Eine Dose Baked Beans aufmachen geht leichter und ist vor allem viel schneller, das will ich gern zugeben. Aber ich zappelte am Haken der selbstgemachten Baked Beans, seit ich sie in Tim Mälzers Greenbox gesehen hatte, es führte kein Weg an ihnen vorbei.
Die erste Charge hatte ich aufgegessen, bevor ich "mmmhhh, mmhhoaaaaah, nomnomnom" oder ähnlich Unverständliches fertig äußern konnte. Direkt aus dem Topf. Danach wurde mir klar, dass ich eben gerade den Gegenwert von zwei Dosen weißen Bohnen heruntergeschlungen hatte. Zwei. Immerhin kleinen normalen Dosen, nicht den großen. Aber man braucht ja auch Protein, Seelenfutter sowieso. Das Dumme war: Die Dosenbohnen waren finito, meine Lust, noch mal zum Supermarkt zu gehen, tendierte gegen Null. Und für das Abendessen hatte ich dem Göttergatten schon das Hohelied der Baked Beans gesungen. Zum Glück war Zeit genug für eine Oldschool-Variante mit getrockneten Bohnen, und die war noch mal besser.
Baked Beans erinnern mich unweigerlich an meine Studentenzeit. "Dosenfutter" gab es bei uns zu Hause eigentlich nie, von den Ravioli-Dosen, von denen sich einige Mitschüler tagelang ernährten, war keine Spur. Damals fand ich das irgendwie doof, aber wie mit allen Dingen kommt die Erkenntnis erst später: Verpasst hatte ich nämlich nichts, auch wenn mein 14-jähriges Ich gern Ravioli oder eben Baked Beans aus der Dose gehabt hätte. (Ich bin im Gegenzug recht sicher, dass meine Schulfreunde das selbstgekochte Essen bei uns daheim mit dem gleichen sehnsuchtsvollen Blick betrachtet haben wie ich ihre Dosen.) Und so begann mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem Einzug ins Studentenleben auch meine experimentelle Phase. Das hieß vor allem: Mit Fertigessen experimentieren. Tüte, Dose, Tiefkühler - nichts war sicher vor mir. Nun hatte ich zwar durchaus ein Grundverständnis für das Kochen mitgenommen, aber jetzt, 500 Kilometer südlich der Heimat, konnte niemand die Nase rümpfen oder "dummes Zeug" sagen, wenn ich meine Baked Beans aß. Kalt. Direkt aus der Dose.
Zwischen der letzten und der vorletzten Dose gebackener Bohnen lagen mehr als 10 Jahre. Es war ein bisschen wie alte Bekannte treffen, die man lange nicht mehr gesehen hat und deren Leben sich ganz anders entwickelt hat als das eigene: Man freut sich darauf, sie wieder zu sehen. Gewisse Stichworte zünden immer noch, und ein Gefühl von Vertrautheit stellt sich ein. Und trotzdem ist es nicht mehr so wie früher, irgend etwas fehlt. It's not you, it's me, vielleicht?! Oder: Wir haben uns auseinander gelebt, seit Jahren schon? Jedenfalls sprang der Funke nicht mehr über von der türkis-blauen Dose mit dem markanten Schriftzug. Zum Glück nimmt es mir die Dose Heinz nicht übel, wenn ich beschließe, ab sofort allein mein Ding machen zu wollen, weil mir selbstgemacht besser schmeckt. Sie fand es OK, wenn wir trotzdem Freunde bleiben, die sich im Supermarkt begegnen und auf einen kleinen Plausch stehen bleiben. Im Zweifelsfall ist sie ja immer noch für mich da. That's what friends are for, und so.
Baked Beans
With a little help from my friend Tim Mälzer
Für eine ordentliche Portion für 2 Huungrige, oder für 4 zum Frühstück.
Natürlich kann man das Ganze auch weniger zeitaufwendig mit Bohnen aus der Dose machen! Der Vergleich zeigt, dass die Oldschool-Variante mit getrockneten Bohnen aber noch einen Ticken besser schmeckt.
300g getrocknete weiße Bohnen (alternativ: 2 große Dosen weiße Bohnen, abgetropft)
1 Dose gehackte Tomaten (ca. 400g Einwage)
4 EL Tomatenmark
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Prise gemahlene Nelken
5 EL Worcestershiresauce
Salz, Cayennepfeffer
1 Prise brauner Zucker
:: Bohnen nach Packungsanweisung kochen, vorher ggf. einweichen. (Bei den von mir verwendeten Bohnen war Einweichen kein Muss, die Kochzeit verlängerte sich lediglich um 20-30 Minuten.) Wenn die Bohnen noch Biss haben, sind sie gut. Abgießen und in einen großen, ofenfesten Topf mit Deckel geben.
:: Backofen auf 180°C (Umluft 160°) vorheizen.
:: 1,5 Liter Wasser, gehackte Tomaten und Tomatenmark zu den Bohnen geben und unterrühren. Mit Nelken, Worcestershiresauce und einer Prise Salz würzen. Zwiebeln und Knoblauch pellen und fein hacken, unterrühren. Den Deckel auf den Topf setzen und etwa 90 Minuten geschlossen garen.
:: Den Deckel abnehmen, den Cayennepfeffer und ggf. noch etwas Salz unter die Bohnen rühren und offen weitere 45 Minuten backen. Die Flüssigkeit sollte dabei verkochen bzw. eindicken.
:: Die Bohnen herausnehmen und mit Salz, einer Prise braunem Zucker und einem gutem Schuss Worcestershiresauce abschmecken. Wenn die Sauce noch zu dünn ist, am besten auf der Herdplatte etwas einkochen lassen.
:: Schmeckt großartig zu gebuttertem Toast und Spiegelei. Angeblich werden die Baked Beans beim Erwärmen noch besser - soweit ist es bei uns bisher noch nie gekommen.











