Montag, 8. November 2010

Die Vorspeisenklassiker aus Griechenland, nach Art von Schwiegermutter

Hellaaaaaaaaas!

Testessers Eltern sind in den sechziger Jahren von Griechenland nach Deutschland ausgewandert und dann geblieben – zum Glück, sonst wäre Testesser nicht Testesser. Zumindest nicht in meiner Küche. 🙂
Als wir uns kennenlernten, habe ich mich zunächst gar nicht getraut, ihm zu sagen, dass ich griechisches Essen eigentlich überhaupt nicht mag. Der „Grillteller Athene“ und die „Gyrosplatte Delphi“ konnten mich bein Griechen nie begeistern, viel zu viel übergartes Schweinefleisch mit fetttriefenden Kartoffelscheiben – nein danke. Oder eben ochi, efcharisto
Dann lernte ich Testessers Mama kennen und habe in kürzester Zeit meine Meinung komplett geändert. Die tatsächliche griechische Küche hat, wie es wahrscheinlich zu erwarten war, nur den Namen der Gerichte mit den Restaurants hier in Deutschland gemein. Ansonsten sind das Lichtjahre!

Testesser geht übrigens genau aus diesen Gründen auch nicht zum Griechen, es sei denn wir sind zufällig in Griechenland. Aber freundlicherweise hat meine Schwiegermutter mir einige ihrer Rezepte verraten, und so nehme ich mir die Freiheit, Euch immer mal wieder welche zu posten. Heute also das, was auf keinen Fall bei ihrem Essen fehlen darf: Tsatsiki und Bauernsalat.



Links im Bild sieht man einen weiteren Klassiker der griechischen Vorspeisen, der Meze: Gebackene Riesenbohnen, Gigandes plaki. Aber ich will ja nicht schummeln, und da diese Gigandes aus der Dose kamen, schmücke ich mich hier lieber mal nicht mit fremden Federn. Ich denke aber, dass ich die in nächster Zeit auch wieder selbst machen werde, denn sie schmecken einfach unglaublich gut.

Wie bei allen regionalen Spezialitäten wird man hundertundeine Zubereitungsart finden, und jede wird von sich behaupten, sie sei die einzig wahre. Ich hab spaßenshalber mal das Rezept für Tsatsiki gegoogelt und fand eine unendliche Vielfalt, die mit „das Original“ oder „die einzige wahre griechische Version“ warb. Lustig, oder? Typisch deutsche Gerichte wie zB. der Kartoffelsalat haben doch auch zig verschiedene Zubereitungsarten, die niemand anzweifelt, warum sollte es also nur ein einziges wahres Tsatsiki-Rezept geben? OK, klassischerweise wird das ganze mit Joghurt bereitet, der dann stundenlang ausgepresst wird; meine findige Schwiegermutter hat die Prozedur abgekürzt und nimmt Quark. Seht selbst – und probiert!


τζατζίκι – Tsatsiki

500g Magerquark
100g Schmand
Olivenöl – ich starte mit etwa 2 EL und gebe nach Bedarf mehr hinzu
1/2 Salatgurke
2 Knoblauchzehen – oder mehr… 😉
Salz
weißer Pfeffer
einige schwarze Oliven zum Garnieren

:: Magerquark und Schmand verrühren, bis die Masse cremig ist und keine „Quark-Bröckchen“ mehr enthält.

:: Olivenöl einrühren.

:: Salatgurke schälen, längs halbieren und das Kerngehäuse auskratzen. Dann fein raspeln, schüsselsparenderweise direkt in die Schale mit dem Quark-Gemisch. 

Tipp: Wer sein Tsatsiki absolut und gar nicht leicht flüssig mag, sollte das Gurkenraspeln an den Anfang stellen und die Gurken in eine Extraschale raspeln. Die Gurkenraspel leicht salzen und eine Weile ziehen lassen, das entwässert die Gurken. Dann fest auspressen (entweder durch ein feines Sieb, ein Tuch, oder, Jamie-Oliver-like, mit den Händen). Dann zur Quark-Masse geben.

:: Knoblauch entweder durch die Presse jagen, oder – was dem Geschmack wesentlich zuträglicher ist – auch auf der feinen Raspel reiben. Unterrühren.

:: Mit Salz und Pfeffer würzen, man kann hier noch etwas zurückhaltend sein, wenn man sich nicht sicher ist.

:: Das Tsatsiki eine halbe Stunde stehen lassen, damit es ordentlich durchziehen kann, anschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.

:: Wer sein Tsatsiki eher „grün“ mag (schwer zu beschreibender Geschmack), gibt doch ein wenig Olivenöl hinzu.


Ganz klassisch wird Tsatsiki auf einem ovalen Schälchen angerichtet und mit ein oder zwei schwarzen Oliven garniert. Öhm, das Schälchen war gerade im Abwasch ist nicht in unserem Besitz, und Oliven waren auch aus. Egal.

Übrigens scheint die Milchsäure den fiesen Knoblauchgeruch zu neutralisieren, man wacht morgens eher selten mit dem schlimmen Gefühl im Mund auf und riecht wie…. naja. Und den Geruch kriegt man von den Fingern, wenn man sie sofort mit Spüli wäscht.


Griechischer Bauernsalat
die Mengen sind variabel je nach Personenzahl und Vorliebe für ein bestimmtes Gemüse, für die Schale auf dem Bild habe ich folgende Mengen genommen:

1 Paprika; rot, gelb oder grün ist hierbei Geschmackssache. 
1/2 Gurke
2-3 „normale“ Tomaten oder 6 Strauchtomaten (die, die etwas größer sind als Cherrytomaten)
1 rote Zwiebel
schwarze Oliven 
getrockneter Oregano
Olivenöl
Essig
Salz
schwarzer Pfeffer
100g Feta (original aus Schafsmilch, wer’s milder mag, greift zum „Hirtenkäse in Salzlake“ aus Kuhmilch)

:: Paprika waschen, putzen und in Streifen oder Stücke schneiden. Gurke evtl. schälen, längs halbieren und dann vierteln und ebenfalls in Stücke schneiden. Tomaten waschen und vierteln oder achteln, je nach Größe. Die Zwiebel putzen, halbieren und in (halbe) Ringe schneiden.

:: Paprika, Gurke, Tomate, Zwiebelringe und Oliven vermischen, mit Salz, Pfeffer, Olivenöl und ein klein wenig Essig würzen.

:: Den Feta in Stücke schneiden oder brechen und über den Salat geben, mit Oregano bestreuen. Wenn man den Salat nur für eine Person zubereitet, gleich auf dem Teller, bleibt der Käse oft am Stück und wird noch mit Olivenöl beträufelt. Das ist in einer Schüssel für mehrere Personen aber eher schwierig. 😉


Ein Glas Ouzo und der griechische Abend kann beginnen!
Kali orexi! Und jamas!

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