Mittwoch, 2. März 2011

Dinner for Eight: Barolo-Braten als Hauptgang

Das „Dinner for Eight“ war unter diversen Arbeitstiteln schon ganz lange geplant, abgesagt, wieder verschoben, mit Hilfe von Doodle wieder neu terminiert, so dass es sich von „irgendwann Anfang Advent“ auf Ende Ende Februar verschoben hatte. Und ehrlich, ich wollte eigentlich ein frühlingshaftes Menü basteln, weil ich einfach. keine. Lust. mehr. auf dieses elende Winterwetter habe, was gar keins ist. Nichts halbes und nichts ganzes – es ist kalt, aber grau, es liegt vereinzelt noch Schnee, aber die Sonne denkt nicht daran, zu scheinen. Braucht doch kein Mensch! Und in den Läden stehen schon die Osterhasen rum, die Floristen verkaufen Tulpen, Narzissen und anderes Frühlingsgrün. Also sollte auch Frühling auf den Teller! Jawoll!
So weit, so gut, nur dann kam der Haken. Wenn ich für 8 Leute koche, will ich ja auch nicht die ganze Zeit in der Küche stehen, um Kalbsschnitzelchen zu braten oder Fisch zu wenden oder Spargelcrêpes in der Luft zu drehen! Mutters Rat mit dem Braten kam mir wieder in den Sinn, und von dort aus ist es auch kein weiter Sprung mehr zum berühmten Barolo-Braten meiner Mama. Also habe ich kurzerhand das mit dem Frühlingsmenü umgeschmissen und dem ganzen eher ein bisschen Skihütten-Feeling verpasst, mit karierter Tischdecke und Brezenringen als Serviettenhalter.
Zum Glück *puuh* ist dies kein wirkliches Familienrezept, wir haben nur über die Jahre eines daraus gemacht. Der Ursprung fand sich in einer Ausgabe der Zeitschrift Living at Home, irgendwann von 2005. Oder 2006. Oder so. Was mich, wie ich finde, dazu berechtigt, das (mittlerweile adaptierte) Rezept zu posten, immerhin unterliegt es somit keinem Familiengeheimnis, und ich werde nicht mit einem Fluch belegt, wenn ich das Geheimnis verrate.
Und das ist auch gut so, denn wie sagte eine Freundin? „Ein Schwiegermutter-Beeindruck-Braten!“ Noch besser ist, dass man während der Garzeit des Bratens Zeit hat, die Wohnung und sich selbst aufzuhübschen.

Schmorbraten mit Barolo

braucht 3 Stunden im Ofen, ca. 40 Min Vorbereitungszeit inkl. Schälen, Schnippeln und Anbraten.

ca. 1,5 kg Rinderbraten (leicht marmoriert, dann trocknet es nicht aus)
15g getrocknete Steinpilze
4 Zwiebeln
5 Möhren
5 Kartoffeln, mehligkochend
3-4 Knoblauchzehen
3 EL Tomatenmark
1 Flasche Barolo (oder ein anderer kräftiger italienischer Rotwein, Nero d’Avola geht auch gut)
250ml Rinderbrühe
2 Zweige Thymian
2 Zweige Rosmarin
3 Lorbeerblätter
50g getrocknete Tomaten, abgetropft
Salz, Pfeffer, Olivenöl

Rindfleisch waschen und trockentupfen, mit Salz und Pfeffer rundum kräftig würzen.
Die getrockneten Steinpilze in ca. 200ml Wasser einweichen – am Ende der Einweichzeit das Wasser NICHT weggießen!
Zwiebeln, Möhren, Kartoffeln und Knoblauch schälen. Zwiebeln grob würfeln, Möhren in große Stücke teilen, Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden und Knoblauch grob hacken.
Ofen auf 180°C vorheizen, Umluft ist hierbei nicht geeignet.
In einem ausreichend großen Bräter Olivenöl erhitzen und das Rindfleisch ringsum anbraten und dabei gut anbräunen. Herausnehmen und Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch im Bräter scharf anbraten. Tomatenmark dazugeben, durchrühren und paar Minutem anrösten.
Die eingeweichten Steinpilze durch ein feines Sieb abgießen (um eventuellen Sand zurückzubehalten), dabei das Einweichwasser auffangen und dieses zur Rinderbrühe geben.
Das Rindfleisch zurück in den Bräter setzen und Fleisch und Gemüse mit der Hälfte des Rinderbrühe-Pilzfond-Mix und ca. 300ml Rotwein ablöschen, alles etwa 5 Minuten kochen lassen.
Die Steinpilze währenddessen noch einmal abspülen, dann ebenfalls in den Bräter geben und die ganze Chose bei 180°C im unteren Drittel des Ofens erst 1:30 Stunden mit geschlossenem Deckel garen, dann Hitze auf 160°C herunterschalten und weitere 1:30 Stunden offen garen. Dabei den Braten immer wieder mit der Flüssigkeit begießen und über die Garzeit verteilt Rotwein und Brühe-Pilz-Mix angießen. Die Flüssigkeitsmenge variiert hier auch ein bisschen nach der Größe des Bräters – Faustformel ist, dass das Fleisch die ganze Zeit ähnlich einem Eisberg zu 2/3 mit Flüssigkeit bedeckt sein sollte. (…und was vom Wein nicht in den Bräter wandert, kann dann ruhigen Gewissens ins Glas…)
Etwa 20 Minuten vor Ende der Garzeit Thymina, Rosmarin und Lorbeer dazugeben, die getrockneten Tomaten in grobe Stücke teilen und ebenfalls unterrühren.
Den Braten aus dem Ofen holen, das Fleisch etwa 15 Minuten fest in Alufolie eingewickelt ruhen lassen. In der Zwischenzeit den Schmorfonds etwas einkochen lassen, die Kräuter entfernen und final abschmecken.
Braten in dünne Stücke aufschneiden und zusammen mit der Sauce und dem Gemüse servieren.
Dazu gab es in Butter geschwenkte grüne Bohnen.
Wenn man mehligkochende Kartoffeln verwendet, geben diese der Sauce etwas mehr Stand, sind dann aber als „klassische“ Beilage nicht der Rede wert. Wer darauf aber nicht verzichten möchte, dem seien kleine Semmelknödel ans Herz gelegt, denn Salzkartoffeln passen hier nicht so recht.

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