Donnerstag, 17. September 2015

“Clean Eating – Natürlich kochen” von Hannah Frey.

Man hat ja so seine Vorbilder und Inspirateure, in der Küche, im Sport, in Sachen Mode und Style. Beim Thema Clean Eating ist es bei mir weniger Tosca Reno, die kanadische “Ikone” des Clean Eating, sondern eindeutig Hannah Frey, die sich auf ihrem Blog Projekt: Gesund leben mit allen Aspekten dieser Ernährungs- oder vielmehr Lebensweise befasst. Wir ticken in vielen Sachen ganz ähnlich, in einigen Dingen haben wir andere Ansichten, aber uns gemein ist das Interesse an möglichst unverarbeiteter Nahrung und “sauberem” Essen, das nicht im Dogmatismus verhaftet ist, sondern Spaß macht.
Hannah hat im März ihr erstes Buch veröffentlicht: “Clean Eating – Natürlich kochen”*. Ich habe es mit Spannung erwartet und mein Exemplar sofort unter begeisterten Ausrufen wie “oh, das sieht toll aus!” oder “hmmmm!” oder “ach, spannend!” durchgeblättert. Dass ich erst jetzt dazu komme, eine Rezension für Euch zu schreiben, liegt zum einen am dazwischenkommenden Leben, vor allem aber daran, dass ich immer wieder ein Rezept gefunden habe, was ich unbedingt erst noch probieren wollte, bevor ich mich an eine Rezension mache. Gerade letzte Woche zum Beispiel noch den mediterranen Brotaufstrich mit getrockneten Tomaten. Und dann kommt eins zum anderen – und zack! sind ein paar Monate um. Aber andererseits hat das Buch dadurch einen echten Realitätscheck erfahren, eine Langzeitstudie sozusagen!

Blaubeermuffin-Porridge // Mediterraner Brotaufstrich // Apfelkuchen-Smoothie

Blaubeermuffin-Porridge // Mediterraner Brotaufstrich // Apfelkuchen-Smoothie

Erst einmal gibt es Theorie im Buch: Was ist Clean Eating, was sind die Prinzipien, was sind die cleanen Lebensmittel, was sollte man im Vorrat haben? Es ist unterhaltsam und informativ geschrieben und für mich sowohl Auffrischung bekannten Wissens (schadet ja nie) als auch eine Erinnerung daran, wieder mehr mit Sprossen, Keimen und Kräutern zu kochen. Und mehr Blattgrün auf den Speiseplan zu setzen. Dazu gibt es eine Reihe von Tipps zur erfolgreichen Integration des Konzepts ins eigene Leben.

Dann folgt der Rezeptteil in vier Kapiteln: Frühstück, Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts & Kuchen.
Gerade die Frühstücksrezepte haben es mir angetan, denn Frühstück ist mir total wichtig. Ich habe folgendes probiert: Fast jedes Overnight Oats-Rezept, weil ich Overnight Oats als geniales, ideales Frühstück empfinde. Nicht alle Rezepte trafen meinen Geschmack, aber alle waren auf ihre Art “mal was anderes”. Dann den Apfelkuchen-Smoothie, der meiner Meinung nach durchaus noch einen Kick Muskat vertragen kann für ein richtiges Apple-Pie-Feeling, sowie die wunderhübschen rosenförmigen Roggenbrötchen und das Blaubeermuffin-Porridge. Der mediterrane Brotaufstrich ist zwar auch unter den Frühstücksrezepten zu finden, gehört für mich aber eher zu einer herzhaften Brotzeit. Er war mir auch zu salzig, was aber wahrscheinlich an den verwendeten Tomaten lag.
Bei den Vorspeisen habe ich lediglich die Zucchini-Bruschetta probiert, da Vorspeisen per se bei uns nicht so ein großes Ding sind. Aber die Bruschetta waren sehr fein – und die gesamte Portion war dann mein Mittagessen, weil: mit einem Haps sind sie im Mund. :-)
Vom Kapitel Hauptgerichte machten den Sprung vom Buch in meine Küche der Hirse-Salat mit Zitronen-Senf-Dressing und gerösteter Paprika, der eine schöne Alternative zu Couscous-Salat bzw. Taboulé ist. Richtig gut waren die Sellerieschnitzel im Kokosmantel mit Currysauce, und das Söhnchen ist immer wieder begeistert vom Kichererbsensalat mit Tomaten, der vor allem großartig ist mit vollreifen kleinen Sommertomaten. Allerdings greife ich auf bereits gekochte Kichererbsen aus dem Glas zurück, Zeitersparnis und hungriges Kind und so. Sehr gut hat mir auch der Herbstsalat mit gebackenen Feigen und Ziegenkäse geschmeckt, bei mir nur ohne Honig. In der Spargelsaison gab es das Rezept vom Titelbild: Frittata mit grünem Spargel. Gut, aber nicht umwerfend, und mir zu Ei-lastig. Das Kürbis-Quinotto (= Risotto, nur mit Quinoa) steht für die Kürbissaison auf dem Plan.
Und dann Desserts & Kuchen, yay! Sehr einfach zu machen und dabei seeehr köstlich sind die mit Quark gefüllten frischen Feigen, ein schönes Herbst-Dessert. Der Rüblikuchen mit Erdnüssen war recht kompakt, aber erfreulich zurückhaltend in der Süße. Die leckeren Haferkekse habe ich mittlerweile mehrfach gebacken und die letzten Male mit gepufftem Amaranth erweitert.

Sellerieschnitzel mit Kokospanade und Mango-Curry-Sauce // Hirse-Salat mit Senf-Zitronen-Dressing und gerösteter Paprika // Tomaten-Kichererbsen-Salat // Herbstsalat mit gebackener Feige und Ziegenkäse

Sellerieschnitzel mit Kokospanade und Mango-Curry-Sauce // Hirse-Salat mit Senf-Zitronen-Dressing und gerösteter Paprika // Tomaten-Kichererbsen-Salat // Herbstsalat mit gebackener Feige und Ziegenkäse

Fehlen mir Fleisch- oder Fischrezepte? Definitiv nicht, aber ich wusste ja auch von vornherein, dass Hannah Vegetarierin ist, da habe ich natürlich kein Steak erwartet! Ich selbst bin auch eher auf der Suche nach Gemüserezepten als nach dem 39. Hähnchenrezept. Lesern, die sich für Clean Eating interessieren, geht es schätzungsweise ebenso, insofern ist das kein Nachteil des Buches. Außerdem betont Hannah ausdrücklich, dass tierische Produkte (soweit nicht verarbeitet, klar) durchaus ins Konzept passen können.
Etwas schwieriger finde ich dagegen den Einsatz von Pflanzenmargarine, besonders in den Backrezepten. Die ist in meinen Augen alles andere als clean – wobei man sich bei Butter natürlich auch streiten kann. Auch verwende ich persönlich einfach keine (unfermentierten) Soja-Produkte, diese ließen sich aber ohne weiteres durch andere pflanzliche Alternativen ersetzen.

Rezension zu "Clean Eating" von Hannah Frey

Gefüllte Feigen mit Schoko-Haselnuss-Quark // Rüblikuchen mit Erdnüssen // Haferkekse

Was mir am Buch gefällt: Es ist alles sehr alltagstauglich und verlangt wenig Schnickschnack oder Schischi-Produkte. Dennoch gibt es interessante und ungewöhnliche Kombinationen, wie zum Beispiel die aus Sellerie, Kokos und Curry, oder den warmen Blumenkohlsalat mit Feta und Erbsen.
Ein bisschen unschlüssig bin ich mir beim Urteil zu den Foodfotos, die für ein Kochbuch ja nicht unerheblich sind. Einerseits finde ich es toll, dass Hannah die Rezeptbilder selbst arrangiert und geschossen hat und es somit wirklich zu ihrem Buch macht. Andererseits gibt es da sowohl im Bezug auf das Styling als auch auf die Art der Fotografie einen ziemlichen Bruch zwischen ihren Bildern und denen, die aus Fotostocks hinzugekauft wurden. Erfahrungsgemäß sind das aber eher Kritikpunkte, die eher dem Verlag als dem Autor angehängt werden müssen. Aber nun – das sind Luxusprobleme aus meiner Sicht als Foodbloggerin.

Mein Fazit: Ein tolles Buch für alle, die sich für das Clean-Eating-Konzept interessieren, und ein hilfreicher Einstieg vor allem für jene, denen es bislang viel zu kompliziert und zeitaufwändig war, gesund und abwechslungsreich zu kochen. Da gibt es jetzt keine Ausreden mehr!

Hannah hat in der Zwischenzeit noch zwei weitere Büche geschrieben: Gesund im Büro*, in dem es nicht nur um Essen, sondern überhaupt um die (gesundheitliche) Optimierung im gesamten Büro-Alltag geht (ein extrem spannendes Thema, auch für’s Homeoffice!), sowie Clean Eating – Kochen mit Superfoods*, in das ich bestimmt auch einen Blick werfen werde. Und das alles neben ihrem Job als Gesundheitswissenschaftlerin! Riesen Respekt.

*Amazon Affiliate-Links

Das Buch wurde mir für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

Das könnte Dich auch interessieren:

 

Donnerstag, 17. September 2015

Ein Gedanke zu „“Clean Eating – Natürlich kochen” von Hannah Frey.

  1. Lena

    Schöne Rezension und wie Hannah gestern Abend auf Facebook schrieb:
    “Clean Eating – Natürlich kochen” ist nun auch auf Englisch, Spanisch und Französisch erhältlich[...] “

Kommentare sind geschlossen.