Sonntag, 3. Februar 2013

Avocado-Schoko-Smoothie & eine Ladung Argumente {Projekt Zuckerfrei, Woche 4}

Die vierte zuckerfreie Woche im Jahr 2013, und die zweite komplett fructosefreie dazu, ist sehr unspektakulär vorübergegangen. Zum Abschluss der Woche, und bevor wir uns in der nächsten Woche dem Thema “Frühstück” zuwenden, möchte ich mich aber gern einmal einer Sache genauer widmen, die mir und wahrscheinlich allen, die sich (sei für eine Weile oder aber für immer) vom Zucker verabschiedet haben, immer mal wieder begegnet: Dem “Umgang” und der Diskussion mit den Madigmachern und Besserwissern.
Die ersten Wochen ohne Zucker und ohne Fructose sind nicht unbedingt ein Spaziergang. Manchen fällt es leichter, manchen schwerer – und alle stellen sich an irgendeinem Moment selbst die Frage, “warum zum Geier mache ich das hier eigentlich?!” Alle Etiketten genau lesen, Speisekarten auf Zuckerbestandteile scannen, beide Augen (und die Nase) fest vor dem Kuchen und seinem Duft zu verschließen – zum Spaß macht man das sicher nicht. Und wenn man sich dann noch ständig rechtfertigen muss, kann einem die Lust am neuen Lebensstil wirklich vermiest werden. Ich habe einmal die “Argumente”, die mir am häufigsten begegnet sind, zusammengefasst. Und meine üblichen Antworten.

Avocado Schoko Smoothie Kakao zuckerfrei

Aber wir haben doch schon immer Zucker gegessen. Das kommt ganz darauf an, was man unter “immer” versteht. Zwar hat der Zucker eine relativ lange Geschichte, aber in Mitteleuropa beispielsweise wurde Zucker erst mit den Kreuzzügen bekannt und war jahrhundertelang den vermögenden Ständen und dem Adel vorenthalten. Zucker galt als Gewürz und Arznei und wurde zu den sprichwörtlichen Apothekenpreisen in der Apotheke verkauft. Zuvor wurden Speisen mit Honig gesüßt, aber auch der war nicht im Übermaß vorhanden und war ebenfalls keineswegs billig. Im Prinzip ist Zucker erst seit etwa 150 bis 200 Jahren zu einem allgemein erhältlichen Nahrungsmittel geworden. Mehr zur Geschichte findet Ihr auch hier.

Zucker ist doch natürlich. Stimmt. Zucker, entweder als Saccharose oder als Fructose, kommt in der Natur in Pflanzen vor, vor allem in Obst. Allerdings sind die heutigen Obstsorten auf Süße gezüchtet und enthalten viel mehr Fructose als noch vor einigen Jahrzehnten. Außerdem ist Zucker, also Fructose, in Obst zusammen mit seinem “Gegengift” verpackt: Fasern und Ballaststoffe. Diese verlangsamen die Aufnahme des Fruchtzuckers in den Blutkreislauf. Raffinierter Zucker enthält nichts weiter außer – Zucker.
Und, auf der anderen Seite: Arsen kommt auch in der Natur vor. Und Erdöl ist auch natürlich. Ebenso wie viele toxische Stoffe. Aber würden wir auf die Idee kommen, sie zu essen, und dann in solchen rauen Mengen? 

Wie, kein Obst? Und was ist mit Vitaminen? Kennt Ihr den Spruch “No one cares about your protein intake unless you tell them you’re vegan”? So in etwa ist es auch mit dem Obst und der zuckerfreien Ernährung. Den meisten Menschen ist mein Vitamin-Haushalt komplett egal, aber wenn ich erzähle, dass ich für eine Weile auf Obst verzichte, sind sie kurz davor, mich für unterversorgt zu erklären, auch wenn ich ihnen versichere, dass ich viel Gemüse esse.
Außerdem bedeutet “zuckerfrei” keineswegs den kompletten Verzicht auf Obst. Wie gesagt, im Obst und Gemüse kommt die Fructose in einer Verpackung mit Fasern und Ballaststoffen daher, und deswegen ist nach den ersten fructosefreien Wochen auch nichts gegen ein wenig Obst einzuwenden, absolut nicht. Aber im Apfelsaft oder im Würfelzucker sucht man schon vergebens nach Ballaststoffen.

Aber wir brauchen doch Zucker! Oh, wofür denn?
Zugegebenermaßen zieht dieses “brauchen”-Argument immer eine längere Erklärung hinter sich her, da wir unter “Zucker” irgendwie alles verstehen: Kristallzucker, Rohzucker, Zuckerrübe oder Zuckerrohr, aber eben auch unseren Blutzuckerspiegel und die Kohlenhydrate-Familie. Die heißen ja verwirrenderweise auch Traubenzucker, Fruchtzucker etc. Glucose, also Traubenzucker, brauchen wir tatsächlich. Aber mit Fructose kann unser Körper eigentlich nicht wirklich etwas anfangen – außer directement als Fett speichern. (Zugegeben, das war jetzt sehr verkürzt und stark vereinfacht dargestellt. ;-) )
Und das, was wir als süße Kristalle aus der Zuckerdose kennen, besteht nun einmal zu 50% aus Fructose. Und da unsere Vorfahren Tausende von Jahren ohne auskamen und doch überlebt haben, scheint es ja doch nicht so überlebenwichtig zu sein.

Avocado Schoko Smoothie Kakao zuckerfrei

Zuckerfrei macht das Leben doch gar keinen Spaß! Hahaha, das Totschlag-Argument. Ich habe eine Weile gebraucht, um dafür ein Antwort zu finden, mein “macht es doch!” klang immer ein bisschen nach kindlichem “wohl schoooo-hoooon!” Aber es macht Spaß, fitter zu sein. Es macht mir Spaß, besser schlafen zu können. Es macht mir Spaß, nicht mehr wie ein ferngesteuertes Eichhörnchen auf der Suche nach dem nächsten Snack umherzuhüpfen oder sehr unentspannt zu werden, wenn ich feststelle, dass keine Schokolade in Reichweite ist. Selbstbestimmen macht Spaß. Und zuckerfrei heißt doch auch nicht “unsüß”.

Grundsätzlich versuche ich schon immer, mit positiven Argumenten zu überzeugen, die tollen Aspekte herauszustreichen. Angesichts dieser Madigmacher-Fragen fühlt man sich aber doch schnell zur Argumentation genötigt und schneller als man es sich versieht, hebt man den moralischen Ernährungszeigefinger. Ich sehe es so: Meine Ernährung umzustellen, ist wie eine Art Training, wie ein Muskel, den man trainieren muss, um ihn zu stärken. Die Argumentation und die (manchmal sehr ermüdende) Diskussion mit anderen ist genau so ein Training, vielleicht mehr eines in Rhetorik. Aber es kann ja auch nicht schaden, sich selbst immer wieder klar zu machen, warum zum Geier man das hier eigentlich macht!

So, und allen, die finden, dass ein Leben ohne Zucker keinen Spaß macht, sei herzlichst dieser Schoko-Smoothie ans Herz gelegt. So unverschämt cremig, dass es eigentlich nur ein kurzer Schritt ist zu Schokoladensauce oder Schokoladencreme. Die Avocado gibt Textur und Samtigkeit, drängt sich aber nicht in den Vordergrund. Yummy!
Nike hat neulich übrigens unglaublich köstlich aussehende Mini-Schokoladen-Cupcakes mit einem Schoko-Avocado-Frosting gebacken, die förmlich nach Nachbacken schreien!

Avocado Schoko Smoothie Kakao zuckerfrei

Avocado-Schoko-Smoothie

für 2 Gläser à 250 ml

1 reife Avocado
400ml Milch (bei mir Hafermilch, Kuh- oder sonstige geht aber auch)
2 gehäufte EL Kakao (ich nehme am liebsten schwach entölten Kakao)
1/4 TL gemahlene Vanille (alternativ 1 TL Vanilleextrakt)
für ganz Süße: ein Spritzer Reissirup oder ein Löffel Dextrose (Traubenzucker)

Easy as pie: 

:: Avocado halbieren, den Kern entfernen und das Fruchtfleisch zusammen mit Milch, Kakao und Vanille und ggf. Süße in einen Standmixer geben (Pürierstab funktioniert auch) und so lange pürieren, bis die Avocado komplett zerlegt ist und ein cremiger Smoothie entstanden ist, der so smoooooth wie Schokoladensauce ist.

:: Wer mag, kann noch eine Handvoll Eiswürfel dazugeben, das wäre dann die coole Sommervariante.

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Sonntag, 3. Februar 2013

14 Gedanken zu „Avocado-Schoko-Smoothie & eine Ladung Argumente {Projekt Zuckerfrei, Woche 4}

  1. lapetitecuisine

    Liebe Katharina, vielen Dank für diese erhellenden Antworten! Ich überlege schon lange so ein Projekt mal zu starten. Noch ist die Zeit nicht reif, aber sie wird kommen, da bin ich mir sicher! Bin SEHR gespannt darauf! LG Susanne

  2. Fräulein Moonstruck

    Das wundert mich jetzt doch, dass du dich für eine zuckerfreie Lebensweise so rechtfertigen bzw. dafür argumentieren musst. Bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung – ok, da ist klar, dass man irgendwann die ein oder andere Frage, Argument oder auch mal blöde Bemerkung hinnehmen muss. Aber das doch so viel gegen ‘zuckerfrei’ vorzubringen ist, hätte ich wirklich nicht gedacht. Aber gut, dass du schon die richtigen Antworten parat hast. :-)
    Liebe Grüße, Ramon

  3. martina

    ;-) meine Bewunderung hast Du, das weißt Du ja schon und ich werde Dich auch nie wieder ärgern!! ;-) ))
    Nee mal im Ernst, ich glaube auch, dass wir allgemein viel zu viel Zucker zu uns nehmen. Ich merke das immer bei meinen Kinder, wie krass das ist, wenn sie Abends doch noch irgendwie an ein Stück Schokolade geraten oder wenn es anstelle des Wurstbrots ein Honigbrot gibt. Die sind viel aufgekratzter als sonst. Irre, oder?

    Ich finde das gut. Aber ich würde das nie durchhalten, allein, weil ich hier dann zwei verschiedene Mahlzeiten zubereiten müsste, ich wäre also nur noch am Kochen und wenn ich meinen Kinder erklären würde, dass es keine Süßigkeiten dafür aber die dreifache Menge an Gemüse gäbe, ich befürchte, das würde eine ziemliche Meuterei geben ;-) )
    Ich belasse es dabei, einmal im Jahr auf Süßigkeiten für eine gewisse Zeit zu verzichten, das ist auch schon echt gut!

    Liebe Grüße
    Martina.

  4. SonntagsFräulein

    Wunderbar, einfach wunderbar. Jetzt verfolge ich ständig begeistert Deine zuckerfrei Aktion, gerade berichtete ich bei Facebook darüber und werde heute abend als Erstes diesen tollen Smoothie versuchen.
    Vielen Dank Dir für diese Inspirationen, ich freu mich sehr :-)
    lieben Gruß
    Christine

  5. Bengelchen

    Sobald man von der “Norm” abweicht, muss man sich rechtfertigen. Ich weiche gleich zweimal ab. 1. bin ich Vegetarierin und 2. ess ich keine Fructose, weil ich sie nicht vertrage (bin Fructoseintolerant).

    Der neuste Lieblingsspruch der “Normalen”: “Deine Fructoseintoleranz kommt nur daher, weil du kein Fleisch isst”. Ähm ja, ohne Worte ;-)

    Was ich damit sagen will: Nicht unterkriegen lassen.

  6. nike

    ich hab am wochenende kuchen mit reissirup und bananen gebacken – der war so schnell weg und kinder und mütter waren begeistert – ohne topping, ohne zucker.
    aber es stimmt schon, die meisten schütteln den kopf. “erst vegan und jetzt noch ohne zucker? was kannst du denn noch essen?” naja , immer noch genug. und lecker! und dieser süß-jieper bleibt wirklich einfach weg. die hosen sitzen lockerer und das alles ohne großartige anstrengung. besser geht´s doch gar nicht.
    ich freu mich über jede deiner “unterrichtsstunden” und bleibe weiterhin so gut wie zuckerfrei!

  7. Charlie

    Hallo Katharina,

    warum man Menschen immer dazu zwingen will, ihre Lebensweise verteidigen zu müssen, ist mir rätselhaft. Ich kann doch einen Veganer nicht durch Argumente vom Fleischessen überzeugen (er wird sich ja genug Gedanken gemacht haben!) und ebenso wenig möchte ich jemanden dazu überreden, wieder Zucker zu essen, nur damit ich mir besser vorkomme.

    Nachfragen aus Interesse (und um vielleicht auf neue Ideen zu kommen): ja. Jemandem seine Lebensweise madig machen – nein! Das ist doch eine Frage des Respekts…

    Also weiter so:)

    Viele Grüße

  8. Schokozwerg

    Auch wenn ich ne Süße bin und bleiben möchte, so lese ich doch interessiert mit. Jeder soll nach seiner Facon selig werden, sagte der Alte Fritz. Recht hat er :) Und da ich neugierig und offen bin, lasse ich mich gern von dir inspirieren. Dass die süßen Gelüste abnehmen, je länger man verzichtet, kann ich bestätigen. Dass ich die süßen Köstlichkeiten besonders genieße, wenn ich sie mir dann bewusst gönne, allerdings auch :) Weiter viel Erfolg, ich bin auf die Fortsetzungen sehr gespannt!

  9. Amaribe

    Sieht lecker aus. Erinnert mich sehr an meinen Urlaub in Indonesien. Da steht Avocado-Schokomilch auf so mancher Speisekarte.

  10. Isabell

    Dein Rezept klingt sehr lecker und plötzlich lacht mich die Avocado in meinem Kühlschrank sehr an.

    Dein zuckerfreies Projekt finde ich toll!! Ab Aschermittwoch beginnt auch wieder mein jährliches Süßigkeiten-Fasten für die 40 Tage. Es ist immer interessant wie sich Gelüste einstellen und danach alles viel süßer schmeckt als früher gedacht.

    lg Isabell

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