Mittwoch, 5. Januar 2011

Heringssalat wie bei meiner Mecklenburger Oma


Dies wird ein kulinarischer Nachruf…

In den letzten Stunden des vergangenen Jahres ist meine Omi verstorben, was mich in seiner Plötzlichkeit doch ziemlich geschockt hat. Jetzt hänge ich meinen Gedanken und Erinnerungen an sie nach, den schönen, naja, und auch den paar weniger schönen. Aber das Hirn ist ein wunderliches Ding, und so gewinnen die schönen Erinnerungen natürlich die Oberhand. Und das ist gut so! Denn in gewisser Weise ist es auch ihr zu verdanken, dass ich gern soviel Zeit in der Küche verbringe, neue Sachen ausprobiere und mit Hingabe Torten backe.

Als früher Teenager hatte ich dazu eher ein ambivalentes Verhältnis, denn einerseits hab ich oft Rezepte mit meiner Großmutter getauscht (ich hatte eher „so modernen Kram“ aus den Frauenzeitschriften der frühen 90er), andererseits habe ich mich auch unheimlich gepestet, wenn sie meine Kochkünste dann mit dem Ausruf „Wie eine richtige kleine Hausfrau!“ quittiert hat. Was hab ich das gehasst! Will eine 13jährige so genannt werden? Ich glaube kaum! Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass das aus ihrer Sichtweise und in ihrer Welt ein ziemliches Lob war, denn ihr Haushalt ging ihr über alles.

Und jetzt….. naja, ich hätte sie gern noch einiges gefragt. Wie man so einen unglaublich schokoladigen Schokoladenpudding hinbekommt. Wie das mit der Kirschgrütze geht. Wie sie die „Eistüten“ so bruchsicher aufgerollt bekommen hat. Wie die Zitronencremeschicht für die Bisquittorte funktioniert. Was das wirkliche Geheimnis der Kartoffelsalatsauce ist, denn die schmeckt bei mir nie so gut wie bei ihr. Und wie der Pflaumenkuchen so saftig wird, ohne dass der Hefeteig matschig ist.

Das folgende Rezept stammt auch von ihr, und ist die perfekte norddeutsche Mischung aus süßlich und salzig und gleichzeitig säuerlich. Quasi Hering süß-sauer auf mecklenburgisch.

Wie bei den meisten Rezepte von Omi gibt es keine „richtigen“ Mengenangaben. Als sie mir das Rezept vor ein paar Monaten am Telefon sagte, hörte sich das ungefähr so an: „naja, Du kochst Kartoffeln, und dann nimmst Du hartgekochte Eier, und dann gewürfelten Hering, aber keinen Matjes, hörst Du, der schmeckt da nicht, ach ja, und Gurken und rote Beete – und einen Löffel Öl, dann glänzt es so schön…“

Ach Omi, ich werd Dich vermissen!



Heringssalat



Hier im Folgenden sind die Mengen, die ich für eine mittelgroße Schüssel, die so ungefähr 2 Liter fasst, genommen habe.

4 festkochende mittelgroße Kartoffeln
2 Eier
1 Glas Bismarck-Heringe (in meinem Glas waren 3 Stück)
2 kleine Zwiebeln
4 eingelegte Gurken (Cornichons o.ä.), plus Gurkenwasser
1 Apfel
1 kleines Glas Rote Bete, plus etwas „Rote-Bete-Saft“
Salz, Pfeffer
1 EL Öl

:: Kartoffeln mit der Schale kochen. Eier hart kochen.

:: Die Kartoffeln abgießen und pellen, auskühlen lassen, dann in Scheiben schneiden. Eier abschrecken, pellen und würfeln.

:: Die Bismarckheringe in Stückchen schneiden. Die Zwiebeln fein würfeln, Gurken in Scheibchen schneiden, den Apfel entkernen und würfeln, die Rote Bete ebenfalls würfeln (Achtung, Rote-Finger-Alarm! :-))

:: Kartoffeln, Eier, Hering, Zwiebeln, Gurke, Apfel und Rote Beete vermischen, etwas Gurkenwasser und Rote-Bete-Saft darüber gießen, den Esslöffel Öl dazugeben, einmal durchmischen und eine Weile, am besten sogar über Nacht, ziehen lassen.

:: Dann noch mal mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dazu: eine dicke Scheibe Schwarzbrot, ein bisschen Petersilie oder Dill – und noch’n Köm dabei, und die Welt ist in Ordnung!

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Mittwoch, 5. Januar 2011