....aber: wer einen süßen Zahn hat und ganz nach unten scrollt, der findet dort das Rezept für diesen Käsekuchen mit Blaubeer-Topping, den ich für den heutigen Familienbesuch gebacken habe. Er sei sehr lecker, wurde mir versichert, saftig und beerig.
Bis an den Punkt zu kommen, an dem ich jetzt ohne große Schwierigkeiten anderen beim Kuchenessen zusehen kann, hat es ein Weilchen gedauert, etwas mehr als drei Wochen. Diesen Zeitraum habe ich für Euch in hoffentlich übersichtlicher Form in einem Q & A zusammengestellt. Ich habe mich sozusagen selbst interviewt. :)
Aber eins gleich vorneweg: Ich will niemanden bekehren. Wirklich nicht, versprochen.
Was und wieviel jeder wovon isst, ist eine ganz persönliche Entscheidung und hängt meist von mehr als nur einem Faktor ab. Ich möchte niemandem den Kuchen verleiden oder die Schokolade oder gar den Zucker im Kaffee - immerhin ist das hier ja ein Foodblog und kein Ernährungsratgeber.
Q: Wie kommt man auf so eine, mit Verlaub, hirnrissige Idee?
A: Dass die Idee auf den ersten Blick abwegig erscheint (ja, auf den zweiten auch), fand ich auch. Warum sollte ich so etwas Tröstliches wie Schokolade freiwillig von meinem Speiseplan streichen, Glücklichmacher wie Kuchen und Kekse verbannen? Eine wirkliche Antwort habe ich nicht darauf, am nächsten kommt wohl, dass ich es mir einfach beweisen wollte. Ohne die Bloggerwelt hätte ich das Projekt aber nie gestartet. Nicoles zuckerfreie Woche war der letzte Anstoß, den ich brauchte, doch schon vorher hatte ich vor allem in skandinavischen Blogs und welchen aus Down Under einiges zum Thema "zuckerfrei" gelesen, und wie es nun mal ist mit den Ideen: am Anfang erscheinen sie absurd, aber sie machen es sich im Kopf gemütlich und warten auf ihre Zeit. Und wenn dann jemand schreibt, dass
sie ohne Zucker so viel leichter aus dem Bett kommt und damit eine Lösung für mein allmorgendliches Problem bietet, dann weiß die Idee, dass ihre Zeit gekommen ist.
Wie ging es dann los & wie war die erste Woche?
Tatsächlich ging es dann abrupter los als geplant. Als ich dem Gatten vom zuckerfreien Plan erzählte und als Startdatum "ab nächster Woche" verkündete, fragte er zurück, warum denn nicht ab sofort? Mit Aufschieberei würde ich mir doch keinen Gefallen tun. Hm. Gefiel mir zunächst nicht, aber Recht hatte er schon. Er war übrigens ganz großartig in der Unterstützung, moralisch und praktisch: Er hat nämlich schnell alle Kekse aufgegessen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
In der ersten Woche habe ich es erst einmal locker angehen lassen, Cold Turkey war nicht mein Ziel. Peu à peu habe ich Zuckriges aus dem Speiseplan gestrichen: Zunächst gab es keine Naschereien mehr, keinen Kuchen und keine Kekse. Dann, ab dem dritten, vierten Tag, habe ich auch Honig oder Agavendicksaft weggelassen, alles, was mit Industriezucker gesüßt wurde, ja sowieso.
Es ging mir gut dabei. Ich habe in dieser ersten Woche weder lebensverändernden Ereignisse durchlebt noch hatte ich bewusstseinserweiternde Momente, wohl aber habe ich festgestellt, dass es gar nicht so schwer ist, das weiße Zeugs wegzulassen.
Und seither?
Seither geht es immer besser. Natürlich gibt es schwierige Momente, in denen ich mich frage, warum ich das hier eigentlich mache, natürlich gibt es "Rückfälle" und natürlich ist es anstrengend, auf jedes Etikett zu schauen und jede Speisekarte zu hinterfragen. Aber die Momente werden weniger und mit jedem Tag kann man souveräner damit umgehen.
In den ersten ein, zwei Wochen habe ich zunächst mit der zuckerlosen Idee gespielt, ausprobiert und mich Stück für Stück herangetastet. Mittlerweile fühle ich mich damit ganz wohl und habe einen Gang hochgeschaltet, lasse für eine Weile auch jegliches Obst und fruktosereiches Gemüse (bspw. Tomaten) weg. Zum Thema Fruchtzucker/Glukose erzähle ich Euch demnächst etwas, wenn ich mein gefährliches Halbwissen in Biochemie ein wenig erweitert habe. (
Da war doch was...)
Gibt es ein spezielles Programm, einen Leitfaden?
Den gibt es tatsächlich. Ich liebe Pläne. Ich liebe To do-Listen. Ich liebe es, Häkchen hinter erledigte Aufgaben zu setzen. Es ist also kein Wunder, dass ich auch in diesem Fall einen Plan befolge, nicht sklavisch zwar, aber trotzdem es ist gut, einen Anker zu haben. Mein "Anker" ist
Sarah Wilsons Buch "I Quit Sugar". Den
Blog der Australierin lese ich schon seit einer Weile, insofern war sie mein erster Anlaufpunkt. Das Programm ist in acht Wochenschritte eingeteilt, in den ersten zwei Wochen wird der offensichtliche Zucker entrümpelt, anschließend für ein paar Wochen auch alles andere, was (Frucht-)Zucker enthält. In Woche 6 kann so langsam wieder ein wenig Süße ins Spiel kommen, und nach Woche 8 sollte das "Issue" Zucker weitestgehend erledigt sein. Theoretisch. Nach Sarah Wilsons Rechnung befinde ich mich am Ende der Woche 3, die harte Zeit, scheint's, liegt noch vor mir. Huh.
Was gefällt und hat überrascht?
Die Sachen, die mir gefallen, haben mich auch ziemlich überrascht: Dass ich wirklich mehr Energie habe. Zwar komme ich immer noch nicht leichter aus dem Bett, aber für den Rest des Tages fühle ich mich fit und energiegeladen. Dass ich weniger "Zwischenhunger" habe, ist ein weiterer großartiger Punkt: Vorher aß ich zwischen Frühstück und Mittag, so gegen 11, beispielsweise einen Apfel und hatte danach mordsmäßigen Hunger. Wehe, wenn dann die Schokolade griffbereit war. Ähnliches nach dem Mittag, um 15 Uhr spätestens setzten sonst die süßen Gelüste ein - doch auch das hat sich erledigt.
Und hier, meine absolute Nummer eins, mein Superduper-TippiToppi-Liebling: Meine Haut mag mich wieder. Mein problemhafte, zickige Haut mit ihren Teenager-Allüren, die mich seit Jahren zur Verzweiflung bringt, zeigt sich seither freundschaftlich und kooperativ. Ehrlich, das allein ist Ansporn genug.
Blöde Nebenwirkungen und Entzugserscheinungen, wie sieht es damit aus? Worauf fällt es am schwersten zu verzichten?
Nebenwirkungen: eigentlich nur positive - siehe oben. Doch muss ich zugeben, dass es in gewisser Weise anstrengend ist, die Etiketten noch genauer zu lesen, die Kellner nach Zutaten zu fragen, und sich immer wieder erklären zu müssen. Was die Entzugserscheinungen betrifft, so hatte ich ein einziges Mal, ungefähr am siebenten Tag, derartig üble Kopfschmerzen , dass ich mich ein paar Stunden hinlegen musste. Seither geht es mir gut. Glaubt man Sarah Wilson, habe ich "echte" Entzugserscheinungen aber noch vor mir...
Interessanterweise fehlen mir weder Kuchen noch Schokolade in größerem Maße. Es sind eher die salzigen Snacks, auf die ich Lust habe, und die leider nicht so harmlos sind, wie sie klingen. Schaut einmal auf die Zutatenliste von Schinken oder Salami, von vielen Chips oder Knabbereien. Von wegen "nicht süß". Zum Glück gibt's Käse!
Und wie geht's hier im Blog weiter?
Eigentlich wie bisher. ich möchte dem Thema "Zuckerfrei" zwar gebührende Aufmerksamkeit schenken, es aber nicht zum alles beherrschenden Subjekt erklären. Unter der Woche ging es ja eh schon meist zuckerfrei zu, das wird natürlich so bleiben. Und es muss ja nicht immer süß zugehen am Sonntag - wobei,
Post aus meiner Küche steht an. Und Sarah Wilson sieht ja nicht alles. Hihi.
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Und hier nun wie versprochen, das Rezept für den Käsekuchen. Da sich diesmal Familienbesuch angesagt hatte, gab es einen traditionellen Kuchen mit Zucker, und weil ich ihn selbst nicht probieren konnte, galt das Motto "keine Experimente". Aber ich habe die ein oder andere Idee, wie man einen Käsekuchen easy peasy zur zuckerfreien Zone erklären kann. Ich muss gestehen, ein bisschen freue ich mich schon darauf.
Käsekuchen mit Blaubeer-Topping
für die kleine Kuchenform von 18cm Durchmesser
125g Mehl
25g Zucker
1 Prise Salz
1 Eigelb
65g Butter
400g Quark (20%iger)
Abrieb von 1/2 Zitrone
60g Zucker
1 Päckchen Vanillepuddingpulver
65g Butter
2 Eier
1 Eiweiß
300g Tiefkühl-Blaubeeren
2 EL Zucker
:: Für den Mürbeteig Mehl, Zucker und Salz mischen, dann Eigelb und die in Stückchen geschnittene kalte Butter untermischen und alles recht schnell zu einem Teig verkneten. In Folie wickeln und 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.
:: Backofen auf 175°C vorheizen. Den Boden einer 18er Springform mit Backpapier auskleiden und die Wände einfetten.
:: Quark, Zitronenabrieb, Zucker und 2 EL vom Vanillepuddingpulver verrühren. Die Butter schmelzen und untermischen. Eier trennen, die Eigelbe unter die Quarkmasse rühren, die Eiweiße steif schlagen und vorsichtig unterheben.
:: Teig auf Formgröße ausrollen, den Boden auskleiden und einen Rand formen. Die Quarkmasse einfüllen und den Kuchen etwa 30 Minuten backen, bis er sich fest anfühlt. Wenn er dabei einreißt, ist es nicht weiter dramatisch, es kommt eh die Blaubeerhaube drauf... Herausnehmen und vollständig abkühlen lassen.
:: Gefrorene Blaubeeren zusammen mit Zucker und 100ml Wasser aufkochen. Das restliche Puddingpulver (sollten ca. 2 leicht gehäufte EL sein, ansonsten mit Speisestärke ergänzen) mit 1-2 EL Wasser glattrühren und unter die Blaubeeren mischen. Aufkochen lassen, bis die Masse fest und puddingartig wird, etwas abkühlen lassen.
:: Den Käsekuchen aus der Form nehmen und auf eine Tortenplatte schieben. Den Ring der Springform säubern, wieder um den Kuchen legen und fest ziehen. Dann die Blaubeermasse auf den Kuchen gießen. Folie über den Ring spannen und alles zusammen mindestens 3 Stunden kalt stellen.