Donnerstag, 21. Juni 2012

Breznknödel-Salat

Beinahe zwei Jahre ist unser Umzug in den Norden Deutschlands jetzt her. Eigentlich eher ein “Zurück”zug, als geborener “Muschelschubser” bin ich ein Kind der Küste, trotz immerhin zwölf Jahren südlich des Weißwurst-Äquators, die ich sehr genossen habe. 
Ich liebe viele Dinge am Norden, nicht zuletzt die Nähe zur See und zur Familie und die Existenz von zimtigen Franzbrötchen. Doch auch die Tatsache, dass es in Hamburg Franzbrötchen gibt, kann nicht über eines hinwegtäuschen: Norddeutsche Bäcker können keine Brezn backen. Sie können auch keine Brezen oder Brez’n. Sie tun, als ob sie Brezeln könnten, doch allein dieses “l” lässt mich schaudern, genau wie der Geschmack der norddeutschen Brezel. Aber es gibt Franzbrötchen. Die einzig wahren.
altbackene Brezn Brezel Brezen

Wenn ich also meine Freunde im gelobten Breznland besuche, spielt sich auf dem Rückweg am Münchner Bahnhof unweigerlich diese Szene ab: Sowieso schon mit diversen Taschen und Koffern versehen, stolpere ich zum Bäcker (ich kenne die Brezn-Hotspots ja noch) und bestelle fünfzehn Brezn. Manchmal auch zwanzig, weil’s grad so schön ist und gut duftet. Ob sich die Verkäuferin dann jedes Mal vorstellt, dass ich einen Haufen hungriger Kinder zu versorgen habe? Sie reicht jedenfalls zwei riesengroße Tüten über den Tresen, in denen ich glücklich meine Beute zum Zug transportiere. Zwei bis drei der knusprigen Ringel fallen sofort meiner nach Brezn hungernden Seele zum Opfer, der Rest darf unversehrt in die Diaspora mitreisen und wird dort für spätere Zeiten im Tiefkühler gelagert. Breznglück auf Umwegen.
altbackene Brezn Brezel Brezen

Sollte einmal der (sehr) unwahrscheinliche Fall eintreten, dass zu viele Brezn aufgetaut und nicht gegessen wurden, gibt es eine zweite wunderbare Reminiszenz an meine Zeit als “Zugroaster” in München: Breznknödel, die ich wegen der salzigen Würzigkeit immer schon viel lieber als Semmelknödel mochte. Der Gipfel allen Knödelgenusses war aber das Resteessen: Knödelreste vom Vortag, zerteilt und in Butter gebraten. Ich denke, dass ich nicht der einzige Mensch unter der Sonne bin, der Knödel, jedweder Art, extra gekocht hat, um sie dann in ein “Gröstl” zu verwandeln. Mit Bratkartoffeln verhält es sich doch ähnlich, nicht wahr?

altbackene Brezn Brezel Brezen

Breznknödel-Salat
FÜR DIE KNÖDEL:
125g Brezn, altbacken (etwa 2 Stück)
125ml Milch
1 kleine Zwiebel
Butter
3-4 Stängel Petersilie
1 Ei
Salz, Pfeffer, Muskat

FÜR DEN SALAT:
4 große Champignons
1 kleine Zwiebel
Butter
5 Cocktailtomaten
4-5 Radieschen 
2 Handvoll Feldsalat
1 EL milder Essig
1 TL süßer Senf (fällt bei zuckerfreier Ernährung weg, klar)
3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer

:: Brezn in Würfel von ca 1/2cm Kantenlänge schneiden, in eine ausreichend große Schüssel geben. Die Milch aufkochen und über die Breznwürfel geben. Etwas durchmischen und 15 Minuten einweichen lassen.
:: Währenddessen die Zwiebel putzen und fein hacken, dann in etwas Butter glasig anschwitzen. Petersilienblättchen von den Stängeln zupfen und ebenfalls fein hacken und zusammen mit den angeschwitzten Zwiebelwürfeln und dem verquirlten Ei zu den eingeweichten Breznwürfeln geben. Alles kräftig vermischen und mit etwas Salz, ordentlich Pfeffer und ein wenig Muskat würzen.
:: Ich bevorzuge Knödel in Serviettknödelform: Dafür kann man die Knödel natürlich in ein Geschirrtuch wickeln, es geht aber auch wie folgt: Ein 30-40cm langes Stück Alufolie  ausbreiten, darauf ein etwas kürzeres Stück Frischhaltefolie legen. Die Hälfte der Knödelmasse darauf zu einer länglichen “Wurst” formen und mit der Frischhaltefolie einwickeln und etwas in Form bringen. Dann die Alufolie darumschlagen und die Enden knallbonbon-mäßig zudrehen.
:: Einen ausreichend großen Topf mit Wasser aufsetzen, Wasser zum Köcheln bringen und die beiden Knödelknallbonbons etwa 20 bis 25 Minuten darin gar ziehen lassen. Herausnehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Folien entfernen und die Knödel in Scheiben schneiden. (Für eine Beilage zum Braten ist hier jetzt Schluss – es sei denn, man hat die doppelte Menge gemacht, extra für den nächsten Tag. Dann geht es jetzt weiter!)
:: Für den Salat die Pilze putzen und in Scheiben schneiden. Die Zwiebel pellen und in Ringe schneiden. Beides in etwas Butter anbräunen, dann die Knödelscheiben dazugeben und von beiden Seiten braun und knusprig braten.
:: Tomaten und Radieschen waschen, Tomaten vierteln oder achteln und die Radieschen in feine Scheiben schneiden. Feldsalat waschen, trockenschleudern und ggf. etwas kleinrupfen. Das Dressing aus Essig, Senf und Öl anrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
:: Salat, Tomaten und Radieschen sowie angebratene Pilze, Zwiebelringe und Knödelstücke auf einer Platte oder in einer Schüssel anrichten und mit dem Dressing beträufeln. Wer mag, kann noch gebratene Speckwürfel dazugeben.

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Donnerstag, 21. Juni 2012

16 Gedanken zu „Breznknödel-Salat

  1. Sandy

    Ich liebe deinen Post, Katharina! Herrlich, komme aus dem Lachen nicht raus – im Übrigen, sollte ich demnächst im Norden sein (was nicht unwahrscheinlich ist), ich würde direkt mal auf was Aufgewärmtes, bzw. hernach Gebratenes rumkommen – wir machen das hier mit unseren Klößen auch so.
    Grüße, Sandy

  2. Phanit

    Huch, als Hamburgerin haette ich nie gedacht, das unsere Brezeln (fuer mich hoert sich Brezn uebrigens einfach immer komisch an!)nicht lecker sind! Ich habe sehr gelacht, ein toller Post :) Oh und Franzbroetchen vermisse ich total! Und bei Deinen Fotos laeuft mir jetzt das Wasser im Munde zusammen. Liebe Gruesse, Phanit

  3. Saskia rund um die Uhr

    Liebe Katharina,
    als Bayerin aus dem süden von München tut mir das “Brezeln” Wort in den Augen und Ohren weh ;) Eine gute Brezn, wenn sie noch lauwarm ist, ist einfach ein Traum :)
    Dein Salat sieht umwerfend aus und wird hier mit sicherheit mal ausporbiert.
    DANKE! Servus ;) Saskia <3

  4. Mel.

    Ein Hoch auf die Franzbrötchen (mit ohne ohne Streusel!) und auf die Breznknödel ;-) Tolles Rezept! Liebe Grüße, Mel.

  5. Charlotte

    Auch wenn ich nun schon fast mein ganzes Leben südlich des Weißwurst-Äquators lebe, bin ich wahrlich kein Fan der bayerischen Küche. Aber Brezn sind wirklich göttlich! Die vermisse ich schon, wenn ich nur ein paar Tage im Urlaub bin… Bisher ist mir auch noch keine trocken geworden, sodass sie in Knödelform hätte gebracht werden müssen. Sieht aber schon lecker aus. Vielleicht sollte ich mal eine zu viel kaufen. ;-)

    Liebe Grüße aus der Brezn-Hauptstadt
    Charlotte

  6. Coconut and Vanilla

    Selbst in Süddeutschland ist es ja teilweise schwierig eine gute Brezn zu bekommen.
    Von diesen tollen Knödeln träum ich schon lange, aber mir sind einfach noch keine Brezn alt geworden. Sollte vielleicht auch einfach mal 10 Stück auf einmal kaufen ;) . Und rausgebacken am nächsten Tag: herrlich!

    Liebe Grüße
    Lena

  7. milchmaedchen

    Hä? Isser verloren gegangen, mein Kommentar?
    Den schrieb ich nämlich schon gestern und er ging in etwa so:
    Witzig – dergleichen hab’ ich jahrelang mit Franzbrötchen veranstaltet – Teile derer ich regelmäßig ins ostdeutsche Exil entführt, dort schockgefrostet und bei akuten Nordsuchtattacken wieder aufgetaut habe…
    À propos: Gibt es eigentlich Franzbrötchenknödel? oder gar Franzbrötchenknödelsalat…?
    Schaut nämlich ganz vorzüglich aus…

  8. Bengelchen

    Das Problem mit einer guten Brezn kenne ich zu gut. Da ist man auf Geschäftsreise und will nur noch eine Kleinigkeit für den Zug mitnehmen. Also greift man zur Brezn. Schwerer Fehler, wenn man außerhalb Bayerns ist ;-) Ich kann dich also sehr gut verstehen. ;-)

  9. Mademoiselle A.

    Das ist ja ein tolles Rezept! Ich liebe Knödel aller Art! Sie mal in einen leichten Salat einzubinden finde ich eine klasse Idee!

    Liebeste Grüße!
    von penneimtopf.blogspot.de

  10. Katharina

    @ Phanit: Naja, Brezn müssen knusprig sein. Innen fluffig, außen knusprig. Und die reguläre norddeutsche Brezel ist außen meist weich und lätschig. Leider. Ironischerweise sind selbst aufgebackene TK-Brez(el)n dann immer noch die bessere Alternative. :-)
    @ Saskia: Genau! Ein TRAUM!
    @ Mel: komisch, oder? Beides kann doch nicht soooo schwer sein, dass es nur regional gut ist!
    @ Charlotte & Lena: Ratet, was ich manchmal tatsächlich gemacht habe… zuviel kaufen und trocken werden lassen! Alles für’s Projekt!
    @ Milchmädchen: Der hat sich im Spam angefunden, tssk. Hm, süße Knödel gibt’s ja, also warum nicht vom Franzbrötchen und dann mit Obstsalat? Oooooh, welch eine Ideeeee…. wenn meine zuckerfreie Zeit erst rum ist! :-)
    @ Sandra: Dann nichts wie ran!
    @ Bengelchen: Was man da für Enttäuschungen erlebt. Das prägt für’s Leben! ;-)
    @ Mlle A.: Knödel rocken, und Breznknödel sind die besten.

  11. Schokozwerg

    Brezn sind superlecker. Wie gut, dass ich ‘ne Hofpfisterei um die Ecke habe. Auch wenn’s in Bayern noch bessere Brezn gibt. Aber ich will nicht meckern! :)

  12. Heike

    Ohhhh…das liest sich gut. Die Thais sind im Brezel backen leider auch nicht so bewandert…dafür bekommen sie aber Croissants sehr gut hin…Liebe Grüße aus Bangkok, Heike

  13. Designhotel Lindenhof

    Hier ist einmal ein ganz großes Lob fällig. Super Rezept und dazu noch geniale Fotos, wir haben direkt Hunger bekommen.

    Vielleicht haben Sie ja einmal Zeit unsere Südtiroler Spinatknödel nachzukochen. Wir würden uns über Ihr Feedback freuen.

    Liebe Grüße aus Südtirol,
    das Team des Designhotel Lindenhof

  14. einkeksfuerunterwegs

    Ohgottohgottohgott … Brezn und Knoedel, zwei meiner Lieblingsspeisen vereint auf einem Teller. Rezept wird hiermit eingesackt!
    Ich mag die norddeutschen Brezn uebrigens sehr, aber ich esse auch den Fleischkaes aus der Aldi-Kuehltheke und kann, was typisch bayerische Gerichte betrifft, absolut nicht ernstgenommen werden ;o)

    liebe Gruesse,
    Persis

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