Goin‘ naked.

Mein Weg durch den Kosmetik-Dschungel. 

Oder: Der Versuch, vom Werbeopfer zum Selbstbestimmer zu werden.

 

 

Update vom 11.06.2012

To soap or not to soap: Haare waschen mit Aleppo-Seife.

 

Alle zwei Tage Haarewaschen statt der täglichen Shampooniererei hat in den letzten Wochen recht gut funktioniert und mir jeden zweiten Tag ein paar Extra-Minuten kostbaren Schlaf geschenkt. Man sollte also meinen, ich könnte mich zufrieden geben mit dem bisher Erreichten, statt nach höher, schneller, weiter zu streben.

Doch zufrieden geben ist schwierig in Zeiten des Web 2.0, wenn die Lösungen all Deiner (Haut-)Probleme nur einen Link entfernt ist, wenn der nächste Blog oder das nächste Forum die Knüller-Idee oder das Zauberprodukt enthält. In der Regel ist das großartig, denn so müssen wir uns nicht auf die scheinheiligen Versprechen der Werbung verlassen, mit wenigen Klicks finden wir auch die Bewertung durch andere User, meistens sogar ehrliche, nicht gesponserte Meinungen. Doch, ich finde das wirklich toll. Leider enthebt einen das nicht davon, seine eigenen Erfahrungen machen zu müssen, denn ebenso wenig wie die Mascara, die meiner Freundin HAMMERwimpern beschert, das gleiche auch bei mir fabrizieren muss, ebenso wenig ist es garantiert, dass mich die Creme, auf die meine Kollegin schwört, glücklich und zufrieden macht.

 

Also frisch ans Werk und getestet. Nachdem das Badregal konsequent aussortiert, der Gebrauch von Duschgel minimiert und Gesichtscreme durch Arganöl ersetzt wurde, sollte es nun dem Shampoo an den Kragen gehen. Die Wunderwaffe hieß Aleppo-Seife. Rein natürliche Bestandteile, eine tradionelle Reinigung für Haut und Haar mit jahrtausendelanger Geschichte. Dass ich den „seifigen“ Geruch nach Lorbeer und Olivenöl sehr gern mag, war ein zusätzliches Plus. Love of a lifetime?

 

Leider nicht. Die Seife schäumte zunächst schön auf und ließ sich gut in den Haaren verteilen, aber schon beim Ausspülen kamen mir Zweifel, sie fühlten sich irgendwie…. glitschig an. Sie ließen sich sehr einfach kämmen, aber beim Fönen kam das böse Erwachen: zum einen dauerte das Föhnen viel länger als sonst, zum anderen sahen sie danach aus, als hätte ich eine Flasche Öl über meinen Kopf gegossen und hingebungsvoll verteilt. Von Reinigung keine (sichtbare) Spur, wenigstens waren sie sehr griffig und ein improvisierter Knoten am Oberkopf ließ sich gut bewerkstelligen. Die Gebrauchsanweisung, die ich selbstredend ignoriert und dann doch aus dem Papierkorb fischte, sprach davon, dass sich die Haare in der ersten Zeit umstellen müssten und etwas strähnig werden könnten. „Etwas“ war eine leicht Untertreibung, doch ich wollte es unbedingt, und so lautete mein Mantra Augen zu und durch, für ganze 5 Haarwäschen. Danach hatte ich zumindest den Dreh mit dem Hochstecken perfektioniert. Denn leider blieb trotz gründlichen Ausspülens und einer ausgiebigen Spülung mit saurer Rinse aus Apfelessig und Wasser das Ergebnis das gleiche: Strähnig, ölig, unansehnlich.

 

Vielleicht liegt es an meinen Haaren, vielleicht sind sehr feine, weiche Haare nicht für Alepposeife geeignet. Doch die Foren und Blogs erzählen andere Geschichten, deshalb bleibt ein Hoffnungsschimmer. Allerdings fühle ich mich unwohl, wenn ich morgens ins Büro gehe und Tag für Tag mit scheinbar unsauberen, strähnigen Haaren erscheine. Meine Shampoo-Wäsche heute morgen war die reinste Erlösung.

 

Benutzt Ihr Seife zum Haarewaschen? Besteht Hoffnung? Ist die Lage ernst, aber nicht aussichtslos?

 

 

 

 

Update vom 07.05.2012

No News is… no news.

 

Hui. Es ist doch tatsächlich 6 Wochen her, dass ich ein Update gepostet habe. Aber wie heißt es – no news is good news. Wobei in meinem Falle no news einfach nur no news sind. Nichts Neues.

 

Nur, das stimmt so nicht ganz. Ich versuche gerade etwas Neues, und ich habe ein Buch gelesen, von dem ich mir einiges versprochen habe.

 

Das Neue ist Arganöl. So oft hatte ich schon darüber gelesen, es dann aber doch nie gekauft, ich wusste ehrlich gesagt auch nicht wirklich, wo. Vor ein paar Wochen gab ich mir dann einen Schubs, oder sollte ich sagen, einen Klick? und bestellte das Öl via Internet. Es kam, ich öffnete voll Spannung – und schreckte erst einmal zurück. Es….. riecht. Es riecht ziemlich stark. Und ziemlich unangenehm. Das sollte also die Wunderwaffe sein gegen alle Zipperlein der Haut? Zweifel. Ich dachte an das Arganöl, das meine Friseurin mir und vor allem dem Mann immer aufzuschwatzen versuchte – das roch durchaus angenehm, aber dann erinnerte ich mich, dass das Friseurprodukt von Kérastase war. Kurzer Suchmaschinencheck: Cyclopentasiloxane undDimethiconol ganz vorn dabei. Zwei Silikone also, ein Lösungsmittel und ein Weichmacher. Und wollen wir wetten, dass von Arganöl nur eine Spur enthalten ist? Ach ja, Parfum war auch darin enthalten, daher der schöne Duft. Das gehypte Moroccanoil ist wohl nicht viel besser…

Also pures Arganöl. 

Der, ähem, Geruch verfliegt zum Glück nach kurzer Zeit, und danach ist das Öl absolut angenehm zu tragen. Ich habe noch keine gesicherten Erkenntnisse, ob es etwas hilft, aber eine Unterversorgung der Haut kann ich nicht beklagen. Das Öl hat mich zumindest schon mal ohne Austrocknungszustände über ein paar Messe-Tage in Hallen mit trocknener Luft gebracht, und das ist mehr, als ich bisher von jeder normalen Hautcreme sagen kann. Und ich gehe seit Jahren tagelang auf Messen. Ich teste weiter, auch beruhigt dadurch, dass eine kurze Recherche ergab, dass mein Öl keineswegs schlecht oder ranzig ist (auch wenn es so riecht), offensichtlich ist das normal, andere berichteten auch von olfaktorischen Nebenwirkungen.

 

Die Erinnerung an das Arganöl wurde unter anderem auch durch dieses Buch aufgefrischt: „No More Dirty Looks“ von Siobhan O’Connor und Alexandra Spunt. Durch Zufall fand ich den Blog der beiden, und da ich mich gerade auf einer dermatologischen Talfahrt befand, fühlte ich mich sofort angesprochen und bestellte flugs das Buch. Nun. Ich hatte mir einiges versprochen. Nicht alle Erwartungen wurden enttäuscht, aber längst auch nicht alle erfüllt. Das Plus: Bösewichte werden beim Namen genannt, Phthalate kriegen ebenso Schelte wie PEGs. Das Minus: Ich bin 32, nicht 12. Auch auf Englisch kann man mit mir reden wie mit einer erwachsenen Person, nicht wie mit einem Teenager. Darüber liest man als Nicht-Muttersprachler hinweg, nicht aber darüber, dass das Buch, genau wie der Blog, eigentlich eine einzige große Werbetafel ist, für all die „products we love“. Das ist schön und gut, sicherlich ist es hilfreich, Produkte zu empfehlen, die hautfreundlich und „clean“ sind, aber eins kann ich Euch sagen – den Geldbeutel cleanen die Sachen auch. Sehr sogar. Ich verstehe schon, dass (ähnlich wie Bio-Lebensmittel) gute Kosmetik nicht für fuffzich Cent zu haben ist, aber ein Gesichtstonic für 50 Euro? Shampoo für 38? 

Von dem, was am Anfang des Buches noch sehr authentisch und sympathisch rüberkam, war am Ende nicht mehr viel übrig, die Attacke auf konventionelle Kosmetikprodukte und das (schmunzelnde) Verständnis der Autorinnen für das Gefühl, das Badregal jetzt radikal räumen zu müssen und jede Flasche zu inspizieren, wich irgendwann der Reklame für vielleicht wirklich gute, aber nicht minder teure Cremes und Öle. Die Tips zum Thema DIY-Kosmetik, die eigentlich der Anlass für den Kauf des Buches waren, sind mit der Verwendung von Natron und Honig auch schon erschöpft. Darauf hätte ich auch selbst kommen können.

Das Buch enthält am Ende eine Liste der gängigsten No-Go-Inhaltsstoffe, von denen ich eine Kopie gezogen  und in der Handtasche mit mir umher getragen habe. Hahaaa! dachte ich, jetzt rücke ich Euch auf den Leib, ihr miesen INCIs, jetzt wird’s spannend! Nun ja, vielleicht ist es der EU und ihren Regularien geschuldet, aber nur ganz wenige der Inhaltsstoffe auf der Liste fanden sich auf einem tatsächlichen Produkt, und ich habe wirklich geschaut.

Insofern…. interessant, aber nicht lebensnotwendig, das Buch.

 

Und Ihr so? Gibt es neue Erkenntnisse bei Euch? Oder habt Ihr eine wirklich gute Literaturempfehlung?

 

 

Ältere Posts findet Ihr übrigens HIER.

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