Dienstag, 19. Juni 2012

Gebackener Tofu mit Sesamspinat und Möhrenstiften

Wenn ich anderen erzähle, dass wir daheim sehr wenig Fleisch essen, kommt ganz oft die Frage, “und was esst ihr dann? Tofuwürstchen?” Ein Schenkelklopfer. Um die Wahrheit zu sagen verläuft bei diesem Thema ein tiefer Grat zwischen dem Gatten und mir: er mag die Dinger, ich kann sie nicht ausstehen. Es gibt genau eine Ausnahme, in der ich Tofu als “Wurstersatz” mag: nämlich in der veganen Leberwurst, die es bei Feines Gemüse und The Vegetarian Diaries kürzlich zu sehen gab. Ansonsten finde ich es eher seltsam, wenn man sich entscheidet, kein Fleisch essen zu wollen und dann mit Tofu & Co. versucht, den Geschmack zu imitieren, und doch meistens kläglich scheitert.
Tofu gebacken mariniert Möhrenstifte Sesam Spinat Sesamöl
Insgesamt stand ich mit Tofu sehr lange auf Kriegsfuß, meine ersten Erlebnisse waren nämlich  weniger erfolgreich: Während meines Praktikums in Frankreich hatte eine chinesische Praktikantin uns alle zum chinesischen Essen eingeladen, das sie selbst zubereitet hatte. Sie hatte sich unglaublich viel Mühe gegeben, hatte alle Spezialitäten ihrer Region vorbereitet und bestimmt Tage vorher  begonnen zu kochen. Leider traf all ihre Mühe auf einen Haufen verwöhnter Mitteleuropäer, die unter chinesischem Essen “1x die Nr. 17 süß-sauer und scharf” verstanden. Mich selbst mit eingeschlossen.
Die arme Chen musste also zusehen, wie wir meist in unseren Schälchen umherstocherten, uns dafür auf Frittiertes warfen (das kannten unsere Zungen!), die tausendjährigen Eier als Mutprobe aßen (zugegeben, sie waren widerlich) oder eben den Tofu kurz probierten und dann zur Seite schoben. Zehn Jahre später tut mir das wirklich Leid, für Chen, aber auch für mich, denn so schnell bekommt man nun wirklich nicht die Chance, authentische Gerichte zu probieren.
Sojasauce Tofu gebacken Spinat Sesam
Lange Jahre waren die diplomatischen Beziehungen zwischen mir und Tofu eher unterkühlt, irgendwann allerdings verlangte ein sonst sehr spannend klingendes Suppenrezept den Einsatz des “weißen Zeugs”. Ich ergab mich, und, siehe da, wir begruben das Kriegsbeil und vertragen uns seither.
Diese Variante ist hauptsächlich koreanisch inspiriert, vor einiger Zeit kaufte ich das Buch “Koreanisch vegetarisch” von Armin Möller, aus dem ich zwar leider noch nicht viele Gerichte gekocht habe, dafür aber die Möhrenbeilage um so öfter. Fein geschnittenes Gemüse in Sesamöl zu braten und dann mit etwas geröstetem Sesamöl zu beträufeln ist wirklich köstlich. Zusammen mit Sesamspinat und dem würzig-knusprigen Tofu aus dem Ofen ein leichtes Gericht für zwei.
Tofu Marinade Sesamspinat Möhren Sesamöl Sojasauce
Gebackener Tofu mit Sesamspinat und Möhrenstiften
FÜR DEN TOFU:
200g Natur-Tofu
2 EL geröstetes Sesamöl
2 EL helle Sojasauce
1 EL Reisessig
3 TL Honig oder Sirup (wer Zucker meiden will, lässt das einfach weg)
1 Knoblauchzehe
1 kleine Zwiebel
FÜR DIE BEILAGEN: 
1 EL Sesamsamen
etwas Sesamöl zum Braten
4 Möhren
1 Frühlingszwiebel
2 Handvoll Spinat
geröstetes Sesamöl zum Beträufeln
Salz, Pfeffer
:: In einer flachen Auflaufform das geröstete Sesamöl, Sojasauce, Reisessig und (falls verwendet) Honig oder Sirup miteinander verrühren. Knoblauch schälen und fein hacken, die Zwiebel schälen und in schmale Streifen schneiden. In die Marinade mischen.
:: Tofu in etwa 1/2cm dicke Scheiben schneiden und in der Sauce etwa 30 Minuten marinieren lassen, dabei mehrfach wenden, so dass alle Seiten bedeckt sind.
:: Backofen auf 200°C vorheizen. Die Tofu-Scheiben aus der Marinade nehmen auf ein Backblech legen, dann auf jeder Seite etwa 15 Minuten backen, insgesamt also 30 Minuten.
:: Währenddessen die Sesamsamen in einer Pfanne ohne Fett anrösten, bis sie springen und duften. In ein Schälchen umfüllen und abkühlen lassen.
:: Die Möhren schälen und in schmale, etwa 5cm lange Stifte schneiden. Die Frühlingszwiebel putzen und in Ringe schneiden, vor allem das Grün. Spinat gut waschen und trockenschleudern.
:: Einen Spritzer Sesamöl in der Pfanne erhitzen und die Möhrenstifte bei mittlerer Hitze darin anbraten, bis sie etwas weich geworden sind, vielleicht 5 Minuten. Dann die Zwiebelringe zugeben und mitdünsten. Die Karotten sollten noch Biss haben. Salzen und leicht pfeffern.
:: Parallel dazu etwas Sesamöl in einer zweiten Pfanne erhitzen und den Spinat darin bei mittlerer Hitze zusammenfallen lassen, bis er weich ist. Leicht salzen und pfeffern.
:: Spinat mit etwas Sesamsamen bestreuen. Spinat und  Möhrenstifte mit einem Spritzer geröstetem Sesamöl beträufeln, dann zusammen mit dem gebackenen Tofu servieren.

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Dienstag, 19. Juni 2012

5 Gedanken zu „Gebackener Tofu mit Sesamspinat und Möhrenstiften

  1. Christina

    ich liebe tofu auch sehr. allerdings nur als TOFU. nicht als bratwurst oder so.
    ganz tolles zeug. und das hier hört sich köstlich an!

  2. Phanit

    Liebe Katharina, ich liebe Tofu auch sehr, und genauso wie Du lieber Tofu “pur” als Tofu das wie Wurst oder Kaese schmeckt und auch noch so aussieht :) Bei uns in Thailand wird Tofu auch ganz oft zusammen mit Fleisch serviert, ist also nicht nur fuer Vegetarier. Als Kind konnte ich Tofu gar nicht leiden, meine arme Mama hat das ganz oft ohne Erfolg serviert. Aber sie hat nicht aufgegeben und es hat sich gelohnt – nun liebe ich Tofu in allen Formen und Dein Rezept sieht unheimlich lecker aus! Wird gespeichert und nachgekocht!
    Liebe Gruesse, Phanit

  3. Manon

    Ich verstehe genau was du meinst. Bin zwar nicht mal vegetarisch, esse aber viel so, einfach weil es passt und mir gut schmeckt. Aber ich werde nie verstehen, warum man als Vegetarier versucht die perfekten Schnitzel / Würstchen etc herzustellen!

    (Wobei ich zB die Seitanwürstchen ausm Alnatura ab und an kleinschneide und in Salat mit dazugebe, da schmeckts echt gut!)

  4. foodandtravel

    Juhu, endlich mal ein paar Tofu-Anhänger! Ich finde auch, dass Tofu völlig zu unrecht einen schlechten Ruf hat! Auch ich bin kein Vegetarier, kann diesem wandelbaren Lebensmittel aber jede Menge abgewinnen! Besonders in der asiatischen Küche (danke für das schöne Rezept, Katharina!) darf Tofu bei mir nicht fehlen.

    LG
    Carina

  5. Miss Jenny

    Liebe Katharina,

    ich bin auch ein großer Fan der asiatischen Küche, ich entdecke immer mehr tolle Rezepte auf deinem Blog! Koreanisch ist wirklich eine besondere Küche, ich mache manchmal (mit einer Würzmischung) Kimchi selbst! Und meinen Gurkensalat mache ich schon lange koreanisch, d.h. mit Sojasoße und Sesamöl eingelegt und mit Sesam bestreut.
    Falls du mal eine Inspiration brauchst, schau dir mal mein letztes Lieblingsrezept an: Miso-Ingwer-Hühnchen:
    http://genuss-und-versuchung.blogspot.de/2012/06/keine-zeit-zum-kochen-von-donna-hay.html
    Vor kurzem habe ich das Rezept auch ohne Hühnchen, dafür mit Tofu gemacht: http://genuss-und-versuchung.blogspot.de/2012/06/vegane-ernahrung-leicht-gemacht-vegane.html Falls du lieber wieder Tofu verwenden möchtest. Falls du einen konkreten Rezepttip für mich hast, immer gerne her damit!
    Liebe Grüße, Miss Jenny

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