisches, streiterfülltes Familienfest wird durch den Flatscreen oder die Playstation nicht schöner. Und ein lustiges, schönes Weihnachtsfest mit fröhlicher Stimmung wird nicht dadurch schlecht, dass keine Unmengen von Päckchen unter dem Baum liegen.

Ich glaube, dieses Jahr wird wirklich das erste Jahr sein, in dem ich mich an den vor Jahren gefassten (und immer wieder gebrochenen) Entschluss "Wir schenken uns nichts" halten werde. Aus Prinzip, aber auch aus Trotz, denn ich lasse mich nicht von einem abgrundtief dummen Werbeslogan in eine Ecke drängen. Vielleicht bin ich dem Elektronikriesen am Ende sogar noch dankbar?

So. Das wollte ich mal gesagt haben.
Und jetzt zum Abregen ab in die Küche, gibt was Beruhigendes, Wärmendes. Szegediner Kartoffelgulasch, fremdgekocht nach einem Mix von Charlotte's Diner und der Küchengötter-Datenbank. Funktioniert gerade so gut mit dem Fremdkochen. :-)



Szegediner Kartoffelgulasch

1 kg Kartoffeln, mehligkochende sind ideal, festkochende gehen aber auch ohne Weiteres
3 rote Paprikaschoten 
1 große Zwiebel
1 Knoblauchzehe
Öl zum Braten
1 TL Paprika edelsüß
1 TL Paprika scharf
2 EL Tomatenmark
1 Dose stückige Tomaten, ca. 400g
1/4 l Gemüsebrühe 
250 - 500g Sauerkraut, Menge nach Vorliebe
Salz, Pfeffer
1 Prise Kümmel
4 EL Saure Sahne

:: Kartoffeln schälen und in ca. 1cm große Würfel schneiden. Paprika waschen und halbieren, das Kerngehäuse entfernen und in feine Streifen schneiden. Zwiebel pellen und in feine Ringe schneiden. Knoblauch fein hacken. 

:: In einem Schmortopf mit Deckel Öl erhitzen und die Kartoffeln darin rundherum anbraten. Dann die Zwiebeln hinzugeben und ein paar Minuten mitbraten, schließlich den Knoblauch und die Paprikastreifen kurz mitbraten. Mit beiden Paprikasorten abstäuben, Tomatenmark unterrühren und anrösten. Mit Tomaten ablöschen und Gemüsebrühe angießen, so dass alles bedeckt ist. Salzen, pfeffern und mit Kümmel würzen.
Deckel auflegen und auf kleiner Hitze ca. 25 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.

:: Sauerkraut abtropfen lassen und zu den Kartoffeln geben. Die Menge ist hier absolut Geschmackssache, ich liebe das Zeug und habe die ganze Packung eingerührt, wer weniger mag, nimmt nur die Hälfte. Gut unterrühren. Bei Bedarf noch Wasser angießen. Offen weitere 5 Minuten köcheln lassen, bis das Sauerkraut heiß geworden und die Sauce etwas eingedickt ist.

:: In tiefe Teller geben, mit je einem EL saure Sahne beklecksen und servieren.

Sonntag, 27. November 2011

Fremdgekocht: Marmorierte Bruchschokolade mit Karamellnüssen und Cranberries

Fremdkochen Kulinarische Geschenke
Mit dem heutigen Sonntagssüß kann ich heute sogar an zwei Forenevents teilnehmen: Wie jeden Sonntag an der fabulösen und immer wieder reichhaltig gedeckten Tafel der "Initiative Sonntagssüß", die mir schon das Vergnügen an mancher Kalorienbombe beschert hat, heute gesammelt bei Fräulein Text, uuuuuhuuuund: Am neuesten Fremdkoch-Event der Hüttenhilfe. Da geht's nämlich um kulinarische Geschenke. In dem Moment, in dem ich den Banner sag, fiel mir die Weihnachtsschokolade ein, die ich letztes Jahr bei Juliane von Schöner Tag noch! gesehen und quasi 3 Sekunden vor Abfahrt zum Weihnachtsfest nachgerührt habe. Unglaublich lecker, sehr hübsch und wie gesagt - ein tolles Last-Minute-Geschenk.

Dieses Mal habe ich die Schokolade "entweihnachtet" und im wilden Wirbellook dreifarbig gestaltet, um sie dann auf die Reise zu schicken, damit sie den 1. Adventssonntag einer lieben Freundin versüßt. Ihr ist die gute alte Alpenmilch-Schokolade immer noch die liebste, weswegen ich hier eine Basis aus Vollmilchschokolade gegossen habe. Ihr könnt die Verhältnisse natürlich hin und her tauschen und eure Lieblingssorte wählen.
Die Schokolade wird durch das Erhitzen und Schmelzen nicht wieder so hart und knackig wie in der Tafel, aber ich finde genau diese konfektartige, weichere Konsistenz sehr köstlich.



Marmorierte Bruchschokolade mit Karamellnüssen und Cranberries
fremdgekocht bei Schöner Tag noch!

2 TL Zucker  
50g Nüsse nach Belieben, z.B. Pecan- oder Walnüsse
100g Vollmilchschokolade
50g dunkle Schokolade
50g weiße Schokolade
1 EL Cranberries
1 TL Haselnusskrokant

:: Ein Stückchen Back- oder Pergamentpapier neben dem Herd bereitlegen und eine kleine Springform (18 oder 20cm) mit weiterem Backpapier auskleiden. Zwei Gabeln einfetten.
:: Zucker langsam in einer kleinen Pfanne schmelzen. Am besten geht das, wenn der Zucker in der Mitte der Pfanne aufgehäuft wird, dann können die Ränder schmelzen und langsam kann alles "nachrutschen", ohne dass umgerührt werden muss.
Nüsse in den geschmolzenen Zucker geben und die Pfanne schwenken, so dass die Nüsse mit Karamell überzogen sind. Auf das Stück Backpapier gleiten lassen und schnell mit den eingefetteten Gabeln auseinanderziehen - das Karamell härtet ratzfatz aus.

:: Schokoladen getrennt hacken und in 3 Schüsseln verteilen, die jeweils auf einen kleinen Topf passen für das Wasserbad.

:: Zunächst die Milchschokolade schmelzen, dafür einen kleinen Topf mit ein paar Zentimetern Wasser befüllen und zum Köcheln bringen, dann Hitze runterschalten, bis es maximal leicht simmert. Schokoladenschüssel daraufstellen - der Boden der Schüssel sollte möglichst keinen direkten Kontakt mit dem Wasser haben. Langsam die Schoki schmelzen lassen, dabei immer wieder rühren. Dann in die Springform verteilen und leicht verstreichen.

:: Dann die dunkle Schokolade schmelzen und in größeren Klecksen auf die immer noch recht weiche Milchschokolade tröpfeln. Zu guter Letzt die weiße Schokolade verflüssigen - hierbei ist es superwichtig, dass absolut KEIN Wasser in die weiße Schoki kommt, die Diva verhält sich sonst enorm zickig und wird gern krisselig. Auf die helle und dunkle Schokolade kleckern. Mit einem Holzspieß oder einem Teelöffel-Stiel Kreise durch die Schokolade ziehen, so dass sich ein verwirbeltes Muster ergibt.

:: Karamellisierte Nüsse und Cranberries auf der Schokolade verteilen und evtl. etwas andrücken. Haselnusskrokant darüberstreuen und dann gut auskühlen lassen, am besten mindestens über Nacht an einem trockenen, nicht zu warmen Ort.

:: In Stücke schneiden oder brechen und vernaschen oder in Tütchen verpacken und verschenken.


Donnerstag, 24. November 2011

Marinierte Auberginen (über 3 Ecken nach Ottolenghi)

Aus irgendeinem Grund habe ich neulich Auberginen gekauft, ich hatte ganz sicher was damit vor. Nur was? Das entschlüpfte irgendwann meinem Hirn. Nun lagen sie da, wurden nicht unbedingt hübscher im Verlauf ihres Besuchs im Gemüsefach und schauten mich vorwurfsvoll an. Zeit für Bloginator und die Mission, die Ehre der Auberginen zu retten! Schnell wurden die Blogs abgesucht, und siehe da, Nicky Stich hatte was für mich: Marinierte Auberginen nach Ottolenghi, mit Kräutern und etwas Knoblauch. Twilight-Protagonisten müssen aber leider dennoch dankend ablehnen - da sind zwar nur zwei Zehen Knoblauch drin, aber durch das stundenlange Marinieren haben die Jungs ihr Aroma ordentlich an das Gemüse und die Kräutermarinade abgegeben. Unheimlich köstlich! Dumm nur, dass mein liebster Testesser mir erst eröffnet hat, dass er am Tag darauf einen Kundentermin hätte, als alles schon zu spät war. Daraufhin habe ich ihm ein Glas Milch und ein paar Stängel Petersilie verabreicht - ein Bild für die Götter...



Marinierte Auberginen
nach Nicky Stich, Delicious Days

2 große Auberginen
reichlich Olivenöl
Salz, schwarzer Pfeffer
1/2 Bund Koriander
1/2 Bund Petersilie
5 EL Zitronensaft
1 rote Chili
2 Knoblauchzehen

:: Ofen auf 200°C vorheizen.

:: Auberginen waschen und an Boden und Stielansatz gerade abschneiden. Dann quer halbieren, so dass beide Teile ungefähr gleich groß sind. Längs in Achtel bzw. Sechstel schneiden. Im Prinzip sollten halbwegs gleichgroße Auberginen-Ecken dabei rauskommen, gelingt nur bedingt - siehe Bild unten.
Mit der dunklen Hautseite nach unten auf das Backblech stellen. Generös mit Olivenöl einpinseln. Auberginen und Olivenöl haben eine Geben-und-Nehmen-Beziehung, in der das Öl immer nur gibt und die Auberginen immer nur nehmen bzw. aufsaugen. Insofern ist es normal, dass man bei den ersten Eckchen kein Öl mehr an der Oberfläche sieht, wenn man die letzten einpinselt. Der Lauf der Dinge.
Mit Meersalz und Pfeffer bestreuen und ca. 20 Minuten backen, bis die Kanten sich bräumen und das Auberginenfleisch weich ist.

:: Während die Eckchen vor sich hinbacken, die Marinade anrühren.
Wohl dem, der eine Küchenmaschine hat, der schmeißt die abgezupften Kräuterblättchen, Zitronensaft, geputze Chili und gepellten Knoblauch einfach dort hinein, gießt 5 EL Olivenöl an und lässt alles zu einer dickflüssigen Marinade zerkleinern. Alles in eine große Marinierschüssel- oder Schale geben.
Allen anderen sei tröstend gesagt, dass Handarbeit den echten Koch auszeichnet, also raus mit dem scharfen großen Messer und dem Schneidebrett: Petersilie und Koriander fein hacken und in einer  großen Schale mit Zitronensaft und den 5 EL Öl mischen. Chili putzen, Knoblauch pellen und beides fein hacken, dann zur Marinade geben und unterrühren.

:: Auberginen aus dem Ofen nehmen und in die Marinade legen, vorsichtig mischen. Mindestens zwei Stunden durchziehen lassen und dann bei Zimmertemperatur mit frischem Brot (ich sag nur: Sauce auftunken!) servieren.



Dienstag, 22. November 2011

Noch ein Klassiker: Feines Hühnerfrikassee

Auch bekannt als "Explodiertes Huhn".

Aber, ach, was musste ich eben lernen? Noch ganz im Klugscheißer-Modus suchte ich nach der Bedeutung des Wortes Frikassee, fand zwar heraus, dass "Fricassée" soviel heißt wie Sammelsurium oder Allerlei - und auch, dass mein Frikassee gar keins ist! Sondern eine Blanquette, ein weißes Ragout. Also aufgemerkt, liebe Leser, hier kommt die Antwort auf eine potenzielle Eine-Million-Euro-Frage: Der Unterschied zwischen Frikassee und Blanquette bzw. Blankett.
Beim Frikassee wird helles Fleisch kleingeschnitten, dann in Butter gebraten, mit Mehl bestäubt und am Ende in Brühe weichgedünstet. Bei der Blanquette hingegen wird besagtes helles Fleisch zunächst allein oder mit Suppengrün gegart, um dann mit der entstandenen Brühe eine Mehlschwitze abzulöschen. Das gegarte Fleisch wird dann ebenso wie allerlei Gemüse hinzugefügt.
Also jetzt mal ganz grob erklärt, ohne Finesse.

Aber ehrlich - Hühnerblankett klingt doch doof. :-)
In jedem Fall ist es ein Klassiker, auf den ich immer in der kalten Jahreszeit Lust habe, wenn ich Wärme im Bauch brauche. Deswegen ist es auch das einzige Gericht, das mit Spargel aus dem Glas daherkommt und bei dem ich es akzeptabel finde. Ebenso darf in meiner Variante die gute alte Worcestershiresauce nicht fehlen, der zusammen mit Zitronensaft für das würzige, säuerliche Aroma sorgt.

Ist schon was Feines, so ein Spätherbst.



Feines Hühnerfrikassee

1 glückliches Bio-Suppenhuhn
1 Bund Suppengrün
2 Lorbeerblätter
ein paar Pimentkörner
Salz, weißer Pfeffer
2 Möhren
60g Butter
60g Mehl
100g TK-Erbsen
1 kleines Glas Spargel
1 Handvoll Champignons
Zitronensaft
Worcestersauce
Petersilie

:: Das Huhn gründlich innen und außen waschen. Suppengrün putzen und in Stücke schneiden. Huhn und Grün in einen großen Topf legen, Lorbeerblätter und Piment hinzufügen und mit 1,5l Wasser bedecken. Etwas Salz hinzugeben und zum Kochen bringen. Dann die Hitze herunterdrehen und 1 Stunde bei kleiner Hitze köcheln lassen. Grauen Schaum abschöpfen.

:: Huhn und Gemüse herausnehmen und die Brühe durch ein Sieb passieren. Zur Seite stellen.

:: Wenn Zeit ist, das Huhn erstmal abkühlen lassen und dann das Fleisch von Haut und Knochen lösen und kleinzupfen. Wenn nicht: Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

:: Möhren schälen und in feine Juliennen oder in Scheibchen schneiden. In Salzwasser weich garen, dann abgießen und am besten kalt abbrausen, damit sie nicht weiter vor sich hin kochen.

:: Butter im großen, gereinigten Suppentopf schmelzen, dann das Mehl im Ganzen dazugeben und unter ständigem Rühren etwas Farbe bekommen lassen. Zunächst schöpfkellenweise mit der Hühnerbrühe ablöschen und jeweils gut unterrühren und eindicken lassen, am Ende die restliche Hühnerbrühe hinzugeben, einrühren und langsam aufkochen lassen.
(Wer mag, kann natürlich einen kleinen Teil der  Hühnerbrühe durch Weißwein ersetzen, das gibt eine feine Säure.)

:: Während die Sauce aufkocht, die Champignons putzen und in feine Scheiben schneiden.

:: Champignons, Erbsen und abgetropften Spargel in die Sauce geben und kurz mitköcheln lassen.
Dann das kleingezupfte Hühnerfleisch und die Möhrenstückchen zufügen und beides warm werden lassen.

:: Mit Salz, weißem Pfeffer, Zitronensaft und Worcestershiresauce abschmecken. Etwas gehackte Petersilie darüberstreuen und mit Reis oder Weißbrot servieren.

Sonntag, 20. November 2011

We call it a Klassiker: Kaiserschmarrn

Bei Günther Jauch überstehe ich zumindest auf dem Sofa die ersten Runden ohne größere Schwierigkeiten, mein Wissen an Trivia ist teilweise wirklich erschreckend groß. Und ich meine damit auch wirkliche Trivialitäten... Tochter von Goldie Hawn? Früherer Job von Catherine Cambrigde? Pff. Easy. Klugscheißen war schon immer meine große Stärke.
Heute musste ich allerdings passen, als der Liebste nach dem ersten Bissen vom süßen Frühstück fragte: "Wieso heißt das eigentlich Kaiserschmarrn? Schmarrn ist doch eher etwas Negatives. Dabei schmeckt das so gut!" Tja. Zwar hatte ich ihm mit großer Geste die Mehlspeise mit den Worten des Kaisers "We call it a Klassiker" serviert, aber dass das Gericht nun wirklich nichts mit Franz Beckenbauer zu tun hatte, war auch mir klar. (Übrigens würde ich all meine gewonnenen Günther-Jauch-Euros spätestens bei den Sportfragen wieder verlieren.)
Aber schau an - der andere Franz war's! Viele Legenden ranken sich um den österreichischen Mehlspeisen-Klassiker, und alle haben irgendwie mit Kaiser Franz Josef I. von Österreich zu tun. Wie für wahrscheinlich alle Deutschen hat Kaiser Franz für mich das Gesicht von Karlheinz Böhm und ruft in regelmäßigen Abständen verzückt "Aber Siiiiissi!" aus, was mit einem ebenso verzückten "Fraanzl!" beantwortet wird. Ich sag ja, Trivia.
Besagter Kaiser Franz aß wohl besonders gern Palatschinken. Misslang dem Koch der Teig, wurde er zu dick oder zerriss, so wurde die misratene Palatschinke an das Personal weitergereicht: „A Schmarrn, des am Kaiser zu servieren“. (Sagt Wikipedia.)

So fiel nun unser Sonntagsfrühstück sehr kaiserlich aus, auch in der Menge, denn 4 Portionen kommen hierbei locker rum. Ebenso wie gefühlte 829 kcal pro Teller. Stört's uns? Ah geh, so a Schmarrn.


Kaiserschmarrn

4 Portionen

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**

3 Eiweiß
1 EL Zucker
160g Mehl
250ml Milch
4 Eigelb
Butter, viel, viel Butter
4 EL Rosinen, nach Belieben 
Puderzucker
dazu: Eingelegte Pflaumen, Apfelmus, Pflaumenmarmelade, Preiselbeeren... ganz nach Vorliebe

:: Eiweiß steif schlagen, bis sich die ersten festen Spitzen bilden, dann den Zucker einrieseln lassen und auf niedriger Stufe noch 1-2 Minuten weiterschlagen, so dass der Schaum steif, aber fluffig und gleichmäßig ist.

:: Mehl und Milch glattrühren, dann die Eigelbe unterrühren. Eischnee unterheben.

:: Einen EL Butter in einer großen Pfanne bei mittlere Hitze schmelzen lassen. Soviel Teig hineingeben, dass er ca. 1-2 cm hoch in der Pfanne steht - das dürfte ungefähr die Hälfte des Teigs sein. Die Hälfte der Rosinen auf dem Teig verteilen und alles backen lassen, bis die Unterseite fest ist - wenn sich der Eierkuchen ohne weiteres in der Pfanne hin und her rütteln lässt, sollte es soweit sein. Dann umdrehen und die andere Seite auch backen lassen.

:: Wenn der Schmarrn beim Umdrehen kaputt geht, ist es nicht schlimm - denn jetzt wird er sowieso mit 2 Gabeln in Stückchen zerrupft.

:: Einen weiteren (großzügigen) Klecks Butter in die Pfanne zum Schmarrn geben und alles schön goldbraun anbraten. Je mehr Butter, desto saftiger, aber das ist ja kein Geheimnis.

:: Auf Teller verteilen, und schnell das gleiche Ritual mit der anderen Teighälfte vollziehen. Dann kaiserlich mit Puderzucker bestäuben und mit Zwetschgenröster, Apfelmus oder einer Beilage seiner Wahl zusammen garnieren.

Donnerstag, 17. November 2011

Salzig-scharfe Spaghetti mit Oliven und Sardellen

Pasta ist immer dankbar, wenn man sonst keine zündende Idee hat. Meine neuerdings liebsten Spaghetti könnten auch ganz einfach "Spaghetti mit Salzsauce" heißen, da sie dank der Sardellen und der Kapern eine köstlich salzige, würzige Note erhalten, die durch die Chilischärfe wieder belebt wird.

Die Idee für dieses Rezept habe ich überraschenderweise nicht aus Italien, sondern aus Schweden mitgebracht - das ist nämlich die Spezialpasta des Vaters meiner schwedischen Freundin. Seit wir sie zusammen gekocht haben (ganz klassisch beim Mädelsabend mit viel Prosecco, Martini und ganz lauter ABBA-Musik), sind noch keine zwei Monate vergangen, aber sehr zur Freude vom sardellenliebenden Testesser habe ich das Gericht seither mindestens alle zwei Wochen einmal gekocht. Insofern ist es eigentlich gar nicht fair zu sagen, es sei ein Gericht auf das ich zurückgreife, wenn mir andere Inspirationen fehlen - meistens ist es genau das Essen, auf das wir Appetit haben.

Smaklig måltid!




Salzig-scharfe Spaghetti mit Oliven, Sardellen und Kapern
Für 2 Hungrige, oder für 4 als ersten Gang


3 Knoblauchzehen
1-2 Chilis, alternativ gehen auch 1-2 TL Sambal Oelek super
Olivenöl
50g schwarze Oliven, entsteint
50g grüne Oliven, entsteint
1 kleines Glas Sardellenfilets, ca. 90g
2 TL Kapern
1 Dose Kirschtomaten (oder gehackte Tomaten, aber die Kirschtomaten sind perfekt dafür)
Zitronensaft
1/2 Bund Petersilie
Spaghetti für 2 (oder 4)
Parmesan

:: Knoblauch schälen und fein hacken. Chilis je nach Schärfevorliebe entkernen oder nicht und fein hacken. Etwas Olivenöl in einer großen Pfanne (mit Deckel) erhitzen und den Knoblauch sanft anbraten, er sollte nur minimal Farbe annehmen, aber auf keinen Fall dunkel werden. Die Chilis dazugeben.

:: Oliven abtropfen lassen und grob hacken, dann in die Pfanne geben und 1 bis 2 Minuten mitbraten.

:: Sardellenfilets aus dem Glas befreien und im Ganzen in die Pfanne geben - sie zerfallen beim Kochen, also ist jegliches Hacken oder Schneiden umsonst.
Kapern ebenfalls in die Pfanne geben und alles zusammen noch eine Minuten unter Rühren braten.

:: Die Tomaten in die Pfanne schütten, etwas andrücken, damit die Flüssigkeit austritt, und dann mit geschlossenem Deckel etwa 15 bis 20 Minuten auf kleiner Hitze köcheln lassen.

:: In der Zwischenzeit die Spaghetti al dente kochen, Petersilie hacken und Parmesan reiben.

:: Spaghetti abgießen, dabei etwas vom Kochwasser auffangen und je nach "Dicklichkeit" der Sauce hinzufügen. Die Sauce mit etwas Zitronensaft abschmecken und die gehackte Petersilie unterrühren. Dann Spaghetti und Sauce miteinander mischen und mit Parmesan servieren.


Sonntag, 13. November 2011

Japanischer Käsekuchen

Neulich, bei einem Streifzug durch's Netz, bin ich einmal mehr bei foodgawker.com gelandet. Deren Spruch "Feed your eyes" kann ich nur unterschreiben - aber mit Haken. Meine Augen mögen wohl gefüttert sein, mein Magen aber knurrt "Das will ich! Jetzt! Und das da auch! Und das! Los!"

Eines der vielen "haben will. jetzt"-Rezepte war ein Japanese Cheesecake. Öhm, Käsekuchen? Japan? Wie jetzt? Doch die Suche nach ebenjenem Käsekuchen ergab ziemlich viele Treffer und so habe ich das als Wink des Schicksals empfunden und sofort auf die Nachbackliste gesetzt, angefeuert durch meinen persönlichen Karate Tiger zu Hause, der per se alles gut findet, was mit Japan zu tun hat. Das Nachbacken hat sich gelohnt! Softer und fluffiger als die deutsche Variante, erinnert der Kuchen ein bisschen an Eierschecke, was in meiner Welt etwas sehr, sehr Gutes ist. Die Herstellung ist auch nicht wirklich aufwendiger als beim deutschen Käsekuchen, außerdem entfällt ja das Kneten und Ausrollen für den Boden.
Leider ist mein Kuchen etwas zusammengesackt, das schiebe ich aber ganz und gar auf meine Ungeduld und Neugier: Bei einem Soufflée macht man den Ofen ja schließlich auch nicht auf!! Selbst schuld.

Langsam könnte ich eine eigene Kategorie für Käsekuchen aufmachen. Aber ich mag das Zeug einfach.





Japanischer Käsekuchen

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**

von The Little Teochew - adaptiert auf unsere handelsübliche 200g-Packung Frischkäse.
Gebacken in einer 26er-Springform.


40g Butter
200g Frischkäse
80ml Milch
50g Mehl
15g Speisestärke
1/4 TL Salz
6 Eier
1/4 TL Weinsteinbackpulver
110g Zucker

:: Vorbereitungen: Backofen auf 160°C vorheizen. 4 kleine feuerfeste Schälchen mit Wasser füllen und auf die vier Ecken eines Backblechs stellen. In den Ofen schieben, so, dass das Rost, auf dem die Kuchenform stehen soll, darüberpasst. Warum das Ganze? Der Kuchen mag die Sauna-Atmosphäre. Natürlich ginge auch ein Wasserbad, aber dann muss man die Form superdicht in Folie packen. Och nö.
Eine Springform mit Backpapier auslegen und die Ränder buttern. Wer für einen höheren Kuchen eine kleinere Springform nehmen will, sollte die Ränder auch mit Backpapier auskleiden, so dass ein ordentlicher Rand übersteht. Im Prinzip so, wie man es auf so vielen amerikanischen Backblogs sieht.

:: Über einem Wasserbad die Butter schmelzen, den Frischkäse und die Milch zufügen und alles klümpchenfrei rühren. Von der Hitze nehmen und abkühlen lassen. Mehl, Speisestärke und Salz mischen und über die Frischkäsecreme sieben, dann mit dem Schneebesen unterrühren.

:: Eier trennen. Eigelbe zum Frischkäse geben, gut unterrühren. Das Eiweiß zusammen mit dem Weinsteinbackpulver steif schlagen, ruhig auf hoher Geschwindigkeit, aber nur solange, bis sich feste Spitzen bilden. Den Zucker einrieseln lassen und dann bei sehr geringer Geschwindigkeit noch ein paar Minuten weiterschlagen, bis die Masse fast die Konsistenz von weichen Marshmallows hat. Aber nicht alles vom Mixer schlecken, ja?

:: Die Frischkäsemasse ist im Zweifelsfall noch etwas klumpig, also hängt man (BEVOR der Eischnee untergehoben wird!) ein feinmaschiges Sieb über eine große Schüssel und gießt die Masse da durch. Wie gesagt, vor dem Eischnee, denn, wie heißt es bei The Little Teochew so schön: "otherwise you can say sayonara to your cake!".

:: Eischnee vorsichtig und langsam unter die klümpchenfreie Frischkäsemasse heben. In die vorbereitete Form geben und ca. 1 Stunde und 20 Minuten backen. Dann den Backofen ausschalten und den Kuchen noch mal 20 Minuten darin stehen lassen, dann peu à peu die Tür öffnen (der Kuchen bleibt weiterhin im Ofen), damit kein akuter Temperatursturz passiert. Das gute Stück soll ja nicht zusammenfallen. (*pfeif*) Wenn die Gefahr gebannt ist und er halbwegs abgekühlt ist und sich fest anfühlt, kann er raus.

:: Komplett auskühlen lassen und in Stücke oder Scheiben oder Rauten schneiden.

Freitag, 11. November 2011

Maronen-Kürbis-Suppe mit Salbei

Ach ja, der Herbst ist mein Freund dieses Jahr. Meistens jedenfalls, er könnte gerade ein bisschen weniger neblig sein und einfach so sonnig weitermachen wie im Oktober. Ich habe schließlich endlich meinem Wunsch nach einer neuen Kamera nachgegeben und will uuuuunbedingt am Wochenende durch Wald und Flur stromern und alle Funktionen und Kinkerlitzchen am neuen Schätzchen ausprobieren. Noch schaue ich ein bisschen wie das sprichwörtliche Schwein ins Uhrwerk und bin überwältigt von all der Technik. Ich drücke mir aber die Daumen, dass ich noch ein paar Bilder von buntem Herbstlaub einfangen kann, bevor sich die Bäume leergeschüttelt haben.

Mit dem Fortschreiten des Herbstes geht auch die Kürbissaison zu Ende, was ich mehr als schade finde. Ich bin absolut kein Vorratskäufer, aber das Ende der Saison nehme ich meist zum Anlass, um noch ein paar möglichst makellose Exemplare meiner Lieblingssorte Butternut zu kaufen, die ich dann hamstere lagere. Gut gelagert halten sie ohne weiteres noch einige Monate, und ich kann Kürbis essen, wenn ich Lust darauf habe.
Bei aller Liebe zum Kürbis bin ich nicht der allergrößte Kürbissuppen-Fan, vor allem Varianten, die eher süßlich sind, sind mir ein Graus. Deswegen war ich zuerst etwas skeptisch, ob das mit den Maronen was wird, denn Maronen an und für sich schmecken ja fast schon wie Lebkuchen - aber es wurde. Chili hat der Suppe eingeheizt und Salbei hat ihr eine erdige Note gegeben.





Maronen-Kürbis-Suppe mit Salbei


500g Kürbisfleisch von einem aromatischen Kürbis
200g gegarte Maronen
1 weiße Zwiebel
Salz, weißer Pfeffer
1/2 TL Chiliflocken (weniger, wenn man nicht so gern scharf isst)
1 Stängel Salbei
Für's Sahnehäubchen: ca. 100ml Sahne, oder, wenn man's wie ich eher säuerlich mag: 3-4 EL Sauerrahm und 3 EL Milch

:: Kürbis in Würfel schneiden. Maronen halbieren oder vierteln. Zwiebel hacken.
Alles zusammen mit 1 Liter kalten Wasser aufsetzen. (Natürlich kann man auch Gemüsebrühe oder Hühnerfonds nehmen, aber aromatische Gemüsesorten geben genügend Eigengeschmack ab, wenn man sie langsam kochen lässt.)

:: Eine großzügige Prise Salz hinzufügen und die Suppe zum Kochen bringen. Dann die Hitze reduzieren und ca. 30 Minuten sanft köcheln lassen, 10 Minuten vor Ende der Garzeit Salbei und Chili hinzufügen.

:: Salbeizweig entfernen und die Suppe fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und evtl. weiterem Chili abschmecken.

:: Für's Sahnehäubchen die Schlagsahne fluffig aufschlagen - da der Pürierstab ja sowieso schon in Action war, geht das am besten damit: Sahne in ein hohes Gefäß gießen und mit dem Pürierstab halbfest aufschäumen. Alternativ Sauerrahm und Milch verrühren und ebenfalls aufschäumen. Dauert ein Sekündchen länger, funktioniert aber genauso.

:: Suppe in Teller oder in Gläser füllen, mit dem Sahnehäubchen verzieren und servieren. Wer mag, kann dazu noch kross gebratene Salbeiblättchen servieren oder analog zum Cappuccino das Häubchen mit etwas gemahlenem Chili oder Muskat bestäuben.

Mittwoch, 9. November 2011

Griechische Kartoffelecken mit Zitrone, Knoblauch und Lorbeer - und Tsatsiki

Heute bin ich mal in einer Rettungsmission unterwegs, die nicht heißt "Füttere den Magen von mir und dem Testesser". Alice hat nämlich zu einem Blitzevent aufgerufen und bittet um Unterstützung bei der Ideenfindung für ihre Geburtstagsparty. Da sind schon einige tolle Ideen zusammengekommen, also will ich auch mal meinen Senf dazugeben.



Seit gefühlt ewig habe ich schon nichts Griechisches mehr gekocht, zumindest nichts gepostet. Dabei ist doch gerade die griechische Küche wie geschaffen für ein Vorspeisen-kleine-Sachen-und-Dips-Büffet! Zugegebenermaßen ein knoblauchlastiges, Vampire müssen leider draußen bleiben. Aber wenn Alices Geburtstagsparty am 19.11. steigt, dann haben sie und die Gäste ja den ganzen Sonntag Zeit zum Kaugummi-Dauerkauen und Zähneputz-Marathon.

Die Kartoffelecken sind schnell und einfach gemacht, backen sich von selbst, und man kann sie in beliebiger Menge herstellen. Bei Schwiegermama gibt es dazu meist noch Hähnchen, aber zusammen mit Zickizacki Tsatsiki und ein paar Oliven brauche ich gar nicht mehr als diese zitronig-würzigen Kartoffeln.

À propos Tsatsiki. Ich weiß schon, dass der normalerweise nicht mit Quark gemacht wird. Aber zum einen dauert mir das Abtropfen des Joghurts immer viel zu lang, und andererseits habe ich die Legitimation durch meine angeheiratete griechische Bande - Schwiegermama nimmt auch Quark. :-)



Griechische Kartoffelecken mit Zitrone, Knoblauch und Lorbeer - und Tsatsiki


Menge ist variabel, 1kg reicht zumindest als Vorspeise für eine Reihe Leute.

1 kg festkochende Kartoffeln
2 Zitronen
4 EL Olivenöl
2-3 Lorbeerblätter
Knoblauchzehen - mindestens 3, Anzahl ist aber nach oben offen
Salz, Pfeffer

für eine Schüssel Tsatsiki:
1 kg Quark (Fettgehalt ist Geschmackssache)
1/2 Gurke
mindestens 3 Knoblauchzehen
Olivenöl
Salz, weißer Pfeffer

:: Kartoffeln gründlich schrubben und dann je nach Größe in Viertel oder Achtel schneiden. In eine Auflaufform oder auf ein Backblech legen.

:: Eine Zitrone in dicke Scheiben schneiden und zu den Kartoffelspalten geben. Die andere auspressen und mit Olivenöl mischen.

:: Ungeschälte, evtl. leicht angequetschte Knoblauchzehen sowie die Lorbeerblätter zu den Kartoffeln geben, alles großzügig pfeffern und salzen und dann mit der Zitronen-Olivenöl-Mischung begießen. Gut vermischen.

:: Die Auflaufform oder das Backblech in den Ofen schieben, wenn das ein "Solo-Gericht" ist und der Backofen nicht sowieso schon vorgeheizt ist, kommen die Kartoffeln in den ungeheizten Backofen, den ich dann auf 200°C hochheizen lasse. Insgesamt brauchen die Kartoffeln zwischen 30 und 40 Minuten, dabei hin und wieder wenden, damit alle in den Genuss der Gewürze kommen.

:: Währenddessen das Tsatsiki anrühren: Dafür zunächst den Quark glatt und cremig rühren. Die Gurke waschen, schälen und in eine Extraschüssel fein reiben - manchmal ist es nämlich eher Gurkenwasser als Gurkenraspel. Raspeln ausdrücken und zum Quark geben. Knoblauchzehen pellen und fein hacken oder mit der Reibe fein raspeln, zum Quark geben. Eine kleine Mulde eindrücken und 2-3 EL Olivenöl angießen (O-Ton Testesser: "Warum? Keine Ahnung, aber das macht man so." Aha.) und unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und dann stehen lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Durchziehen ist wichtig, dann kann der Knoblauch erst richtig arbeiten.

:: Kartoffeln aus dem Ofen nehmen und in eine Schüssel oder das Serviergefäß der Wahl umfüllen.

:: Tsatsiki noch mal mit Salz, Pfeffer und Olivenöl abschmecken, in eine hübsche Schale füllen und mit einer Olive garniert servieren.


Wahre Geschichte:
Ich, während mir nach einem Happen Tsatsiki bei Schwiegers fast der Löffel aus der Hand fiel: "Whoa, ist das heftig!"
Meine Familie, einstimmig: "Das muss so - sonst wäre es ja Kräuterquark!"
Meine Geschmacksnerven, sehr kleinlaut: "Da müssen wir wohl noch üben..."

Montag, 7. November 2011

Nusstörtchen

Das ist sozusagen die Quadratur des Kreises, nur eben umgekehrt. Ich hab nicht den blassesten Schimmer, wie das dann mathematisch richig heißt, backtechnisch bin ich aber ein bisschen gebildeter und weiß zumindest, wie man aus NussECKEN (egal ob Drei- Vier- oder sonstige Ecken) runde Törtchen macht. Oder, wie in diesem speziellen Fall, wie man aus "Mixed Nut Slices" aus dem Backbuch The Hummingbird Bakery Cake Days kleine Tarteletts machen kann.

Ich besitze seit einer gefühlten Ewigkeit eine Tartelette-Form mit vier kleinen Mulden, die mich eines Tages in einem Drogeriemarkt fömlich ansprang: "Hallo! Hier! Nimm mich mit! Biiiitteeee... Ich bin hier auf dem absteigenden Ast, sieh nur - sie haben meinen Preis schon auf 1,99 EUR runtergesetzt!" Ich bin ja ein mitfühlender Mensch und legte das Förmchen in den Korb. Seither hat es sich mit meinen anderen Backformen angefreundet, aber so richtig zum Einsatz gekommen ist es noch nicht.
Ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit will ich das Nusskuchen-Rezept aus dem besagten Cake Days-Backbuch ausprobieren, allerdings hab ich das immer aufgehoben für ein graues, nebelverhangegenes Herbstwochenende. Gestern war es also wie prädestiniert dafür, und so haben mir die süßen Kuchen zusammen mit einer duftenden Tasse Kaffee nicht nur den Herbstnachmittag versüßt, sondern auch die Arbeit an unseren neuen Schlafzimmer-Vorhängen. Willkommene Pause für Stecknadel-geplagte Finger!

Für 4 Törtchen habe ich die Menge halbiert, das Original gibt als Größe für die Form 12x30cm an, so dass man die längliche Tarte dann in "Slices" schneiden kann. Macht Sinn, bei dem Namen.



Nusstörtchen
4 Tartes à ca. 8 cm Bodendurchmesser, für eine lange Form die Menge verdoppeln.
Sollte auch ohne weiteres für Muffinförmchen gehen, ich schätze mal für ca. 6 Stück, je nach Tiefe.

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Brauner Zucker lässt sich wohl ganz gut durch Sukrin ersetzen, Honig durch Reissirup. Dabei würde ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen, je nach Süß-Vorliebe.**


75g Mehl
20g Puderzucker
60g Butter
50g brauner Zucker
2 EL Honig
25g Butter
2 EL Sahne
1 Ei
100 gemischte Nüsse nach Gusto, z.B. Walnüsse, Mandeln, Pecans, Cashews...

Hülsenfrüchte zum Blindbacken

:: Backofen auf 175°C vorheizen. Die Förmchen gut ausfetten. Aus einem Stückchen Backpapier 8 etwa 2 cm breite  und 15cm lange Streifen schneiden, jeweils 2 davon kreuzfömig in die Vertiefung der Backform legen - das erleichtert später das Herausheben der Törtchen.

:: Für den Teig Mehl und Puderzucker verrühren, dann die Butter unterkneten. Den Teig in die Förmchen drücken und einen Rand bilden. Mit zerknittertem Backpapier belegen und mit Hülsenfrüchten zum Blindbacken beschweren, dann für etwa 15 Minuten in den Backofen schieben, bis die Ränder leicht gebräunt sind. Im Buch wird das Blindbacken nicht verlangt - ich würde es aber trotzdem machen, nachdem bei mir der Teig ziemlich aufgegangen ist, was in der Konsequenz das Einfüllen von Nüssen und Karamell nicht unbedingt erleichtert hat.

:: In einem kleinen Topf Zucker, Honig, Butter und Sahne erhitzen, bis Butter und Zucker geschmolzen sind. Abkühlen lassen, dann das Ei aufschlagen und unterquirlen.

:: Die gemischten Nüssen auf den vorgebackenen Törtchen verteilen, dann mit der Karamellsauce begießen und noch einmal für ca. 15-20 Minuten in den Backofen schieben, bis der Guss festgeworden ist. Komplett auskühlen lassen.


Donnerstag, 3. November 2011

Veggie-Bolognese-Lasagne mit Überraschungseffekt

Klar, so als Flexitarier (neues Wort für mich, habe ich neulich gelernt und wende es jetzt immer zu jedem passenden und unpassenden Moment an) mag ich vegetarische Lasagne, randvoll gefüllt mit Gemüse. Aber wenn ich ganz, ganz ehrlich sein soll, führt die klassische Bolo immer noch den Chart der Lieblings-Lasagnen an. Zum Glück kann man Hackfleisch ja auf so vielfältige Art und Weise ersetzen, so dass man es gar nicht vermisst. Sojaschnetzel sind da die eine (leckere) Sache, Linsen eine andere, aber so richtig verblüfft hat mich neulich die Variante, die erst bei Lamiacucina und dann bei We eat fine auf dem Teller landete: Mit Blumenkohl anstelle von Hack! Öööööh, Blumenkohl? Wie soll das denn gehen?! Aber wenn Robert von Lamiacucina das sagt, dann glaube ich ihm das, ganz pauschal.
Geschmacklich gibt es recht wenig Unterschied zum Original. Klar, man merkt, dass es anders ist, aber es ist trotzdem wirklich fein. (Zitat Testesser: "Schmeckt super. Was ist das? Kein Fleisch, oder? Oder doch???") Leider habe ich nicht ganz beachtet, was SP von we eat fine schon schrieb: Den Blumenkohl nicht allzu fein hacken. Etwas gröbere Krümel sorgen für eine "fleischigere" Konsistenz. Aber wenn ich meine neu erworbene Moulinette einmal in Schwung gebracht habe, dann gibt's kein Halten mehr. Wwwwwwwmmmmm! Wwwmm wwmm!

Die klassische Bechamelsauce habe ich durch eine schnelle Ricotta-Mischung ersetzt, wer Muße hat, kann selbstverständlich Bechamel rühren-rühren-rühren und am Ende etwas Käse unterschlagen.



Bolognese-Lasagne mit geröstetem Blumenkohl
nach einer Inspiration von Lamiacucina. Köstlich wie immer.
Für eine ca. 20x30cm große Form

1 Kopf Blumenkohl
2 Stangen Staudensellerie
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer, Chili
200ml Rotwein
2 Dosen gehackte Tomaten 
1 Zweig Rosmarin
250g Ricotta
100ml Sahne
Parmesan - nach Gefühl und Wellenschlag
1 Kugel Mozzarella (bitte guten nehmen, der aus dem Discounter schmeckt wie Gummisohle, wenn er gebacken wird)
Lasagneplatten

:: Den Backofen auf 220°C vorheizen.

:: Blumenkohl putzen und in Röschen zerteilen. Die Röschen dann entweder hacken oder in der Küchenmaschine schreddern - auf die ungefähre Konsistenz von (gebratenen) Hackfleischkrümeln. Also nicht zu fein.
Auf einem Backblech verteilen und ca. 20 - 30 Minuten im Ofen trocknen lassen, dabei ca. alle 5 Minuten wenden. Die Krümel sollen am Ende gebräunt, aber nicht verbrannt sein. Der Blumenkohl wird dabei ca. die Hälfte seines Volumens verlieren.

:: Währenddessen Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln bzw. hacken und im Olivenöl bei mittlerer Hitze nacheinander anbraten. Mit Wein ablöschen, kurz köcheln lassen und dann die Tomaten und den Blumenkohl hinzugeben. Salzen, pfeffern und mit etwas Chili würzen.
Rosmarinnadeln abzupfen, fein hacken, zur Bolo geben und alles für ca. 15 Minuten köcheln lassen, bis es etwas eindickt.

:: Ricotta und Sahne verrühren. Parmesan feinraspeln und dazugeben, die Menge je nach Geschmack - man kann ihn auch ganz weglassen. Salzen und pfeffern, nach Belieben noch etwas Muskat hineinreiben.

:: Jetzt kommt die Schichtkunst: Lasagneplatten abwechseln mit Bolognese und etwas Ricotta-Mischung bestreichen und so hoch schichten, wie es Zutaten und Form erlauben.

:: Den Mozzarella zerpflücken. Mozzarella reiben ist echt kein Spaß, und zerlaufen tut's am Ende doch sowieso.  Über die Lasagne verteilen, evtl. noch etwas weiteren Parmesan dazugeben und dann etwa 20-25 Minuten backen (220°C), bis der Käse braun ist. Oder knusprig. Wie man's halt mag.

:: Nach dem Backen ca. 10 Minuten ruhen lassen und dann servieren.

Dienstag, 1. November 2011

Meine persönlichen Schwedenhappen

Als Blondine hat man einen Wahnsinns-Vorteil: Man kann alles (oder zumindest vieles) auf die Haarfarbe schieben. Irgendeinen Quatsch angestellt? Uuuups, blond! Dummes Zeug als Fakt verkaufen wollen, aber dabei gnadenlos enttarnt worden? Hihihi, blond! Die Technik stellt einen vor Herausforderungen? Naja, blond eben.

Vor ein paar Wochen hatte ich wieder einen „blonden Moment“, als ich auf dem Weg nach Schweden zu einer Freundin war.  Meine Sitznachbarn im Zug, zwei ältere Damen mit einem Enkelkind, waren auf dem Weg in die Ferien und vertrösteten die vielen Wünsche des Kindes (Hunger, Pipi, kalt) auf „wenn wir auf der Fähre sind“. Meine Güte, dachte ich, ihr verschaukelt den armen Jungen aber ordentlich, wir sind noch mehr als 3 Stunden von Kopenhagen entfernt, und wer weiß, wann Eure Fähre da ablegt! Ich war tatsächlich kurz davor, einen unerwünschten Kommentar abzugeben – Gottseidank habe ich mich schwer beherrschen können und dieser blonden Blog-Betreiberin hier einen sehr peinlichen Moment erspart: Ein Blick auf die Landkarte hätte mir nämlich eröffnet, dass Kopenhagen keineswegs auf dem Landweg allein zu erreichen ist und dass „Zug“ nicht auch gleichzeitig „Fähre“ bedeuten kann. Zug fährt auf Fähre, Fähre von Puttgaden nach Rødby, Zug fährt dann weiter nach Kopenhagen. Wieder was gelernt! Und eine Peinlichkeit erspart.

Das Wochenende in Schweden war ganz wunderbar, auch kulinarisch. Unter anderem haben wir nach einem langen Spaziergang am Meer in einem Café Pause gemacht und dort ein Sandwich bestellt, das sich als köstliche Zusammenstellung von getoastetem Brot, eingelegtem Hering und Eiersalat herausstellte – und das alles lauwarm. Der salzig-geröstete Geschmack ging mir tagelang nicht mehr aus dem (Geschmacks-)Sinn, und jetzt habe ich das endlich mal nachgekocht.

Übrigens: Dass man aber noch einmal über bzw. unter Wasser durch muss, wenn man von Kopenhagen nach Schweden weiterreisen will, wusste ich aber auch schon vor Antritt der Reise. Nur mal so als Feststellung.



Schwedenhappen: Schwarzbrot mit eingelegtem Hering und Eiersalat
Beim Fisch sollte jeder das nehmen, was er oder sie mag – ich zum Beispiel mag absolut keinen in Öl eingelegten Matjes. Ich hatte dänische Appetithappen, die waren ganz gut. Es funktioniert aber auch wirklich fantastisch mit geräuchertem Lachs, oder (sogar noch besser) mit Stremel-Lachs.

Für 2-3 Scheiben

2 kleine Kartoffeln
3 Eier
2 TL Mayonnaise
2 TL Schmand
Salz, Pfeffer
1 TL gehackter Dill
Weißweinessig
2-3 Scheiben Schwarzbrot, am besten richtig dunkles
Eingelegter Hering oder anderer Fisch nach Geschmack
Butter nach Belieben

:: Kartoffeln waschen und in der Schale garen. Die Eier hartkochen. (Verratet’s keinem… aber ich gebe Kartoffeln und Eier in einen Topf. Abwaschminimierung.)

:: Hartgekochte Eier kalt werden lassen, dann fein würfeln, und in einer Schale mit Mayo und Schmand mischen.  Mit Salz und Pfeffer abschmecken, falls nötig, mit etwas Weißweinessig würzen. Dill unterrühren.

:: Einlegten Fisch auf etwas Küchenkrepp abtropfen lassen.
Kartoffeln in ca. ½ cm dicke Scheiben schneiden.

:: Brotscheiben toasten. Nach Belieben mit Butter bestreichen und dann mit den Kartoffelscheiben belegen, etwas salzen. Die Fischfilets darauf verteilen und alles mit einem guten Schlag Eiersalat toppen. Etwas frischen Pfeffer darauf mahlen.

:: Wer mag, schiebt das Ganze jetzt noch für ein paar Minuten unter den Grill, aber es schmeckt auch kalt ganz hervorragend.

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