Donnerstag, 17. Januar 2013

Avocado, my love: Überbacken und mit Salsa gefüllt {Projekt Zuckerfrei, Woche 2}

Als ich vor 15 Jahren zu Hause auszog, probierte ich mich nicht nur einmal quer durch alle Fertiggerichte, die der Supermarkt zu bieten hatte, ich schwor gleichzeitig auch Fett ab. Uääääääh, Fett! (*angeekelte Teenager-Miene*) Milch gab es ab dann nur noch in der Halbfett-Variante, Joghurt am besten gleich mit 0,1%, und alles, was mit “fettreduziert” beworben wurde, war automatisch ein Interessenskandidat, ebenso wie diese dubiosen “statt Sahne”-Produkte, die im Laufe der Zeit aufkamen. Schließlich hieß es doch immer, Fett mache fett. Das einzige sogenannte Schlank-Produkt, mit dem ich mich auch schon damals nicht anfreunden konnte, war Putenbrust.
Glücklicherweise dauerte meine Low-Fat-Phase nur ein paar Jahre. Butter kommt mir zwar noch immer nur noch in den seltensten Ausnahmefällen auf’s Brot, aber das ist eine reine Geschmacks- und Konsistenzsache. Ansonsten sind Öle, Nüsse, vollfette Milchprodukte und hin und wieder tierisches Fett meine Freunde. Und Avocados.
Überbackene Avocado Brösel Haselnüsse Petersilie Projekt Zuckerfrei
Ooooh, Avocados. Als ich Euch das erste Mal probierte, war es um mich geschehen…. OK, stopp – ganz so war es nicht, meine erste Avocado war ein unreifes, hartes Ding mit widerspenstiger Schale und seifigem Geschmack. Und ich war 12. Keine gute Kombination. Unsere wahre Liebesgeschichte begann erst viel später, und ich schäme mich, zuzugeben, dass ich den dunkelgrünen Knubbelschalen während meiner Fett-Abstinenz untreu wurde. Was ich in dieser Zeit alles verpasst habe! Nicht nur den cremigen Geschmack, auch eine geballte Ladung an ungesättigten Fettsäuren, an den Vitaminen A und E, an Alpha- und Beta-Carotin. Außerdem macht es das in der Avocado enthaltene Fett einfacher, fettlösliche Vitamine und Nährstoffe aus anderen Früchten herauszulösen. Übrigens, alle die im Baby-Modus sind, sollten Avocados auch auf ihren Einkaufszettel setzen, denn sie enthalten viel Folsäure, sollen den Hormonhaushalt ausgleichen und übrigens auch beim Mann alles in Schwung bringen. Fun fact: Das aztekische Wort für Avocado, ahuacatl, bedeutet soviel wie Hoden, da sie paarweise wachsen. (Und naja, auch ein bisschen so aussehen.) Bei einer Avocado dauert es übrigens auch 9 Monate, bis sie von der Blüte bis zur reifen Frucht heranreift.
Avocado gratiniert überbacken Petersilie Haselnüsse Projekt Zuckerfrei
In Woche 2 des Projekt Zuckerfrei 2013 holen wir also mehr Fett auf den Teller. Keine Pommes, tut mir Leid, aber ansonsten alles, was schmeckt und dem Körper gut tut. Kokos- und Olivenöl, Oliven, Avocados (ach), Nüsse, Kürbiskerne und Saaten, Käse und Joghurt mit natürlichem Fettgehalt, Eier. Erschreckt? Muss nicht sein. Genau wie bei der Umwandlung von Glucose in Energie hat unser Körper ein sensibles Regelsystem, das uns sagt, wann es reicht. Dieses Signal auch zu hören, oder besser: auch hören zu wollen, müssen wir oftmals erst wieder lernen. Es zu hören, zu verstehen und zu akzeptieren, also aufhören zu essen, wenn man satt ist, das ist die ganz hohe Kunst, oooooh ja. *seufz*
  • Was mir in dieser Woche hilft: Ganz bewusst essen. Das fühlt sich am Anfang ziemlich albern an: nach jedem zweiten Bissen abzuwarten, ob der Bauch sagt, so reicht jetzt, ne. Aber es funktioniert! Als wir gestern abend beim Essen saßen, sagte ich plötzlich zum Testesser: “Wahnsinn. Gerade hat mein Hypothalamus Signale ans Hirn geschickt, dass ich satt bin. Das ist irgendwie wie bei Otto Waalkes damals: Großhirn an Kleinhirn!” (Er hat gelacht. Gelacht! Grmpf. Ich mache hier die Entdeckung des Jahres und er lacht.)
  • Was ich in dieser Woche austausche: Snacks. Wenn der kleine Hunger kommt, dann gibt es keinen Apfel (geschweige denn einen Keks), sondern ein Stück Käse für das Insta-Satt-Gefühl. Ich habe im Büro übrigens auch immer Käse in einer Tupperschüssel im Kühlschrank stehen, und wenn das 11-Uhr-Tief oder das Nachmittagsloch kommt, dann hole ich mir ein Stückchen. Am liebsten Ziegengouda.
  • Mein Superfood in dieser Woche: Mein heißgeliebtes natives Kokosöl, mein absoluter Allrounder. Sehr hoch erhitzbar, also perfekt zum Braten, aber gleichzeitig auch lecker und leicht süßlich auf einer Scheibe Brot, und voll mit essentiellen Fettsäuren. Und – kein Witz – mein Held im Badregal. Seit einiger Zeit benutze ich Öl zur Gesichtsreinigung, und meine Haut liebt Kokosöl.
  • Interessant: Das Gehirn besteht in seiner Trockenmasse zu 60 % aus Fett.
Gefüllte Avocado, Tomatensalsa, Koriander, Projekt Zuckerfrei
Tomaten Avocado Salsa Koriander Projekt Zuckerfrei

Überbackene Avocado

Die Brösel-Masse reicht locker für 2 Avocados, also 4 Hälften
25g Haselnusskerne (eine Handvoll)
2-3 EL grob gehackte Petersilie 
abgeriebene Schale von 1/4 Zitrone
1-2 EL Zitronensaft
2 EL Olivenöl
1-2 EL Paniermehl oder 1/2 Scheibe altbackenes Bauernbrot
Salz & Pfeffer
1 Prise Piment d’Espelette (alternativ Chili)
2 Avocado 
evtl. Olivenöl zum Beträufeln
:: Backofen auf 220°C vorheizen, während der Aufheizphase die Haselnüsse auf ein Backblech geben und für 5 Minuten im Ofen rösten. Herausnehmen und etwas abkühlen lassen.
:: Haselnusskerne, Petersilie, Zitronenschale und -saft mit Olivenöl und Paniermehl in die Küchenmaschine geben und alles mittelgrob hacken, so dass durchaus noch Stückchen da sind. Ohne Küchenmaschine: Scharfes Messer zum Einsatz bringen und die Haselnüsse und die Petersilie hacken, dann Zitrone, Öl und Paniermehl unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette abschmecken.
:: Avocados halbieren, den Kern entfernen und die Hälften mit der Bröselmasse bedecken. Für ca. 7 Minuten in den Backofen schieben. Die Bröselmasse soll leicht bräunen, die Avocados sollen aber nicht zu warm oder matschig werden. Wer eine gut regulierbare Grillfunktion im Ofen hat, kann die dazunehmen – meine ist so stark, dass sie die Brösel sehr schnell verbrennen ließ.
:: Herausnehmen und nach Geschmack mit etwas Olivenöl beträufeln.

 

Avocado mit Tomaten-Salsa-Füllung

für 2 Avocado-Hälften
1/4 kleine rote Zwiebel
1 TL heller Essig
150g Kirschtomaten
1/2 Bund Koriander
1/4 rote Chili (gern mehr, wer mag!)
1 kleine Knoblauchzehe
Limettensaft
Pfeffer
asiatische Fischsauce (oder good old Salz)
1 Avocado
 
:: Die Zwiebel in feine Scheiben schneiden und in einer Schüssel mit dem Essig mischen. Eine Viertelstunde stehen lassen. (Der Essig entzieht den Zwiebeln die manchmal unangenehme Schärfe.)
:: Tomaten waschen und in Würfel schneiden, zu den Zwiebeln geben. Koriander waschen, trockenschütteln und mittelfein hacken. Chili fein würfeln, Knoblauchzehe fein hacken. Alles zu Zwiebeln und Tomaten hinzufügen und gut durchrühren. Mit Limettensaft, Pfeffer und Fischsauce (oder Salz) abschmecken.

:: Die Avocado halbieren, Kern entfernen und dann jede Hälfte mit der Tomatensalsa füllen.

:: Auch gut: Das Avocadofleisch herauslöffeln, in Würfel schneiden und unter die Salsa rühren. Schmeckt super zu Tortillas oder in den Quesadillas von hier.

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Donnerstag, 17. Januar 2013

21 Gedanken zu „Avocado, my love: Überbacken und mit Salsa gefüllt {Projekt Zuckerfrei, Woche 2}

  1. milchmaedchen

    Soso. Avocados also. Mh. Das klingt ja… als sollte ich… meine Aversion… auch nochmal dem Praxistest…?!
    Nachdem sogar die Anti-Bananen-Front müde wird… – die Glücke des Alterns… ;D?
    Liest sich jedenfalls alles schmackhaftst – wird notiert!

  2. Netzchen

    Guten Morgen Katharina,

    toller Beitrag vor allem weil ich auch grad auf die Avocados steh. Sehen toll aus deine Bilder.

    LG Netzchen

  3. miss carrie

    Sehr schön! Hege die gleichen Gefühle für Avocados – allerdings schmecken sie mir nicht mehr, sobald sie erhitzt/gegrillt/warm werden. Ich finde, dass sie dadurch einen bitteren Beigeschmack entwickeln. Aber vielleicht hängt es davon ab, wie stark man sie erhitzt?

    1. Katharina

      Hallo Carrie, ja, du hast nicht unrecht – wenn man sie zu lange erhitzt, schmecken sie irgendwie… komisch. (Mangels besseren Wortes zur Beschreibung.) Deswegen habe ich sie hier wirklich nur kurz überbacken, so dass die Avocado noch halbwegs Normaltemperatur hat und nur die Kruste überbacken wird.

  4. Barbara

    Lecker! Und wunderschöne Fotos, Kompliment! :-)

    Ich mag Avocados total gerne, allerdings ist es immer nicht so leicht, aromatische reife zu bekommen.

    Ach übrigens, Im Gärtnerblog läuft gerade ein Avocado-Event, da würden die zwei Rezepte gut passen.

    1. Katharina

      Danke, Barbara – auch für den Tipp mit dem Gärtnerblog. :)

      Ich hab auch immer gedacht, dass reife Avocados zu finden so’n Ding ist, aber ich habe folgenden interessanten Fakt gelernt: Avocados reifen, selbst wenn man sie ließe, nicht am Baum. Sie fallen hart und unreif ab und würden dann am Boden zu den butterweichen Früchten werden, die wir so lieben. Da sie dadurch aber auch Druckstellen bekommen (Aufprall), werden sie vor dem Herunterfallen geerntet und dann gelagert bzw. verschickt und verkauft. Idealerweise soll man sich also die harten Dinger kaufen und dann langsam zu Hause nachreifen lassen. So vermindert man auch das Risiko, Früchte zu kaufen, die sich zwar weich anfühlen, innen aber schon schwarze Stellen haben. Guckst Du hier: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/avocado.html
      Seitdem ich das weiß, kaufe ich pro Woche 2-3 Avocados aus der “harten Kiste” und lasse sie dann zu Hause liebevoll und mit Kosewörtern weich werden. Eine von den Früchten wird schon reif sein, wenn ich sie brauche! :-)

    2. Barbara

      Danke. Ja, ich weiß und ich mache es genauso – bei mir reifen sie in Zeitungspapier nach. Manche sind allerdings so unreif, dass das nichts wird. Sie werden direkt gammelig.
      Allerdings schmecken die hier gekauften in den seltensten Fällen auch nur annähernd so gut wie die, die mir liebe Mitmenschen von ihrem Garten auf den kanarischen Inseln mitbringen, die sind sooo viel aromatischer.
      Aber das mit den Koseworten sollte ich probieren, das wird das Geheimnis sein! :-)

  5. Angelika

    Avocados sind auch mein Favorit! Deine Rezepte sehen wirklich lecker aus. Wird diese Woche probiert. Aber auch ganz einfach ist gut: Avocado in Scheiben schneiden, salzen, pfeffern, wer will auch gerne etwas Zitronensaft und-schale und auf eine leicht(!) gebutterte Scheibe eines frischen selbstgebackenen Brots. Mmmmh!
    Natives Kokosöl nehme ich schon seit längerem für Haut und Haar. Seitdem brauche ich keine anderen Crèmes, Lotions oder Spülungen mehr.

  6. nike

    nehm ich! avocados sind bei mir auch gern gesehn, wenn ich keine lust/zeit habe zu kochen. am liebsten auf frisch gebackenem brot. selbst schokomousse lässt sich aus den dingern zaubern …
    und daumen hoch für das kokosöl. bei der kalten winterluft das beste für meine gestresste haut und kaputte lippen!

    1. Katharina

      Uuuuuuups – liebes Kekschen, das war nicht gewollt! Mein Finger war zu schnell auf dem Mausklicker auf dem falschen Link. :-s Sorry!

  7. lunadepana

    …mir fällt zu Avocados immer eine besondere deutsch-mexikanische Freundschaft ein:
    hausgemachte Guacamole auf frischen Vollkorn-Schwarzbrot… *sabber*

    Liebe Grüße

    Daniela
    casachaotica.blogspot.de

    1. Katharina

      Jaaaaaaaaa! Und für alle, die Fisch essen, lege ich noch eine Scheibe geräucherten Lachs darauf.
      11 Uhr in Deutschland. Ich bekomme Hunger.

  8. Cookies N' Style

    Na dann ein neuer Versuch:

    Ich hab damals, als ich ausgezogen bin ebenfalls alle Fertiggerichte der Welt durchprobiert.

    Avocados liebe ich heiß. Witzig, dass du die gefüllte Variante zeigst, ich hatte diese Woche mal Avocado in meinem Salat und als ich mit dem Löffel so kleine Kügelchen rausgestochen habe, dachte ich daran, dass ich sie auch mal füllen könnte und das bestimmt super lecker sein würde.
    Da kommt mir dein Posting genau richtig ;-)

  9. Tini

    Avocados sind soo toll! Ich esse sie aber immer so: ich kratze den Inhalt in eine Tasse und mische dann ein paar Löffel gezuckerte Kondensmilch mit runter und stampfe das ganze dann mit einem Löffel ein xD
    Avocados sind einfach mega gesund, tolle Rezepte hast du da!
    Liebe Grüße
    Tini

  10. minzzucker

    Haha, ich fand es auch besonders toll in meiner ersten Wohnung am Anfang nur Fertiggerichte zu kochen! Und auch ich habe damals alles gegen fettreduzierte Varianten ausgetauscht. Pfui, sag ich da nur! Die Avocadorezepte ist übrigens echt toll!
    Herzliche Grüße,
    Dani

    1. Miss Jenny

      Oh ja, die Studentenzeit! Mei bester Freund waren zwei Tüten für Tomatensoße: Maggi Tomate-Mozzarella und Knorr Parmarosa. Ich glaube einmal im jahr esse ich sie immer noch, teils mit Abschreckung, teils mit Genuss der schönen Erinnerung. :-)

  11. Miss Jenny

    Morgen Abend bekomme ich auch Avocado, anscheinend mit Feta in der Pfanne gebraten – bin schon gespannt :-) Als hauptgericht gibt es dann Salat mit Garnelen, das wird ein Dinner *freu*!

    Da Tomaten ja anscheinend erlaubt sind, teile ich mal mein heute gebloggtest Rezept mit euch: ein herzhafter Kuchen (ähnl. Quiche) mit Tomate und Ei http://genuss-und-versuchung.blogspot.de/2013/01/herzhafter-kuchen-wie-quiche-mit.html

    Liebe Grüße
    Miss Jenny

    Ich berichte dann auch mal über die Avocadopfanne. Und als

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