Archiv der Kategorie: braucht Zeit

Mittwoch, 8. Mai 2013

San Francisco Sourdough Bread

Die Inspiration schlägt manchmal an interessanten Orten zu. Diesmal bei Twitter. Dort zwitscherte Sandy vor ein paar Wochen ein Bild via Instagram von einem San Francisco Sourdough Bread, und in meinem Hirn fing es an zu rattern. Der Name klang bekannt – irgendwo hatte ich das schon mal gesehen. Relativ schnell fiel mir auch wieder ein, wo: Im Buch „Brot genießen“, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Da es Weizensauerteig verlangte, ich aber nur eine innige wöchentliche Beziehung zu einem Roggensauerteig pflege, war das auf „später irgendwann mal“ in die hinterste Ecke geschoben worden, drängte nun aber mit aller Macht nach vorn.
Tatsächlich ließ sich der Sauerteig ohne weiteres auch mit anderem Mehl füttern, und so stand einem krustig-krachendem Brotgenuss nichts mehr im Weg.

San Francisco Sourdough Bread helles Sauerteigbrot aus Dinkelmehl mit selbstgemachter Butter

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Freitag, 22. März 2013

Orangen-Hefekränze für den Osterhasen

Hat Euer Bio-Dealer des Vertrauens noch ein paar unbehandelte Orangen im Angebot? Dann nichts wie los, besorgt Euch noch zwei davon und backt unbedingt diese Hefekränze. Die leicht herbe Note der Orange macht aus schnödem Hefeteig schnell eine kleine exotische Köstlichkeit. Da das sowieso eher etwas für Erwachsene ist, schadet auch ein klitzekleiner Schuss Orangenbrand nichts – aber das habt Ihr nicht von mir!
 

Sonntag, 24. Februar 2013

Party food is for Parties: Zuckerfreie Hefeschnecken mit Pudding- und Nussfüllung

Geht ein Zuckerfreier auf ’ne Party.
So könnte ein schlechter Witz anfangen. Im Grunde genommen ist das auch einer. Gerade, wenn man anfängt, sich vom Zucker zu verabschieden, sind Geburtstagsfeiern eine sehr üble Sache. Nicht nur, dass man sich ständig erklären, ja teilweise sogar rechtfertigen muss – man muss auch noch mit dem Essen klarkommen. Nicht umsonst habe ich neulich Familienfeiern als „Königsdisziplin“ des  Zuckerverzichts bezeichnet. Später, wenn man sich seiner Sache sicher ist und der Versuchung entweder widerstehen oder mit ihr umgehen kann, dann ist es kein allzu großes Problem mehr. Aber die ersten Wochen…. oh-oh. Besonders schwierig sind Einladungen zum Kaffee. Da Kaffee als Getränk  meinen Jieper auf  Keks & Co. enorm erhöhte, war das nachmittägliche Vergnügen anfangs eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn mich dabei hübsche Cupcakes und Törtchen anlachten.

Hefeschnecken Puddingschnecken Nussschnecken zuckerfrei

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Samstag, 19. Januar 2013

Frischkäsebällchen mit Schnittlauch und Mandeln (inkl. selbst hergestelltem Frischkäse)

Neben einer fragend gekräuselten Stirn kommt als Reaktion auf das Zuckerfrei-Projekt in der Regel unweigerlich die Frage „Machste Diät, oder was?!“ Witzig ist dabei, dass meistens „ach so, OK“ als Antwort kommt, wenn ich die Frage der Einfachheit halber bejahe, um mir lange Erklärungen zu ersparen. (Ich denke mir dann immer, Wieso? Sollte ich etwa abnehmen und du bist nur zu höflich, mir das zu sagen?!)

Aber ist denn nun eine zuckerfreie Ernährung eigentlich eine Diät? Ich finde, ja und nein. Ganz eindeutig, ich habe einige Kilos abgenommen, doch mein Ziel war eigentlich ein völlig anderes. Vielleicht sollten wir uns einfach mal das Wort „Diät“ genauer anschauen. Bei Wikipedia steht zu lesen, dass „Diät“ auf das griechische Wort díaita (δίαιτα) zurückgeht und soviel wie Lebensweise oder Lebensführung bedeutet. Seit Hippokrates (ca. 460 – 370 v. Chr.) wird das Wort vor allem für die Ernährung des Menschen verwendet, die Diätetik beschäftigt sich auch heute noch wissenschaftlich mit der richtigen bzw. heilenden und therapeutischen Ernährungsweise. Umgangssprachlich verstehen wir unter Diät natürlich eher die sogenannte Reduktionsdiät zum Abnehmen: FDH, Kohlsuppendiät, Low-Irgendwas, Glyx-Diät oder die ganzen „super geheimen Diättricks der Stars.“ (Habt Ihr Euch die mal genau angeguckt? Das ist doch entweder total hirnverbranntes Zeugs – 2 Wochen lang von Zitronensaft leben etc. – oder ganz alte Hüte.)

 

Dienstag, 11. Dezember 2012

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum Tag der Hl. Lucia

Psssscht! Still….. Könnt Ihr es auch hören? Das leise Getrappel von Füßen, das Rascheln von Kleidern, erste zaghafte Töne, die ein Lied anstimmen? Seht ihr den noch kleinen Schein von Kerzenlicht, der in der Dunkelheit langsam heller wird? Riecht Ihr den Duft von ofenwarmem, safrangelben Hefeteig? Hört ihr das traditionelle Lied und seht Ihr die freudestrahlenden und gleichzeitig aufmerksamen und hochkonzentrierten Blicke der Kinder, die Kerzen in das noch dunkle Schlafzimmer tragen und auf einem Tablett Lussekatter und Pfefferkuchen (und Glögg)?
Die Schwedenfreunde unter Euch wissen, wovon ich spreche. Am 13. Dezember ist der Lucia-Tag, und dieser Tag wird in Schweden ganz besonders gefeiert. Also Foodie fasziniert mich natürlich ganz besonders das Essen an diesem Tag! Ich habe meine schwedische Freundin Cecilia gebeten, mir mehr über den Luciatåg zu erzählen, und mir vielleicht auch zu verraten, wie in ihrer Familie die köstlichen Lussekatter gebacken werden. Hat sie gemacht, yippieh!

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

„Der Luciatåg beginnt am frühen, noch dunklen Morgen, denn Lucia bringt ja das Licht. Lucia ist eine junge Frau oder ein Mädchen, sie trägt ein langes weißes Kleid, das von einem roten Band gegürtet wird, und über ihrem offenen Haar trägt sie einen Kerzenkranz oder -krone. Sie wird begleitet von den „tärnor“, den Jungfern, die auch weiße Gewänder tragen, und von den „stjärngossar“, den Sternenjungen. In den Familien ist es meist so, dass die Kinder sich morgens als Lucia und ihre Entourage verkleiden und ihre Eltern mit Gesang wecken. Die Lucia-Lieder handeln davon, dass es die dunkelste Zeit des Jahres ist, aber dass Lucia kommt und mit ihr das Versprechen von Licht, von Friede, von Hoffnung und von der nahenden Weihnachtszeit. Aber sie bringt auch Leckereien! Vor allem Lussekatter, die Luciakatzen, und Pfefferkuchen. Anschließend ziehen die Kinder wieder mit Gesang hinaus.“

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com
Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

„Der Tag geht vor allem für die Kinder im Kindergarten oder in der Schule weiter. Häufig besuchen die Klassen ein Krankenhaus oder Altersheime und singen dort. In jeder Stadt und an den Schulen wird ein Mädchen als Lucia mit dem Lichterkranz gekrönt, es gibt sogar eine offizielle Lucia für ganz Schweden!“
Wie das sei, die Lucia darzustellen, habe ich sie gefragt, das sei doch bestimmt kein leichter Job! Sie hat laut gelacht und gesagt „Es ist ganz schön anstrengend! Die Krone ist ziemlich schwer und man muss sehr aufrecht gehen. Außerdem hat man ewig Wachsreste im Haar! Die „tarnör“, also die Jungfern, die die Lucia begleiten, tragen auch Kerzen in den Händen, und manchmal halten sie sie zu dicht an der Nase, so dass der Sauerstoff knapp wird und sie zu schwanken anfangen. Stell dir vor, wenn das mehreren Mädchen in einer Lucia-Prozession passiert! Als ich an meiner Schule die Lucia verkörpern durfte, wurde uns vor der Prozession immer wieder eingeschärft, dass wir ja ein anständiges Frühstück essen und mit den Zehen wackeln sollten, wenn wir auch nur einen Anflug von Ohnmacht verspürten!“

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

St. Lucia ist ein sehr altes Fest, deren Ursprünge wahrscheinlich mit der Wintersonnenwende zu tun haben. (Der 13. Dezember war vor der gregorianischen Kalenderreform der Tag der Wintersonnenwende, also der kürzeste Tag des Jahres.) So alt der Festtag der Heiligen Lucia auch sein mag, so ist doch die Art, dieses Fest zu begehen, relativ neu: erst seit etwa 80 Jahren feiert man in ganz Schweden, aber auch in Dänemark und Norwegen den Luciatåg mit Prozessionen und der Krönung der Lucia – und mit leckerem Glögg und duftigem Safrangebäck, den Lussekatter.

Lussekatter

für ca. 16 Stück

Alle schwedischen Rezepte, die ich angesehen habe, sprechen von 1g Safran. Das ist in etwa das zehnfache dessen, was so in einer handelsüblichen Packung in Deutschland enthalten ist. Die Safran-Preise in Schweden mögen anders sein als hier, aber das erklärt auf jeden Fall, wieso Lussekatter ein Festtagsgebäck sind. Ich habe 2 Tütchen Safran benutzt, also 0,2g. Wer sie intensiv gelb haben will, greift zu mehr Safran oder gibt ein wenig Speisefarbe hinzu.

Für eine gesündere Variante klickt Euch doch auch mal rüber zu Green Kitchen Stories, Luise und Elsa haben sogar ein Video gedreht!

500g Mehl + mehr falls nötig (ich habe 630er Dinkelmehl benutzt)
25g Hefe
200ml Milch
1 Prise Zucker
100g Butter
2 Tütchen Safran (0,2g) – gern mehr! 
100g Zucker oder 120g Reissirup
1 Ei
1-2 EL Kondensmilch zum Bestreichen
32 Rosinen

:: Das Mehl in eine große Schüssel geben und eine Mulde formen. Die Hefe hineinbröckeln und mit einer Prise Zucker bestreuen. Die Milch lauwarm erhitzen und soviel Milch in die Mulde geben, dass die Mulde gefüllt ist, die Milch aber nicht überläuft. 15 Minuten stehen lassen, die Hefe beginnt dann zu arbeiten und bildet Blasen.

:: Die Butter schmelzen lassen und den Safran einrühren. Die übrige Milch dazugießen, ebenso den Zucker (oder Reissirup)  zugeben. Das Ei verquirlen. Die Milch-Mischung und das verquirlte Ei zum Vorteig geben und alles mit den Knethaken des Mixers einige Minuten rühren. Die Masse wird sehr weich sein, im Zweifelsfall noch etwas Mehl hinzugeben. Der Teig wird sich kaum (oder nur schlecht) kneten lassen, er sollte sich aber beim Rühren vom Schüsselrand lösen. Die Schüssel mit einem sauberen Tuch abdecken und den Teig an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen, bis sich die Kugel verdoppelt hat.

:: Den Teig niederboxen, nicht noch einmal durchkneten. Aus der Schüssel nehmen und in 16 gleichgroße Teile schneiden. Die gerade nicht verwendeten Teile abdecken, damit sie nicht austrocknen.

:: Jedes Teigstück auf einer leicht bemehlten Fläche zu einem langen Strang formen, ca. 25cm lang. Den Strang von jeder Seite aufrollen, so dass sich die entstandenen Kreise in der Mitte „treffen“ und das typische „S“ bilden. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und abdecken. Die anderen Teigstücke ebenso aufrollen und dann noch einmal etwa 30 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

:: Ofen auf 220°C vorheizen. 
:: Jeweils eine Rosine in jedes „Auge“ der Lussekatter stecken und den Teig mit Kondensmilch bestreichen (s.a. Tipp unten). Dann 6 bis 8 Minuten im Ofen backen. Sie dürfen golden werden, aber nicht braun! Ggf. mit Papier abdecken oder nach 6 Minuten herausnehmen.
:: Herausnehmen, noch heiß erneut mit Kondensmilch bepinseln und dann leicht abkühlen lassen. 
Sie lassen sich auch hervorragend einfrieren, wenn sie einmal abgekühlt sind. Zum Frühstück einfach 5 Minuten in den 160°C warmen Ofen legen und dann ofenfrisch genießen.

Kondensmilch ist ungefähr das genialste, um Hefegebäck zu bestreichen! Es macht einen tollen Glanz. Warum habe ich das nicht schon viel früher gemerkt? Bei verquirltem Ei bleibt die Hälfte oder mehr übrig, was auch blöd ist. Da ich ansonsten aber keine Verwendung für Kondensmilch habe, habe ich die restliche Milch in einen Eiswürfelbehälter gefüllt, offen gefrieren lassen und dann die Kondensmilcheiswürfel heraus“gekloppt“ und in einen Gefrierbeutel gefüllt. Wenn ich „Streichmasse“ brauche, dann nehme ich 1-2 Würfel raus und lasse sie auftauen.

 

Donnerstag, 29. November 2012

November Soulfood: Baked Beans

Eine Dose Baked Beans aufmachen geht leichter und ist vor allem viel schneller, das will ich gern zugeben. Aber ich zappelte am Haken der selbstgemachten Baked Beans, seit ich sie in Tim Mälzers Greenbox gesehen hatte, es führte kein Weg an ihnen vorbei.
Die erste Charge hatte ich aufgegessen, bevor ich „mmmhhh, mmhhoaaaaah, nomnomnom“ oder ähnlich Unverständliches fertig äußern konnte. Direkt aus dem Topf. Danach wurde mir klar, dass ich eben gerade den Gegenwert von zwei Dosen weißen Bohnen heruntergeschlungen hatte. Zwei. Immerhin kleinen normalen Dosen, nicht den großen. Aber man braucht ja auch Protein, Seelenfutter sowieso. Das Dumme war: Die Dosenbohnen waren finito, meine Lust, noch mal zum Supermarkt zu gehen, tendierte gegen Null. Und für das Abendessen hatte ich dem Göttergatten schon das Hohelied der Baked Beans gesungen. Zum Glück war Zeit genug für eine Oldschool-Variante mit getrockneten Bohnen, und die war noch mal besser.
Baked Beans selbstgemacht www.katharinakocht.com
 
Baked Beans erinnern mich unweigerlich an meine Studentenzeit. „Dosenfutter“ gab es bei uns zu Hause eigentlich nie, von den Ravioli-Dosen, von denen sich einige Mitschüler tagelang ernährten, war keine Spur. Damals fand ich das irgendwie doof, aber wie mit allen Dingen kommt die Erkenntnis erst später: Verpasst hatte ich nämlich nichts, auch wenn mein 14-jähriges Ich gern Ravioli oder eben Baked Beans aus der Dose gehabt hätte. (Ich bin im Gegenzug recht sicher, dass meine Schulfreunde das selbstgekochte Essen bei uns daheim mit dem gleichen sehnsuchtsvollen Blick betrachtet haben wie ich ihre Dosen.) Und so begann mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem Einzug ins Studentenleben auch meine experimentelle Phase. Das hieß vor allem: Mit Fertigessen experimentieren. Tüte, Dose, Tiefkühler – nichts war sicher vor mir. Nun hatte ich zwar durchaus ein Grundverständnis für das Kochen mitgenommen, aber jetzt, 500 Kilometer südlich der Heimat, konnte niemand die Nase rümpfen oder „dummes Zeug“ sagen, wenn ich meine Baked Beans aß. Kalt. Direkt aus der Dose.
Baked Beans selbstgemacht www.katharinakocht.com
Zwischen der letzten und der vorletzten Dose gebackener Bohnen lagen mehr als 10 Jahre. Es war ein bisschen wie alte Bekannte treffen, die man lange nicht mehr gesehen hat und deren Leben sich ganz anders entwickelt hat als das eigene: Man freut sich darauf, sie wieder zu sehen. Gewisse Stichworte zünden immer noch, und ein Gefühl von Vertrautheit stellt sich ein. Und trotzdem ist es nicht mehr so wie früher, irgend etwas fehlt. It’s not you, it’s me, vielleicht?! Oder: Wir haben uns auseinander gelebt, seit Jahren schon? Jedenfalls sprang der Funke nicht mehr über von der türkis-blauen Dose mit dem markanten Schriftzug. Zum Glück nimmt es mir die Dose Heinz nicht übel, wenn ich beschließe, ab sofort allein mein Ding machen zu wollen, weil mir selbstgemacht besser schmeckt. Sie fand es OK, wenn wir trotzdem Freunde bleiben, die sich im Supermarkt begegnen und auf einen kleinen Plausch stehen bleiben. Im Zweifelsfall ist sie ja immer noch für mich da. That’s what friends are for, und so.
Baked Beans selbstgemacht www.katharinakocht.com

Baked Beans

With a little help from my friend Tim Mälzer 
Für eine ordentliche Portion für 2 Huungrige, oder für 4 zum Frühstück.
Natürlich kann man das Ganze auch weniger zeitaufwendig mit Bohnen aus der Dose machen! Der Vergleich zeigt, dass die Oldschool-Variante mit getrockneten Bohnen aber noch einen Ticken besser schmeckt. 
300g getrocknete weiße Bohnen (alternativ: 2 große Dosen weiße Bohnen, abgetropft)
1 Dose gehackte Tomaten (ca. 400g Einwage)
4 EL Tomatenmark
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Prise gemahlene Nelken
5 EL Worcestershiresauce
Salz, Cayennepfeffer
1 Prise brauner Zucker
:: Bohnen nach Packungsanweisung kochen, vorher ggf. einweichen. (Bei den von mir verwendeten Bohnen war Einweichen kein Muss, die Kochzeit verlängerte sich lediglich um 20-30 Minuten.) Wenn die Bohnen noch Biss haben, sind sie gut. Abgießen und in einen großen, ofenfesten Topf mit Deckel geben.
:: Backofen auf 180°C (Umluft 160°) vorheizen.
:: 1,5 Liter Wasser, gehackte Tomaten und Tomatenmark zu den Bohnen geben und unterrühren. Mit Nelken, Worcestershiresauce und einer Prise Salz würzen. Zwiebeln und Knoblauch pellen und fein hacken, unterrühren. Den Deckel auf den Topf setzen und etwa 90 Minuten geschlossen garen.
:: Den Deckel abnehmen, den Cayennepfeffer und ggf. noch etwas Salz unter die Bohnen rühren und offen weitere 45 Minuten backen. Die Flüssigkeit sollte dabei verkochen bzw. eindicken.
:: Die Bohnen herausnehmen und mit Salz, einer Prise braunem Zucker und einem gutem Schuss Worcestershiresauce abschmecken. Wenn die Sauce noch zu dünn ist, am besten auf der Herdplatte etwas einkochen lassen.
:: Schmeckt großartig zu gebuttertem Toast und Spiegelei. Angeblich werden die Baked Beans beim Erwärmen noch besser – soweit ist es bei uns bisher noch nie gekommen.
 

Dienstag, 2. Oktober 2012

Langsam geschmortes Gewürzhähnchen

Neulich im Lecker Lezmi-Interview fragte Isabel nach dem, was es gäbe, wenn ich mir einmal etwas gönnen möchte. Meine Antwort war „ein knuspriges Brathähnchen“, und eigentlich sollte es am Sonntag wieder soweit gewesen sein. Der Anlass: Die Bude ist fertig. Nun – fast fertig. Es hängt noch kein Bild an der Wand und auch sonstige Dekoration ist eher spärlich vertreten, aber alle Möbel stehen an ihrem Bestimmungsort, die Kartons sind ausgepackt, der Keller ist ansatzweise organisiert und auch die letzte Baustelle, die Küche, ist wieder benutzbar, ohne dass man Yogi-mäßige Verrenkungen ausführen muss, um an Gewürze und anschließend an Rührlöffel zu kommen. This calls for a celebration!
Auf dem wunderbaren Lüneburger Wochenmarkt flatterte also ein Gockel in meine Einkaufstasche, und als ich im Vorbeigehen am Gewürzstand hörte, wie der Händler einem Kunden seine spezielle Curry-Mischung anpries, kam mir die Idee, statt des Brathähnchens doch lieber ein sehr langsam geschmortes Gewürzhähnchen zu zaubern. Der Gatte, um seine Meinung gebeten, antwortete mit einer Gegenfrage: „Ist das das Huhn mit DER Sauce? Ja?“, und das Strahlen in seinen Augen allein hätte mich davon überzeugt, jedes andere womöglich geplante Rezept zugunsten „der Sauce“ über den Haufen zu werfen.
Das Hähnchen wird dazu zerteilt, ich habe mir hier zeigen lassen, wie das funktioniert. Dank des superscharfen Messers, das mir netterweise von Butch.de zur Verfügung gestellt wurde (toller Laden! meine Wunschliste wächst ins Unendliche…) ging das sehr geschmeidig.
Die drei Stunden Schmorzeit kann man übrigens auch sehr gut aufteilen: So habe ich alles angebraten und schon einmal zwei Stunden köcheln lassen, bin dann mit dem Liebsten noch eine Weile durch unsere neue Heimatstadt gebummelt und habe dann abends das Hähnchen zuende schmoren lassen. Währenddessen waren auch Reis und Linsen fertig. Und der Liebste selig.
Ein absoluter Soulfood-Favorit für kühle Tage, die orientalischen Gewürze bringen Wärme in den Bauch und ins Gemüt!
Langsam geschmortes Gewürzhähnchen
Für 2
Frei nach diesem Rezept aus der CK-Datenbank
Vorweg: Das Gericht funktioniert nicht mit Hähnchenbrustfilet, es braucht definitiv Fleisch mit Knochen. Nach dem Zerteilen friere ich die Brustfilets in der Regel ein, um sie später zu verwenden.
1 Bio-Hähnchen von etwa 1,5kg oder 2 Keulen und 2 Flügel o.ä.
2 Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1 daumengroßes Stück Ingwer
1 Zimtstange
1 TL Fenchelsamen
1 TL gelbe Senfsaat
1 TL Koriander (ganz)
1 TL Kreuzkümmel (ganz)
1/2 TL Anissamen
5 Kardamomkapseln
2 TL Kurkuma (gemahlen)
1 rote Chili
1 große reife Tomate, alternativ 1 TL Tomatenmark
3 EL Ghee oder Butterschmalz
500ml Wasser
Salz
:: Hähnchen waschen, trockentupfen und zerlegen (klick für die Anleitung). Alternativ die Hähnchenteile waschen und trocknen.
:: Zwiebeln hacken, Knoblauch und Ingwer in Scheiben schneiden. Die Gewürze mischen. Die Tomate würfeln und die Chilischote in Ringe schneiden.
:: In einem ausreichend großen Bräter oder Schmortopf 2 EL Ghee erhitzen und die Hähnchenteile darin rundherum scharf anbraten. Herausnehmen und den restlichen EL Ghee in den Bräter geben. Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer darin anbraten, dann die Gewürze dazugeben und unter ständigem Rühren etwa 1 Minute anrösten, aufpassen, dass nichts anbrennt! (*pfeif*)
:: Die Hähnchenteile wieder zurück in die Pfanne legen, Tomatenwürfel und Chili dazugeben und alles mit 500ml Wasser angießen. Etwas salzen und die ganze Masse einmal aufkochen lassen. Die Hitze auf die kleinste Stufe herunterregeln, Deckel auflegen und Hähnchen und Gewürze 3 Stunden bei allerkleinster Hitze schmoren lassen, bis das Fleisch nahezu von selbst von den Knochen fällt.
:: Das Fleisch aus dem Topf nehmen und warmhalten. Die Sauce durch ein Sieb passieren, die Rückstände im Sieb richtig gut auspressen, damit möglichst viele Aromen in der Sauce bleiben, und die Sauce dann auf die gewünschte Konsistenz einkochen lassen.
:: Die Keulen und Flügel wieder in die Sauce legen (wer mag, zieht vorher die Haut ab) und am besten zusammen mit Reis und Linsen servieren.
 

Donnerstag, 5. Juli 2012

Post aus meiner Küche, die zweite: Himbeersenf

Einmal süß, einmal salzig, und alles im Glas, das waren so meine Gedanken, als ich die Very Berry Post aus meiner Küche vorbereitete. „Süß“ war durch den Erdbeer-Holunder-Sirup abgedeckt, für salzig fehlte mir zunächst die Inspiration. Ein Streifzug durch eine Filiale des Hamburger Mutterlands und einen Espresso später wusste ich schon einmal, dass ich auf jeden Fall Senf herstellen und verschicken wollte. Und übergeschnappt mutig wie ich bin, wollte ich es auch komplett selbst machen, ohne eine bereits fertige Senf-Basis.

Mut ist auf jeden Fall auch für meine Tauschpartnerin Laura vonnöten gewesen, denn der eigens produzierte Senf ist ordentlich scharf geworden, auch wenn ich den dann verschickten Zweitversuch deutlich abgemildert habe. Der erste Versuch erinnerte ein wenig an eine Mutprobe, mir schossen nach dem ersten Testen prompt die Tränen in die Augen. Inzwischen habe ich gelernt, dass Senf ein paar Tage zum „Reifen“ braucht und dann auch milder wird. Laura hat mich ein wenig beruhigt, der Senf sei immer noch schön scharf, aber herrlich fruchtig. Das will man doch hören.

So lange darauf gefreut, so lange geplant, und dann im Nu wieder vorbei – mit „Post aus meiner Küche“ verhält es sich so wie mit Hochzeiten oder anderen großen Feiern. Aber schön war es wieder einmal! Und die Erinnerung hält länger durch schöne Fotos – für mehr Ooohs und Aaahs klickt Euch doch einmal durch das Pinterest Board!  Auch das ist wie eine Feier: Man findet die ganze (Foodie-)Familie beisammen.
Ein dicker fruchtsüßer und senfscharfer Kuss geht an Clara, Jeanny und Rike, die „Erfinderinnen“ der tollen Aktion. Danke, Mädels!

Himbeersenf

für ein Glas à 200ml
**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Honig lässt sich hier aber gut durch Reissirup ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**

100g Himbeeren, frisch oder TK
50ml Wasser
4 EL Honig
30g gelbe Senfkörner
1 TL Rohrohrzucker
50ml Himbeeressig


::Himbeeren mit Wasser und  2 EL Honig in einem Topf aufsetzen und solange zugedeckt köcheln, bis die Himbeeren musig sind. Dann offen auf etwa die Hälfte der Flüssigkeit einkochen. Abkühlen lassen.
::Senfkörner zusammen mit dem Rohrohrzucker fein mahlen.
::Senfmehl, Himbeermus, Himbeer-essig und die restlichen 2 EL Honig mischen und alles fein pürieren. Der entstandene Senf ist jetzt ziemlich scharf, also Vorsicht beim Probieren!

::Über Nacht in der Schüssel ziehen lassen, abschmecken und in ein Glas abfüllen. Im Kühlschrank aufbewahren.

 

Mittwoch, 27. Juni 2012

Nachgekocht: Griechischer Kartoffelsalat von Tobias

So richtig will in diesem Jahr kein Fußballfieber aufkommen. Zwar bekenne ich mich schuldig, meinem Smart „Spiegelsocken“ in Schwarz-Rot-Gold angezogen zu haben und der Tippgemeinschaft im Büro anzugehören, aber trotzdem fehlt der zündende Funke in diesem Fußballsommer. Ich vermute, dass es hauptsächlich am fehlenden Sommer liegt, der Siebenschläfertag in Hamburg präsentiert sich nieselgrau bei 14,5 Grad, was mich Schlimmes für Juli und August fürchten lässt.

Kartoffeln Kapern Oliven rote Zwiebeln Zitronen

Am letzten Freitag allerdings war bei uns zu Hause die Stimmung auf dem Höhepunkt: Deutschland  gegen Griechenland im Viertelfinale. Seit dem Ende der Vorrunde hatte ich den griechischen Ehegatten mit Griechenwitzen genervt und seine Geduld arg strapaziert. („Wie bringt man die griechische Abwehr beim Freistoß aus dem Konzept? – Indem man Sirtaki spielt!“) Beim Spiel selbst hielt ich mich wohlweislich etwas zurück, man soll ja nicht noch Salz in die Wunden streuen. Aber glücklicherweise konnte der Gatte am Ende nahtlos auf die Deutsche Elf umschwenken – es hat durchaus Vorteile, wenn man zwei Teams im Rennen hat!

Kartoffeln Kapern Oliven rote Zwiebeln Zitronen blaue Schale Schiefertafel
Zum Trost und zur Völkerverständigung gab es den deutschen Klassiker in griechischem Gewand: Kartoffelsalat mit Oliven, Kapern und einer Marinade aus Olivenöl und Zitronensaft. Diesen Salat hat Tobias von Tobias kocht! kürzlich aus seinem Archiv hervorgeholt, und zu Recht! Zugegeben, man sollte Kapern mögen für diesen Salat. Wer aber ein Freund der Geschmackskombination säuerlich-salzig ist, wird ihn sehr mögen. Noch besser als mit den kleinen Kapern aus dem Glas wird der Salat mit den größeren Kapernäpfeln. Sie geben dem Kartoffelsalat noch etwas „Crunch“. Meine waren allerdings mirakulöserweise über Nacht aus dem Kühlschrank verschwunden…
Kartoffeln KisteKartoffelsalat
Griechischer Kartoffelsalat mit Kapern und Oliven

Für eine kleine Schale wie auf dem Foto – ist aber beliebig erweiterbar.

1 kleine rote Zwiebel oder 2 Schalotten
400g kleine Kartoffeln
10 schwarze Oliven
1-2 TL Kapern oder 5-6 große Kapernäpfel
4 Zweige glatte Petersilie
1 EL Zitronensaft
2-3 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

:: Die Zwiebel oder die Schalotten pellen und in feine Ringe schneiden, dann für etwa 30 Minuten in ein warmes Salzwasserbad legen. Das ist ein Supertipp von Tobias, das Salzwasser entzieht den Zwiebeln nämlich die Schärfe.
:: Kartoffeln schälen und kleinschneiden und in Salzwasser etwas mehr als „al dente“ kochen, keinesfalls aber weichkochen.
:: Während die Kartoffeln kochen, die Oliven und die Kapern grob hacken. Petersilie waschen, die Blättchen abzupfen und hacken. Alles zusammen mit Zitronensaft und Olivenöl verschlagen, mit Pfeffer würzen und vorsichtig salzen – die Kapern bringen ja schon einiges an Salz mit.
:: Kartoffeln abgießen, kurz ausdämpfen und dann mit der Marinade vermischen. Die Zwiebelringe unterrühren und den Salat über Nacht, mindestens aber 6 Stunden durchziehen lassen, damit die Kartoffeln die Marinade aufsaugen können. Danach noch einmal mit etwas Salz (oder dem Kapernwasser!) und Pfeffer abschmecken.