Mittwoch, 9. März 2011

Ein eindeutiges "naja": Gemüsebrühe mit Petersilienklößchen nach Yotam Ottolenghi

An meinem Entschluss, mehr vegetarisch zu kochen, hat sich seit Januar ja nichts geändert, und es klappt erstaunlich gut, nur wenig Fleisch zu essen. Aber auch Grünzeug muss inspiriert werden, und so war ich ganz begeistert, als mir neulich beim Streifzug durch die Kochbuch-Abteilung eines Buchladens Yotam Ottolenghis „Genussvoll vegetarisch – mediterran, orientalisch, raffiniert“ in die Hände fiel. Yotam Ottolenghi… Yoooootam Ottolenghiiii…. wo hatte ich den Namen schon mal gehört? Ach ja. Richtig. Bei smittenkitchen.com. Deb von smitten kitchen hatte einen Blumenkohl-Parmesan-„Kuchen“ nach einem Rezept von Ottolenghi gebacken, und da das Rezept Kurkuma und Parmesan UND rote Zwiebeln enthielt, was so ungefähr alles ist, was es braucht, um Testesser glücklich zu machen (yeah, I know, right?), wurde es umgehend nachgebacken, und der herzhafte Kuchen schmeckte extrem gut.
Also Ottolenghi. Immer aufgeregter blätterte ich von Seite zu Seite und überlegte, wann ich das erste Rezept nachkochen könnte. Und ob ich erst mit den Roten Beten anfangen sollte oder doch mit dem Kartoffel-Süßkartoffel-Curry. Oder den Mangold-Safran-Omelettes. Jede Seite sagte mir mehr zu als die vorherige. Das Buch musste mit und wog den restlichen Tag recht schwer an meinem Arm.
Gestern war mein erster Ottolenghi & me-Abend.

Wollt Ihr erst die gute oder die schlechte Nachricht?
Der Rote-Bete-Salat, den ich für mein Mittagessen heute zusammenstellte, war einfach und sehr lecker. Gekochte Rote Bete mit Orangenfilets, schwarzen Oliven und Salat (er will roten Chicoree, ich hatte jungen Spinat) mischen, Dressing drüber und ordentlich Pfeffer. Easy.
Teil 2 war aber eine ziemliche Enttäuschung. Für heute abend wollte ich die Gemüsebrühe mit Petersilienklößchen vorbereiten. Das Geheimnis dieser „unglaublich aromatischen Gemüsebrühe“ (Zitat) sei, Trockenpflaumen zu verwenden. Naja, nichts leichter als das, dachte ich und wusch und schälte und schnippelte munter drauflos, köchelte Gemüse, Kräuter und Trockenpflaumen 1 1/2 Stunden vor sich hin und bereitete die Petersilienklößchen vor.
Das Ergebnis: die Suppe verdient ein großes fettes „Hm. Naja. Also ich weiß ja nicht recht.“
Und die erste Ladung Klößchen ist komplett zerfallen und zerkocht.
Weil es sich nicht wirklich lohnt, hier nur in Kürze, wie es gehen sollte:
3 in Stifte geschnittene Möhren, 5 in Stücke geschnittene Selleriestangen, 1/2 gewürfelte Sellerieknolle, 7 Knoblauchzehen und eine geviertele große Zwiebel in Olivenöl anbraten. Dann 5 Zweige Thymian, 2 kleine Bund Petersilie, 10 schwarze Pfefferkörner, 3 Lorbeerblätter und 8 Trockenpflaumen dazugeben und alles mit kaltem Wasser bedecken. 1 1/2 Stunden köcheln lassen. Gemüse herausnehmen und die Brühe durch ein feines Sieb gießen.
Ottolenghis Empfehlung für das natürlich total verkochte Gemüse: frittieren und mit Aioli servieren. Hm. Wenn er meint.
Die Brühe schmeckt nicht nach ihm und nicht nach ihr, und was daran so „unglaublich aromatisch“ sein soll, hat sich mir bislang noch nicht erschlossen. Die Trockenpflaumen schmeckt man raus – vorausgesetzt man weiß, was es ist. Sonst schmeckt es leicht süßlich, aber insgesamt fade. Ich habe noch einiges an Salz und etwas Pfeffer dazu gegeben, und jaaa, ich geb’s zu… einen halben Teelöffel Gemüsebrühe. Aber genau das wollte ich doch vermeiden! Kein Instant!
Am meisten wurmt es mich aber, dass ich 3 gute Pastinaken für diesen Witz von Petersilienklößchen verschwendet habe. Und Zeit. Und Aufwand.

Weil es ein ganz neues Rezept und Buch war, habe ich mich genau ans Rezept gehalten und abgewogen: 200g geschälte und gewürfelte Petersilienwurzeln zusammen mit 200g geschälten und gewürfelten mehligkochenden Kartoffeln in Salzwasser gekocht, dann abgeseiht, ausgedampft und mit 30g Butter zerstampft. 60g Mehl, 1/2 TL Backpulver, 50g Grieß und ein Ei wurden daruntergerührt, sowie etwas Salz und Pfeffer. (OK, regelwidrig habe ich der Optik halber noch ein bisschen gehackte Petersilie eingerührt.) Dann habe ich es auskühlen und anschließend und eine gute Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Mit zwei Löffeln habe ich den Teig zu Nockerln geformt, dann wurden die Biester in köchelndes Salzwasser gelassen und sollten nur kurz ziehen. Die erste Charge ist dabei komplett zerfallen, das Wasser war eine einzige Stärke-Brühe (vielleicht hätte ich die mal testen sollen, ob sie aromatischer gewesen wäre als die Original-Brühe?). Bei Charge 2 dachte ich mir, „pffff! Ottolenghi! Diesmal kommt Sacher dran!“, und habe, ganz nach Art des Sacher-Kochbuchs, nach dem ersten Aufkochen den Topf von der Flamme gezogen und eine Handvoll Eiswürfel ins Kochwasser gegeben. So reduziert sich die Wassertemperatur rapide, und die Grießnockerln können gar ziehen.
Naja. Diese nicht. Auch ausgekocht und ausgedampft schmecken sie wie in Form gebrachter Kartoffelbrei. Also nicht schlecht, aber keinesfalls von der erwarteten Konsistenz, also quasi eine Mischung aus Kartoffel- und Grießklößchen.
Fazit: Reinfall. Wenn selbst Testesser den Mund verzieht, kann’s wirklich nicht weit her sein.
Da das Buch aber erstens so schwer war und mit 25€ auch nicht gerade das Oberschnäppchen, will ich Yotam Ottolenghi noch eine weitere Chance geben. Also halt demnächst mal. Irgendwann.

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Mittwoch, 9. März 2011

2 Gedanken zu „Ein eindeutiges "naja": Gemüsebrühe mit Petersilienklößchen nach Yotam Ottolenghi

  1. Juliane

    Hm…. ich war auch schon kurz davor, das Buch zu kaufen. Nachdem ich aber schon mal einen Kartoffelsalat nach Ottolenghi von einem Blog nachgekocht habe und absolut „underwhelmed“ war, hab ich das Buch, so schön ich es optisch auch fand, erst mal wieder zurück gelegt… Schade, dass die Petersilienklößchen nix geworden sind! Ich ärgere mich auch immer total, wenn ich so lange in der Küche stehe, gute Zutaten verwende und dann wird´s nix.

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  2. Katharina

    Dass nicht jedes Kochbuch 100%ig tolle Rezepte hat, ist ja normal, finde ich. Aber wenn man gleich mit einem Total-Ausfall beginnt, ist die Freude schnell gedämpft.
    Na mal sehen – vielleicht werden Herr Ottolenghi und ich ja doch noch Freunde! 🙂
    LG, Katharina

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