Donnerstag, 17. Mai 2012

(Frankfurter) Grüne Soße

Kürzlich in Frankfurt Sachsenhausen: Die Kolleginnen und ich stürzen uns auf die Frankfurter Grüne Soße, als hätten wir den ganzen Tag nichts zu essen bekommen (stimmt nicht) und auch noch nie etwas Vergleichbares gegessen (könnte durchaus sein). Nach viel “hmmmm” und “aaaaahh” und “köstlich” fragte jemand, was denn eigentlich drin sei in der Soß’? Die Speisekarte gab keinen rechten Aufschluss, wahrscheinlich ist das Wissen darum allen Frankfurtern derartig geläufig, dass es gar nicht mehr aufgeschrieben werden muss. Die technisch versierten unter uns befragten das Smartphone, ich, ganz ohne ein solches, nahm derweil noch einen Löffel von der “Grie Soß” auf meine Kartoffeln und wusste genau, in welcher Ecke des Foodblogger-Universums ich nachschauen müsste. 
Julia, das Frankforter Määdsche von German Abendbrot, hatte nämlich schon vor Langem ihr Nationalgericht gebloggt und mit einem Schlusssatz versehen, über den ich immer grinsen musste: Niemals nicht Dill! Sonst droht Ärger mit Oma Marga! 
Mit derartigem Insiderwissen gewappnet wagte ich einen Ausfall auf den heimischen Wochenmarkt. 500 Kilometer nördlich von Frankfurt ist das tatsächlich ein Wagnis! Während Petersilie, Schnittlauch und Kresse kein Problem darstellten und Kerbel im besser sortierten Geschäft vorhanden war, erhaschte ich eher durch Zufall ein Töpfchen Sauerampfer. Immerhin. Fünf von sieben erforderlichen Kräutern befanden sich nun in meinem Besitz. Pimpinelle und Borretsch hingegen… Dazu muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht einmal wusste, wie beides aussehen sollte.
Letztlich hat es wenigstens mit der Pimpinelle geklappt, und mit Julias Segen habe ich die Jagd nach Borretsch abgebrochen. Pimpinelle ist übrigens ein ausnehmend hübsches Kräutlein, das im Topf den Balkon ziert. Wahlweise auch Saucenkellen.
Mit der Frankfurter Grie Soß verhält es sich wie mit Kartoffelsalat: Jede Familie hat ihr eigenes Rezept, und jedes ist selbstredend das Einzig Wahre. Wenigstens über die Wahl der sieben Kräuter scheint man sich in Frankfurt einig zu sein, nur mit der Gewichtung halten die Frankfurter hinterm Berg. Ich habe mich in etwa an Julias Vorgabe gehalten, und so ganz ohne Borretsch setze ich das “Frankfurter” in der Grünen Soße wohl mal lieber in Klammern. Nicht, dass ein Protesthagel auf einen Unwissenden herniedergeht.
(Frankfurter) Grüne Soße
insgesamt 250g Kräuter, bestehend aus:
Petersilie
Schnittlauch
Kerbel
Kresse
Sauerampfer
Pimpinelle
Borretsch
… wobei die einzelnen Mengen von Geschmacksvorlieben und Vorhandensein abhängen.
2 hartgekochte Eier
1 TL Senf
1 EL neutrales Pflanzenöl
1 EL heller Essig
1 Becher (200g) saure Sahne, evtl. zusätzlich Joghurt
Salz & Pfeffer

:: Kräuter waschen und trockenschleudern. Grob hacken. Eier pellen und ebenfalls hacken. Kräuter, Eier, Senf, Öl und Essig pürieren – alternativ Kräuter und Eier feinst hacken und mit Senf, Öl und Essig mischen.
:: Sauerrahm unter das Kräuterpürree ziehen, salzen und pfeffern. Mindestens 30 Minuten ruhen lassen. Wenn die Soße zu fest ist, 1 bis 2 EL Joghurt unterrühren. Sie sollte auf keinen Fall flüssig sein.
:: Nach der Ziehzeit noch einmal mit Salz und Pfeffer und nach Bedarf mit Öl und Essig abschmecken.
Schmeckt köstlichst zu neuen Kartofffeln, zu Rindfleisch und zu Spargel!

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Donnerstag, 17. Mai 2012

10 Gedanken zu „(Frankfurter) Grüne Soße

  1. Julia

    Das ist absolut klassisch. Deshalb bekommt die Köchin auch den Titel “Hesse ehrenhalber”! Ich freue mich sehr über so viel Begeisterung. Jetzt fehlt nur noch ein Aeppelwoi- Tasting und zum Nachtisch Handkaes mit Musik! ;-) Melde Dich, wenn Du in der Gegend bist!

    1. Katharina

      Ich bastel mir gleich selbst einen Award, Julia! Aber ich hatte ja auch eine gute Vorlage.
      Und der Aeppelwoi… sagen wir, er hatte durchschlagende Wirkung. :-)

  2. Considerations

    Oh das hoert sich aber sehr lecker an und sieht auch lecker aus! Nun muss ich mal gucken ob ich die ganzen Kraeuterchen hier in Florida finde… *gruebel*
    Liebe Gruesse!

  3. grain de sel

    Komisch, habe ich noch nie gemacht, die klassische grüne Sauce – aber mein Habib wird sie lieben. Und dann noch mit den gekochten Eiern, auch ne gute Idee…
    Gell, Pimpinelle ist schön, allein das Wort schon! Den mag ich auch. Borretsch blüht vorallem schön, das wars.

  4. Die Schwanis

    Klingt echt lecker, liebe Katharina! Ich liebe ja Kartoffeln in sämtlichen Variationen, da passt das bestimmt prima!

    Wünsche dir noch einen schönen Abend! VG, Melanie…

  5. shoppingbabies

    Liebe Katharina,

    deine Interpretation der Grie Soß ist wirklick ein Augenschmaus. Ich, selbst ein Frankfurter Mädchen, habe mir noch nie die Arbeit gemacht und die Kräuter einzeln gekauft – vielmehr hole ich mir die wunderbare Kräutermischung immer frisch und gerollt vom Wochenmarkt, aber das gibts halt (leider) nur hier…

    Ich wünsche dir weiterhin frohes Kochen und sende dir liebe Grüße aus dem aktuell regnerischen Frankfurt.

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