Kategorie-Archiv: Familienrezept

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Mein Adventskalendertürchen bei Kids, Cooks & Compost: Christopsomo, das griechische Weihnachtsbrot

Weihnachtet es bei Euch schon? Hier kommt so ganz langsam und leise die Weihnachtsstimmung herbei, wir basteln Sterne und Leuchten, gehen auf den Weihnachtsmarkt und backen Plätzchen. Mit dem kleinen Weihnachtsmann entdecken auch wir als Eltern unsere Traditionen wieder neu.

A propos Weihnachtstradition: zu dieser gehört ja vor allem das ganze Thema Essen. Von der Geschenk-Frage abgesehen, bewegt kaum etwas die Gemüter so sehr wie die Frage, was an Heiligabend und den Feiertagen auf den Tisch kommen soll. Das Gleiche wie immer, weil es doch dazu gehört? Oder mal etwas anderes wagen?
Falls Ihr eher dem “Was Neues, was Neues!”-Lager angehört, schließt doch dieses Jahr das griechische Weihnachtsbrot Christopsomo in Eure Backpläne ein: Weich, leicht süß und weihnachtlich gewürzt wird es traditionell vom Familienoberhaupt verteilt, nachdem allen Familienmitgliedern und Gästen ein frohes Weihnachtsfest gewünscht wurde: Καλά Χριστούγεννα – Kala Christouyenna – Frohe Weihnachten!

Das Rezept gibt es im Adventskalender von Kids, Cooks & Compost!

Christopsomo_griechisches_Weihnachtsbrot

 

Freitag, 13. Dezember 2013

Mecklenburger Götterspeise: Ein entstaubter Klassiker aus meiner Kindheit

Das folgende Gespräch fand in etwa so im Jahr 2010 statt. Am Telefon. Mit meiner Oma. Wie heißt es immer in den Fernseh-Reportagen? “Gedächtnis-Protokoll”. Und es steht quasi stellvertretend für so ziemlich alle Rezept- und Kochunterhaltungen, die ich je mit meiner Oma geführt habe – sie könnten auch alle unter der Rubrik “Maßangaben sind was für Feiglinge” aufgeführt werden. Nur beim Backen, da war sie sehr genau. Allerdings konnte sie auch aus der Hand geschüttelt 100 Gramm Butter abstechen und 200 Gramm Mehl quasi blind abwiegen. Mecklenburger Götterspeise

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Montag, 1. April 2013

Waffeltüten, frei nach nach Omas Rezept: Kindergeburtstag reloaded.

Omas geerbte Rezeptekladde ist großartig. Alphabetisch aufgereiht findet sich dort fast alles, unter anderem auch allerlei kuriose Zeitungsausschnitte: “Brandflecke in weißer Wäsche entfernen.” (Mit Salz einreiben und in der Sonne bleichen.) “Speck schneidet sich leichter, wenn man zuvor das Messer in heißes Wasser taucht.” – “Sicherheitsschlösser dürfen nicht geölt werden.” – “Sauerkirschen sind ein natürliches Schmerzmittel.” Sowas stand früher in der Ostsee-Zeitung, unserem lokalen Käseblatt!
Beim Blättern durch das Büchlein auf der Suche nach potenziellen Rezepten für Post aus meiner Küche fiel mein Blick im Abschnitt T auf “Tüten”. Natürlich! Waffeltüten! Die durften auf keinem Geburtstagskaffeetisch fehlen. Sie wurden mit steif geschlagener Sahne gefüllt und womöglich noch mit Erdbeeren gefüllt. Ich habe im Juni Geburtstag, und in den 1980ern waren Erdbeeren bei uns nur dann zu bekommen, wenn sie im Garten reif waren. Meistens hatte ich Glück. Ansonsten ist Stachelbeergrütze ein großer Favorit.

Eiswaffeln knuspriger Teig zuckerfrei Waffeln Tüten
 

Dienstag, 11. Dezember 2012

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum Tag der Hl. Lucia

Psssscht! Still….. Könnt Ihr es auch hören? Das leise Getrappel von Füßen, das Rascheln von Kleidern, erste zaghafte Töne, die ein Lied anstimmen? Seht ihr den noch kleinen Schein von Kerzenlicht, der in der Dunkelheit langsam heller wird? Riecht Ihr den Duft von ofenwarmem, safrangelben Hefeteig? Hört ihr das traditionelle Lied und seht Ihr die freudestrahlenden und gleichzeitig aufmerksamen und hochkonzentrierten Blicke der Kinder, die Kerzen in das noch dunkle Schlafzimmer tragen und auf einem Tablett Lussekatter und Pfefferkuchen (und Glögg)?
Die Schwedenfreunde unter Euch wissen, wovon ich spreche. Am 13. Dezember ist der Lucia-Tag, und dieser Tag wird in Schweden ganz besonders gefeiert. Also Foodie fasziniert mich natürlich ganz besonders das Essen an diesem Tag! Ich habe meine schwedische Freundin Cecilia gebeten, mir mehr über den Luciatåg zu erzählen, und mir vielleicht auch zu verraten, wie in ihrer Familie die köstlichen Lussekatter gebacken werden. Hat sie gemacht, yippieh!

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

“Der Luciatåg beginnt am frühen, noch dunklen Morgen, denn Lucia bringt ja das Licht. Lucia ist eine junge Frau oder ein Mädchen, sie trägt ein langes weißes Kleid, das von einem roten Band gegürtet wird, und über ihrem offenen Haar trägt sie einen Kerzenkranz oder -krone. Sie wird begleitet von den “tärnor”, den Jungfern, die auch weiße Gewänder tragen, und von den “stjärngossar”, den Sternenjungen. In den Familien ist es meist so, dass die Kinder sich morgens als Lucia und ihre Entourage verkleiden und ihre Eltern mit Gesang wecken. Die Lucia-Lieder handeln davon, dass es die dunkelste Zeit des Jahres ist, aber dass Lucia kommt und mit ihr das Versprechen von Licht, von Friede, von Hoffnung und von der nahenden Weihnachtszeit. Aber sie bringt auch Leckereien! Vor allem Lussekatter, die Luciakatzen, und Pfefferkuchen. Anschließend ziehen die Kinder wieder mit Gesang hinaus.”

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com
Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

“Der Tag geht vor allem für die Kinder im Kindergarten oder in der Schule weiter. Häufig besuchen die Klassen ein Krankenhaus oder Altersheime und singen dort. In jeder Stadt und an den Schulen wird ein Mädchen als Lucia mit dem Lichterkranz gekrönt, es gibt sogar eine offizielle Lucia für ganz Schweden!”
Wie das sei, die Lucia darzustellen, habe ich sie gefragt, das sei doch bestimmt kein leichter Job! Sie hat laut gelacht und gesagt “Es ist ganz schön anstrengend! Die Krone ist ziemlich schwer und man muss sehr aufrecht gehen. Außerdem hat man ewig Wachsreste im Haar! Die “tarnör”, also die Jungfern, die die Lucia begleiten, tragen auch Kerzen in den Händen, und manchmal halten sie sie zu dicht an der Nase, so dass der Sauerstoff knapp wird und sie zu schwanken anfangen. Stell dir vor, wenn das mehreren Mädchen in einer Lucia-Prozession passiert! Als ich an meiner Schule die Lucia verkörpern durfte, wurde uns vor der Prozession immer wieder eingeschärft, dass wir ja ein anständiges Frühstück essen und mit den Zehen wackeln sollten, wenn wir auch nur einen Anflug von Ohnmacht verspürten!”

Lussekatter: Schwedisches Safrangebäck zum St. Lucia Tag auf www.katharinakocht.com

St. Lucia ist ein sehr altes Fest, deren Ursprünge wahrscheinlich mit der Wintersonnenwende zu tun haben. (Der 13. Dezember war vor der gregorianischen Kalenderreform der Tag der Wintersonnenwende, also der kürzeste Tag des Jahres.) So alt der Festtag der Heiligen Lucia auch sein mag, so ist doch die Art, dieses Fest zu begehen, relativ neu: erst seit etwa 80 Jahren feiert man in ganz Schweden, aber auch in Dänemark und Norwegen den Luciatåg mit Prozessionen und der Krönung der Lucia – und mit leckerem Glögg und duftigem Safrangebäck, den Lussekatter.

Lussekatter

für ca. 16 Stück

Alle schwedischen Rezepte, die ich angesehen habe, sprechen von 1g Safran. Das ist in etwa das zehnfache dessen, was so in einer handelsüblichen Packung in Deutschland enthalten ist. Die Safran-Preise in Schweden mögen anders sein als hier, aber das erklärt auf jeden Fall, wieso Lussekatter ein Festtagsgebäck sind. Ich habe 2 Tütchen Safran benutzt, also 0,2g. Wer sie intensiv gelb haben will, greift zu mehr Safran oder gibt ein wenig Speisefarbe hinzu.

Für eine gesündere Variante klickt Euch doch auch mal rüber zu Green Kitchen Stories, Luise und Elsa haben sogar ein Video gedreht!

500g Mehl + mehr falls nötig (ich habe 630er Dinkelmehl benutzt)
25g Hefe
200ml Milch
1 Prise Zucker
100g Butter
2 Tütchen Safran (0,2g) – gern mehr! 
100g Zucker oder 120g Reissirup
1 Ei
1-2 EL Kondensmilch zum Bestreichen
32 Rosinen

:: Das Mehl in eine große Schüssel geben und eine Mulde formen. Die Hefe hineinbröckeln und mit einer Prise Zucker bestreuen. Die Milch lauwarm erhitzen und soviel Milch in die Mulde geben, dass die Mulde gefüllt ist, die Milch aber nicht überläuft. 15 Minuten stehen lassen, die Hefe beginnt dann zu arbeiten und bildet Blasen.

:: Die Butter schmelzen lassen und den Safran einrühren. Die übrige Milch dazugießen, ebenso den Zucker (oder Reissirup)  zugeben. Das Ei verquirlen. Die Milch-Mischung und das verquirlte Ei zum Vorteig geben und alles mit den Knethaken des Mixers einige Minuten rühren. Die Masse wird sehr weich sein, im Zweifelsfall noch etwas Mehl hinzugeben. Der Teig wird sich kaum (oder nur schlecht) kneten lassen, er sollte sich aber beim Rühren vom Schüsselrand lösen. Die Schüssel mit einem sauberen Tuch abdecken und den Teig an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen, bis sich die Kugel verdoppelt hat.

:: Den Teig niederboxen, nicht noch einmal durchkneten. Aus der Schüssel nehmen und in 16 gleichgroße Teile schneiden. Die gerade nicht verwendeten Teile abdecken, damit sie nicht austrocknen.

:: Jedes Teigstück auf einer leicht bemehlten Fläche zu einem langen Strang formen, ca. 25cm lang. Den Strang von jeder Seite aufrollen, so dass sich die entstandenen Kreise in der Mitte “treffen” und das typische “S” bilden. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und abdecken. Die anderen Teigstücke ebenso aufrollen und dann noch einmal etwa 30 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

:: Ofen auf 220°C vorheizen. 
:: Jeweils eine Rosine in jedes “Auge” der Lussekatter stecken und den Teig mit Kondensmilch bestreichen (s.a. Tipp unten). Dann 6 bis 8 Minuten im Ofen backen. Sie dürfen golden werden, aber nicht braun! Ggf. mit Papier abdecken oder nach 6 Minuten herausnehmen.
:: Herausnehmen, noch heiß erneut mit Kondensmilch bepinseln und dann leicht abkühlen lassen. 
Sie lassen sich auch hervorragend einfrieren, wenn sie einmal abgekühlt sind. Zum Frühstück einfach 5 Minuten in den 160°C warmen Ofen legen und dann ofenfrisch genießen.

Kondensmilch ist ungefähr das genialste, um Hefegebäck zu bestreichen! Es macht einen tollen Glanz. Warum habe ich das nicht schon viel früher gemerkt? Bei verquirltem Ei bleibt die Hälfte oder mehr übrig, was auch blöd ist. Da ich ansonsten aber keine Verwendung für Kondensmilch habe, habe ich die restliche Milch in einen Eiswürfelbehälter gefüllt, offen gefrieren lassen und dann die Kondensmilcheiswürfel heraus”gekloppt” und in einen Gefrierbeutel gefüllt. Wenn ich “Streichmasse” brauche, dann nehme ich 1-2 Würfel raus und lasse sie auftauen.

 

Freitag, 17. August 2012

Kolokitho-Dingsda: Griechische Zucchinipuffer, völlig ohne Frittieren

Unser erster gemeinsamer Griechenland-Urlaub vor einigen Jahren hatte gleich zwei Gründe. Urlaub, natürlich, Sonne und Meer genießen. Aber ebenso sollte ich meine zukünftigen Schwiegereltern kennenlernen, die die Sommermonate jedes Jahr in Chalkidiki verbringen. Ich war – verständlicherweise, möchte man meinen – nervös bis in die Haarspitzen, der Mann sagte angeblich beruhigende Sachen wie “wieso? das sind auch nur ganz normale Menschen!” Daran hätte ich keinen Zweifel, erwiderte ich, aber immerhin sei das was Ernstes zwischen uns, und da darf man doch wohl aufgeregt sein?! 
Natürlich hatte er Recht, es gab keinen Grund, nervös zu sein, denn sie waren – und sind – wunderbar unkomplizierte und liebe Menschen, die mich sofort in der Familie willkommen hießen.
Zucchini Puffer Kolokithokeftedes griechisch Feta
An diesen ersten Urlaub muss ich jedes Mal denken, wenn ich Zucchini zu diesen “Kolokitho-Dingsdas” forme. Es ist aber auch ein Zungenbrecher! Kolokithokeftedes. Besagte Dingsdas waren das erste griechische Gericht, das meine Schwiegermama mir in diesem Urlaub beibrachte, draußen auf der Terasse gekocht auf ihrem Freiluft-Herd. Das ist vielleicht großartig! Kein Ölgeruch im Haus, kein blauer Dunst, der das Atmen erschwert. Auf ihre subjektiv-präzise Art und Weise erklärte sie mir, dass ich “ein bisschen” hiervon und “ein wenig” davon nehmen soll, und dann alles in “viel Öl” ausbacken müsste. Die Zucchinipuffer waren köstlich, und bevor ich’s recht realisiert hatte, lagen erst drei auf meinem Teller und waren dann irgendwie in meinem Bauch verschwunden.
Zucchini Puffer Kolokithokeftedes griechisch Feta

Der erste Versuch, die “Dingsdas” in der heimischen Küche zu fabrizieren, führte zu Flüchen und vor allem zu Rauchschwaden. Für die ersten war das Öl nicht heiß genug, sie wurden labberig. Für die nächste Charge war das Öl schon wieder zu heiß, es spritzte und knallte, und vor allem rauchte es. Der dritte Teil wurde in weniger Öl angebraten, war dann genießbar, kam aber bei weitem nicht an die von Schwiegermama heran. (Ich meldete einen Freiluftherd beim Testesser an.)
Etwas später fand ich dann auf einem griechisch-kanadischen Blog die Lösung des Problems: Den Backofen. Die fertig geformten Dingsdas wandern nicht in verbrennungsgefährdendes Öl, sondern werden gefahrenminimierend in den Ofen geschoben, einmal gewendet und können dann warm, lauwarm oder kalt gegessen werden. Und da sich der Ölanteil in klaren Grenzen hält, kann man auch glatt noch einen vierten Dingsda essen.
Den Freiluftherd will ich aber trotzdem noch.

Kolokithokeftedes: Griechische Zucchini-Puffer(Κολοκυθοκεφτέδες)

ergibt ca. 10-12 Dingsdas

3 Zucchini, ca. 600 – 700g
1 Knoblauchzehe, idealerweise in Öl eingelegt
1/2 Bund Dill
1/2 Bund Petersilie
3-4 Stängel Minze
200g Feta
1 Ei
2-3 EL Paniermehl
Salz, Pfeffer
Olivenöl zum Bestreichen
2 EL griechischer Joghurt


:: Zucchini waschen und raspeln. Mit etwas Salz mischen, in einen Durchschlag geben und diesen in eine Schüssel stellen. Mindestens 2 Stunden ziehen lassen. 
:: Falls eine frische Knoblauchzehe benutzt wird, diese fein hacken und in ein wenig Öl weich garen. Abkühlen lassen. Wenn eine eingelegte benutzt wird, diese fein hacken.
:: Ofen auf 220°C vorheizen, Backblech mit Papier auslegen oder mit etwas Öl bestreichen.
:: Zucchiniraspel mit den Händen ordentlich auspressen, dann portionsweise in einem Geschirrtuch richtig kräftig ausdrücken. In eine Schüssel geben.
:: Dill, Minze und Petersilie waschen und trockenschütteln, dann fein hacken. Kräuter und die gehackte, weiche Knoblauchzehe zu den Zucchini geben.
 
:: 150g Feta zerkrümeln und zusammen mit dem Ei und 2 EL Paniermehl unter die Masse rühren. Wenn es zu feucht ist, noch 1-2 EL Paniermehl einrühren, wenn es zu trocken ist, einen Spritzer Olivenöl dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und dann nicht ganz handttellergroße Zucchiniklopse formen. 
:: Die Zucchiniklopse mit etwas Olivenöl bepinseln und auf einer oberen Schiene in den Ofen schieben. Etwa 10 Minuten backen, dann umdrehen und von der anderen Seite auch noch einmal 10 Minuten backen, beide Seiten sollten goldbraun sein. Herausnehmen und ein wenig abkühlen lassen. 
:: Für den Dip die restlichen 50g Feta fein zerkrümeln und mit dem Joghurt mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen und einen kleinen Schuss Öl unterrühren. Wer mag, gibt noch gehackten Dill oder geriebene Gurke dazu.
 

Sonntag, 3. Juni 2012

Rhabarberkuchen vom Blech

Die schönsten Dinge gehen am schnellsten vorbei. Ferien. Feste. Schöne Abende mit gutem Essen. Die Saison für Spargel, für Erdbeeren. Und Rhabarber. Zwar bleibt er uns noch ein Weilchen erhalten, zum Glück, aber die kleinen pinken Schlanken haben schon “au revoir” gesagt. Die robusteren Stangen überdauern noch ein bisschen.  Zum Knabbern sind sie viel zu sauer, ein Garant für das Zitronengesicht. Aber kleingeschnitten, mit Zucker mariniert und dann auf Mürbeteig und eine Puddingschicht gebettet, ergeben sie immer noch einen tollen Blechkuchen.


Rhabarber-Blechkuchen gehört fest zu den Kindheitswochenend-Erinnerungen im Frühsommer, wenn es rausging in den Garten, vielleicht auch schon erste Strandausflüge gewagt wurden, aber in jedem Fall  draußen der Kaffeetisch gedeckt wurde. Noch bevor die Erdbeeren reif waren und auf dem Kuchen die Tafel rot verzierten (erst auf dem Tortenständer, dann auf dem Tischtuch…), war Rhabarberkuchen mit viel Schlagsahne der Star auf den Tellern.

Mein “Rhabarberblech” ist der Beweis der Theorie “Mama knows best”. Hat nicht jede Mutter oder Großmutter ein tolles Rezept für einen ähnlichen Blechkuchen? Ich habe unseren Klassiker ein bisschen gepimpt, mit Mandeln verfeinert und den Pudding ohne Pulver angerührt, aber der erste Bissen rief mir umgehend das Bild eines orange geblümten Sonnenschirms und Holzgartenstühlen mit leicht abblätternder Farbe in Erinnerung.

Ist es ein Wunder, dass ich gern einen Garten hätte? Mit Rhabarberstauden, Erdbeerbeet und Sonnenschirm?



Rhabarberkuchen vom Blech

1 kg Rhabarber
250g Zucker
400g Mehl
100g gemahlene Mandeln
125g Zucker
1 Prise Salz
1 Pck. Backpulver
2 Eier
175g kalte Butter
2 Eigelb
2 EL Speisestärke
1 TL Vanilleextrakt oder Mark von 1 Vanilleschote
Milch zum Auffüllen (Menge variabel – s. unten)
200g saure Sahne
1 Handvoll gehobelte Mandeln
Puderzucker zum Bestäuben

:: Rhabarber putzen (in der Regel langt es, ihn zu waschen und die Enden abzuschneiden) und die Stangen in ca. 1 cm breite Streifen schneiden. In einer großen Schüssel mit 250g Zucker mischen und etwa 1 Stunde ziehen lassen.

:: Mehl, gemahlene Mandeln, Zucker, Salz und Backpulver mischen. Eier aufschlagen, die Butter in kleine Stückchen schneiden und beides zu den trockenen Zutaten geben. Alles schnell zu einem glatten Teig verkneten und den Teigklumpen kühlstellen.

:: Rhabarber durch ein Sieb gießen, den entstandenen Saft auffangen und mit Milch auf 400ml auffüllen.
Vom Saft-Milch-Gemisch 6 EL abnehmen und diese mit Speisestärke, Eigelb und Vanilleextrakt glatt rühren. Das restlichen Saft-Milch-Gemisch aufkochen, vom Herd ziehen und die Puddingmischung einrühren. Wieder aufkochen und den Pudding dabei eindicken lassen. Etwas abkühlen lassen, dann die saure Sahne unterrühren.
*Alternativ: Statt Stärke und Ei eine Packung Vanille-Puddingpulver mit dem Milchgemisch verrühren. Zusätzlicher Zucker ist nicht notwendig.*

:: Ofen auf 180°C vorheizen.  Den Teig am besten direkt auf Backpapier auf Blechgröße ausrollen und dann auf das Blech transferieren. Erst den Pudding auf dem Teig verteilen, dann die Rhabarberscheiben auflegen, am besten kreuz und quer. Mit gehobelten Mandeln bestreuen.

:: Etwa 45 Minuten backen. Der Pudding wird immer noch recht weich und “rutschig” sein, er wird beim Abkühlen fest werden. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestäuben.
 

Sonntag, 4. März 2012

Süßes Birnenbrot

Eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen sind Samstags-Kuchen. Meine Großmutter buk Samstags Kuchen und brachte ihn uns vorbei. Allerdings war Samstag kein Tortentag – Torten waren Sonntagen vorbehalten. Samstags gab es Rührkuchen oder Streuselkuchen vom Blech, und wenn ich ganz viel Glück hatte oder einen expliziten Wunsch geäußert hatte, dann gab es Birnenbrot: Süßer, buttrig-flaumiger Hefeteig mit einer Füllung aus vielen Birnenstückchen.

Meine Großmutter hat mir die Liebe zum Hefeteig mitgegeben, ebenso wie den Grundsatz, Respekt, aber bloß keine Angst vor Hefe zu haben. Respekt – und Geduld. Geduld beim Gehenlassen, aber auch Geduld beim Abkühlen lassen. Das süße Hefeteigbrot schmeckt nämlich sensationell, wenn es lauwarm ist, meine Familie liebt es mit Butter und Honig. Da wir aber nur zu zweit sind, habe ich zwei kleine Brote gebacken und eines dem Tiefkühler anvertraut – für Tage, an denen süße Seelenwärmer schnell notwendig sind oder vielleicht sogar schon hoffentlich nicht mehr so ferne Sonntagsfrühstücke in der Sonne.

Birnenbrot

Ich weiß, dass viele mit Hefeteig auf Kriegsfuß stehen, deswegen habe ich versucht, super-ausführlich die Arbeitsschritte zu beschreiben. Es ist wirklich nicht schwer. Ehrlich, das schwierigste an dem Birnenbrot ist, mit dem Essen aufzuhören! 
**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der (Puder-)Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**
200ml Milch
60g Butter
20g frische Hefe (oder 1 Tütchen Trockenhefe – für Hefeanfänger vielleicht am einfachsten)
500g Mehl + Mehl zum Kneten
60g Zucker
1 Ei
2 Birnen
50g Butter zum Bestreichen 
1 TL Puderzucker
:: Milch und Butter in einem kleinen Topf erwärmen – wirklich nur erwärmen, so dass die Butter schmilzt, aber auf keinen Fall kochen. Im Zweifelsfall einfach ein bisschen abkühlen lassen, bis sie wieder lauwarm ist. Die Hefe in die Milch einbröckeln, oder die Trockenhefe einrieseln lassen, gut verrühren, bis sich Frisch- oder Trockenhefe aufgelöst haben. Kurz stehen lassen.
:: Mehl in eine große Schüssel sieben und mit Zucker mischen. Eine Mulde formen und das Ei in die Mulde gleiten lassen.
:: Eine Arbeitsfläche mit etwas Mehl ausstreuen.
:: Die Hefemilch in die Mehl-Zucker-Eier-Schüssel gießen und dann erst mit dem Rührlöffel oder den Knethaken des Mixers alles zu einem Teig verarbeiten – der sieht noch nicht fertig aus, aber Milch und Mehl sollten sich weitestgehend verbunden haben. Aus der Schüssel nehmen und auf der bemehlten Fläche mindestens 5 Minuten mit der Hand kneten. Das Schöne am Teigkneten ist, dass man sich nicht auf die Aktion an und für sich konzentrieren muss… man kann nachdenken, Musik hören, laut mitsingen (Hefeteig ist nicht geräuschempfindlich)… alles gut, solange man schön weiterknetet. Am Ende der Aktion sollte der Teig elastisch sein und hübsch glänzen.
:: Den gekneteten Teig zu einer Kugel formen und in die Schüssel zurücklegen. Mit Frischhaltefolie abdecken und den Teig jetzt ca. 1 Stunde gehen lassen. Das funktioniert am zuverlässigsten an einem feucht-warmen Platz, am einfachsten ist folgende Methode: Bevor man anfängt, den Teig zu kneten, wird der Backofen auf 50°C vorgeheizt. Dabei eine flache Schale mit Wasser füllen und “mitheizen”, dann den Ofen wieder ausstellen, kurz auslüften und die Schüssel bei eingeschaltetem Backofenlicht in den Ofen stellen.
Der Teig sollte dabei seine Größe ungefähr verdoppeln. Wenn das nach 1 Stunde noch nicht der Fall ist, ruhig noch etwas Zeit geben.
:: Kurz vor Ende der Gehzeit die Birnen waschen, halbieren, entkernen und dann in Würfel mit ca. 1cm Kantenlänge schneiden. In etwas kaltes Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft legen, damit sie nicht braun werden. Die restliche Butter schmelzen.
:: Die gegangene Teigkugel noch in der Schüssel mit der geballten Faust plattdrücken, dabei macht es lustige “pffffffff”-Geräusche, wenn die Luft entweicht. Den nun wieder kleinen Teigklumpen aus der Schüssel nehmen und mit den Händen und Fingern auswalzen, so dass ein Rechteck von ca. 40x30cm Kantenlänge entsteht. Mit der Hälfte der geschmolzenen Butter bestreichen. Die Birnenstückchen aus dem Wasser nehmen, kurz abtropfen lassen und dann gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Den Hefeteig dann von der kürzeren Seite her aufrollen. Auf mit Backpapier ausgelegtes oder gebuttertes Blech legen, noch einmal mit Frischhaltefolie abdecken und erneut 30 Minuten gehen lassen.
:: Backofen auf 180°C heizen.
:: Das Birnenbrot etwa 30 Minuten backen lassen, dann herausnehmen und das noch warme Brot mit der restlichen geschmolzenen Butter bestreichen und Puderzucker darübersieben.

 

Sonntag, 29. Januar 2012

Kokos-Buttermilch-Kuchen – aka "Schweinekuchen"

Bei manchen Backrezepten ringe ich mit mir, ob ich sie überhaupt posten soll, da sie mir so banal erscheinen, so einfach, und es von ihnen im Netz schon tausende Varianten gibt… so wie bei diesem Familienklassiker. Ein ganz entspannter Wochenendkuchen, der ohne viel Klimbim daherkommt, ohne Frosting, ohne Füllung. Aber er macht mich glücklich, also darf er auf auf den Blog, und mit ihm auch die süße Geschichte, die es in unserer Familie dazu gibt:
Meine Tante wollte den Kuchen für eine Geburtstags-Kaffeetafel backen, griff aber im Küchenregal daneben und erwischte statt Kristallzucker Gelierzucker. Sie merkte es aber nicht und buk den Kuchen wie gewohnt. Komplett entsetzt zog sie aber dann den missratenen Kuchen aus dem Ofen, der wenig aufgegangen, klebrig und unansehnlich war, kurz: für die Kaffeetafel ungeeignet. Und dann setzte ihre Tochter noch einen drauf, indem sie fragte, “Wer hat denn diesen Schweinekuchen gebacken?!” Einen Tag später allerdings hatte der Gelierzucker sein Werk getan und den Kuchen in köstliches Kuchenkonfekt verwandelt, von dem keiner genug bkommen konnte. Meine Tante hat das Gelierzucker-Experiment seither nicht wiederholt, aber der Name “Schweinekuchen” blieb haften. Jeder bei uns weiß, was damit gemeint ist, auch wenn natürlich niemand auf die Idee käme, den fluffig-saftigen Blechkuchen den Schweinen zu geben.
Kokos-Buttermilch-Kuchen

für ein reguläres Blech von ca. 35 x 45cm

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich hier aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die verwendete Menge um 20-30% erhöhen würde, je nach Süßvorliebe.**

150g Zucker 
2 Eier 
1 TL Vanilleextrakt
500 ml Buttermilch   
300g Mehl
1 Pck. Backpulver
75g Kokosflocken
75g Zucker
200ml Sahne

:: Backofen auf  180°C vorheizen, ein Backblech mit Backpapier auslegen oder einfetten.
:: Eier und Zucker schaumig schlagen, dann 300ml Buttermilch unterrühren. Mehl und Backpulver zum Teig sieben und kurz unterrühren, bis sich eben so alles vermengt hat. In die vorbereitete Backform gießen.
:: Kokosflocken und Zucker mischen und über den Kuchen streuen. Dann in den Ofen schieben und ca. 20 Minuten backen, bis die Stäbchenprobe positiv und die Kokoskruste leicht gebräunt ist.
:: Sahne und die restlichen 200ml Buttermilch mischen und den noch warmen Kuchen damit begießen, dann abkühlen und durchziehen lassen, bis sich der Guss gesetzt hat. Am besten schmeckt der Kuchen nach einem Tag durchziehen bei Zimmertemperatur.
 

Sonntag, 10. Juli 2011

Omi-Ilse-Kuchen

Wir haben ja nicht viel Alkohol im Haus, muss ich sagen. Klar, die obligatorische Flasche Ouzo. Und einmal Wodka, für meinen Lieblings-Longdrink, den Moscow Mule. Und ein oder zwei Flaschen Wein. Aber damit hat sich’s eigentlich. Was aber immer da sein muss, immer, ist eine Flasche Eierlikör. Jup, Eierlikör. Nicht, dass ich den trinken würde, das passiert nur im Winter beim Skifahren auf einer Almhütte zusammen mit Milch und viel Schaum. Nein, die Flasche Eierlikör ist da, wenn ich mal ganz dringend Omi-Ilse-Kuchen backen muss. Oder will.
Der Kuchen heißt eigentlich Eierlikör-Schoko-Kuchen, aber er ist für mich so felsenfest mit meiner Großmutter verbunden, dass ich ihn kurzerhand umgetauft habe. Dabei gäbe es andere Torten und Kuchen, die sie mit einer derartigen Perfektion gebacken hat, die wahrscheinlich eher auf ihren Namen getauft werden sollten, aber ich habe jederzeit Schokoladen-Sahnetorte und Nuss-Marzipan-Torte stehenlassen, wenn ich nur ein Stück von diesem Eierlikör-Kuchen haben konnte. Als ich von zu Hause auszog, gab sie mir das Rezept mit, und seither kann ich es im Schlaf.
Witzigerweise habe ich immer geglaubt, dass es sich um ein aaaaaaltes, uraltes Familienrezept handeln würde, gehütet und von Generation zu Generation weitergegeben… dem war nicht ganz so. Als mir mein Opa nach Omi Ilses Tod ihre Rezeptsammlung übergab, fand ich den Eierlikörkuchen nicht etwa handschriftlich, fast verblichen auf einer der ersten Seiten, nein – ich fand einen Ausschnitt aus einer Frauenzeitschrift, anno 1989. So also! Ich musste ziemlich grinsen. Das waren ja quasi die Foodblogs der damaligen Zeit, insofern war meine Oma topaktuell.
Aber ICH habe fest vor, ein Familienrezept daraus zu machen und es irgendwann mal weiterzugeben.
Darauf ein Likörchen – prost, Omi Ilse! Love you & miss you.
Deswegen ist es heute ein sentimentales Sonntagssüß, und viele andere Ideen gibt es bei Lingonsmak.

 
Omi Ilses Eierlikör-Schokoladen-Kuchen

Ein sehr variantenreicher Kuchen. Die Originalmenge mit 5 Eiern (s.u.) reicht für eine 26-cm-Kranzform oder für ein normalgroßes Backblech, hier habe ich den Teig für eine 30x30cm-Backform berechnet.
Außerdem lässt er sich als Blechkuchen ganz hervorragend mit Obst kombinieren, so z.B. mit abgetropfen Sauerkirschen oder halbierten Aprikosen. Die Früche auf dem Teig verteilen und mitbacken.
**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich hier aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die verwendete Menge um 20-30% erhöhen würde, je nach Süßvorliebe. Allerdings enthält der Kuchen durch Eierlikör und Schokolade immer noch Zucker. Just saying…**

3 Eier
120g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
150ml Eierlikör
150ml neutrales Pflanzenöl 
180g Mehl
2 1/2 TL Backpulver (gestrichen)
1 Prise Salz
1 gehäufter EL Kakaopulver
50g Zartbitterschokolade, gehackt

:: Den Backofen auf 180°C vorheizen und das Backblech mit Backpapier auslegen.
:: Eier, Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, bis die Masse sich verdoppelt hat und schön fluffig und weißlich ist. Eierlikör und Öl dazugeben und unterrühren.
:: Mehl, Backpulver und Salz vermischen, dann langsam und unter Rühren zum Teig geben, nicht zu viel mixen, gerade, dass sich der Teig vermengt hat und kein Klümpchen mehr zeigt.
:: 2/3 des Teigs auf das Backblech geben. Unter das restliche Drittel das Kakaopulver rühren. Esslöffelweise große Klackse in den hellen Teig setzen, so dass der Teig schön gefleckt ist. Dann mit einem Löffelstiel durch den Teig fahren und ein paar Wirbel hineinrühren. Nicht zu sehr, helle und dunkle Teile sollen noch eindeutig als solche zu erkennen sein.
:: Gehackte Schokolade gleichmäßig über dem Teig verteilen.
:: 20 Minuten backen, dann gut auskühlen lassen.
Originalmenge für eine 26er Kranzform:
5 Eier, 200g Zucker, 1 Pck. Vanillezucker, 250ml Eierlikör, 250ml Pflanzenöl, 300g Mehl, 1 1/2 Pck. Backpulver, 1 Prise Salz, 2 EL Kakaopulver, 75g gehackte Zartbitterschokolade.
:: Zubereitung wie oben, dann 2/3 des Teiges in die gefettete Kranzform gießen und den Schokoladenteig gleichmäßig daraufgeben. Mann kann es verwirbeln für den klassischen Marmorkuchen-Effekt, aber ich mag es gern, wenn hell und dunkel voneinander getrennt sind und lasse das dann einfach so.
 

Sonntag, 15. Mai 2011

Teufelskuchen – teuflisch guter Schokoladenrührteig

Am Freitag sah meine Küche aus wie ein Schlachtfeld: Ich habe 4 Kuchen gebacken.
Nicht etwa, weil ich plötzlich alle Kohlenhydratsverzichtabsichten über den Haufen geworfen habe, nein nein… das lief unter dem Motto “die kluge Frau backt vor”. Die Kuchen sind nämlich nach dem Auskühlen mehr oder weniger direkt in den Tiefkühler gewandert und werden bis zu unserem Polterabend dort vor sich hinfrieren. Und wie gut, dass ich es getan habe, denn ich wollte so unbedingt meine neue Backform ausprobieren, und ich glaube, wenn ich das am Tag der Party direkt gemacht hätte, wäre wohl all meine hart angetrainierte Gelassenheit mit einem Mal futsch gewesen. Und die neue Backform im Zweifelsfall auch. Das Schätzchen ist nämlich mal gar nicht so leicht zu handhaben! Der erste Kuchen ist förmlich in der Form explodiert, da das amerikanische Modell offensichlich nicht das Fassungsvermögen einer hier üblichen Kranzform hat. Außerdem war der Kuchen etwas zu knusprig geworden… Beim zweiten Kuchen habe ich dann nicht nur weniger Teig genommen, sondern auch vorsichtshalber ein feuchtes Handtuch um die Form gewickelt, mit dem Ergebnis, dass der Kuchen zwar ganz wunderbar gleichmäßig aufging – sich aber dann nicht dazu bewegen ließ, in einem Stück aus der Form zu gleiten… Katastrophenalarm!!! Die neue Backform wurde mit Flüchen und bösen Blicken bedacht und der 35 EUR Kaufpreis nicht für wert befunden.
Zur “Entspannung” rührte ich die anderen Teige leicht grummelig in andere Backformen, und alles ging wunderprima.
Aber mein Ehrgeiz ließ mich nicht ruhen – diese olle blöde Form musste doch zur Kooperation bewogen werden können! Also blies ich erneut zum Angriff, stellte den Teig diesmal mit einem Ei weniger her, fettete die Form mit mehr Akribie, als ich sie jemals einer Backform angedeihen lassen habe, siebte eine feine Mehlstaubschicht darüber, verteilte und klopfte, redete Teig und Form gut zu – und siehe da. Es gelang. Sieht hübsch aus. Dass der Kuchen schmeckt, kann ich aus Erfahrung sagen, da es das gefühlt 184. Mal war, dass ich diesen Kuchen gebacken habe.
Die verwendete Menge an Zucker scheint riesig, aber die braucht es, um den Kakao auszubalancieren.
Schokoladenkuchen Teufelskuchen Devil's Food Cake

Teufelskuchen

**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich hier aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die verwendete Menge um 20-30% erhöhen würde, je nach Süßvorliebe.**

Ein “Tassenkuchen”, wobei die von mir verwendete Tasse 250ml fasst.
Für eine 28-cm Kranzform oder eine lange Kastenform, bei der verwendeten “Heritage”-
Form habe ich den Teig auf 3 Eier “heruntergerechnet”.

250g weiche Butter
2 Tassen Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
4 Eier
2 Tassen Mehl
3 EL Kakao
1 TL Natron
200g Saure Sahne

Ja ja ja, ich weiß. Ich predige immer, dass erst Eier und Zucker fluffig geschlagen werden sollen. In diesem Fall mache ich einmal eine kliiitzekleine Ausnahme.
:: Backofen auf 180°C vorheizen.
:: Butter, Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, dann die Eier einzeln nach und nach unterrühren, nach jedem Ei so lange schlagen, bis es richtig eingerührt ist.
:: Mehl, Kakao und Natron mischen, über die Butter/Zucker/Ei-Masse sieben und erst mit dem ausgeschalteten Handmixer etwas einrühren – man kann auch gleich volle Pulle, aber dann beschwert Euch nicht über feinen Kakaostaub, der alles bedeckt! ;-) Dann gut durchmixen. Am Ende die saure Sahne unterrühren.
:: In eine gut gefettete Form füllen und ca. 50 – 60 Minuten backen. In der Form leicht auskühlen lassen.
Durchgezogen schmeckt der Kuchen einen Tag später fast noch besser!