Freitag, 13. Dezember 2013

Mecklenburger Götterspeise: Ein entstaubter Klassiker aus meiner Kindheit

Das folgende Gespräch fand in etwa so im Jahr 2010 statt. Am Telefon. Mit meiner Oma. Wie heißt es immer in den Fernseh-Reportagen? “Gedächtnis-Protokoll”. Und es steht quasi stellvertretend für so ziemlich alle Rezept- und Kochunterhaltungen, die ich je mit meiner Oma geführt habe – sie könnten auch alle unter der Rubrik “Maßangaben sind was für Feiglinge” aufgeführt werden. Nur beim Backen, da war sie sehr genau. Allerdings konnte sie auch aus der Hand geschüttelt 100 Gramm Butter abstechen und 200 Gramm Mehl quasi blind abwiegen. Mecklenburger Götterspeise

Folgendes also trug sich am Telefon zu:
Katharina: “Du Omi, ich wollte gern die Mecklenburger Götterspeise zum Nachtisch machen. Wieviel nimmst Du da immer von allem?”
Omi Ilse: “Och, das ist ganz leicht: Schwarzbrot fein zerreiben, schön mit Kakao und Zucker und ordentlich Weinbrand vermischen, und dann mit angedickten Kirschen und geschlagener Sahne schichten.”
Katharina: “Hm, das ist schon mal gut. Aber… wieviel Schwarzbrot? Und Kakao? Und Kirschen?”
Omi Ilse: “Naja, soviel wie du brauchst eben. Musst du gucken.”
Katharina (zweifelnd): “Okaaaay… na, ich bekomme das schon hin.”
Omi Ilse (sehr zuversichtlich): “Das ist doch ganz einfach, das kann gar nicht schief gehen!” Mecklenburger Götterspeise

Am Ende hatte sie natürlich recht. Es war ganz einfach und ging nicht schief. Die größte Schwierigkeit bestand darin, vernünftiges Schwarzbrot zu bekommen, so eines, wie es in meiner Kindheit immer gab: dunkel und aus Vollkornmehl, aber ohne Sonnenblumen- oder sonstige Kerne. Der Einfachheit halber habe ich auf Pumpernickel umgeschwenkt, das kommt dem ganzen geschmacklich am nächsten. Genau genommen verschiebe ich meine Götterspeise damit ein paar hundert Kilometer südwestlich, denn klassisch mit Pumpernickel wird sie in Westfalen zubereitet, womit sie folgerichtig zu Westfälischer Götterspeise  wird.
Ich verbinde mit diesem Schichtdessert fest zwei Dinge: Meine Kindheit an der mecklenburgischen Ostseeküste -  und die Weihnachtszeit. Götterspeise war ein typisches Dessert für die kalte Jahreszeit und schmeckte am besten nach dem Neujahrsessen.

Deswegen habe ich Omas Klassiker aus der Klassiker-Schublade hervorgeholt, etwas weihnachtlich aufgepeppt – und reiche das noch very last minute bei Julias Event “Entstaubte Klassiker” ein.

eventMecklenburger Götterspeise

Mecklenburger (oder auch Westfälische) Götterspeise

Für 2 ordentliche Dessertportionen – die Menge ist quasi beliebig erweiterbar, da hatte Oma Ilse schon recht. Bei uns wurde sie üblicherweise in eine große Schüssel geschichtet, aus der dann serviert wurde.

2 Scheiben Schwarzbrot ohne Körner, idealerweise altbacken – alternativ Pumpernickel (ca. 100g)
1-2 EL Kakaopulver
2 EL Weinbrand oder Rum (oder, wenn Kinder oder Schwangere mitessen: 2 EL Wasser mit Rumaroma gemischt)
1/2 TL Zimt
2 TL Süße, bei mir Sukrin Gold*
200g gefrorene Sauerkirschen (im Original Schattenmorellen aus dem Glas)
1/2 TL Lebkuchen – oder Spekulatiusgewürz (oder einfach Zimt)
2-3 TL Süße, bei mir wieder Sukrin Gold
1 TL Speisestärke
100ml Schlagsahne
1 Prise gemahlene Vanille
ggf. Schokolade zum Dekorieren

:: Schwarzbrot oder Pumpernickel fein zerkrümeln und mit Kakao, Zimt, Schnaps oder Aroma+Wasser und Süßmittel vermischen. Etwa eine Stunde durchziehen lassen. (Es kann auch wesentlich länger ziehen, das Dessert lässt sich dahingehend gut vorbereiten.)

:: Derweil die gefrorenen Sauerkirschen mit Lebkuchen- oder Spekulatiusgewürz und Süße über kleiner Flamme auftauen und zum Kochen bringen. Den austretenden Saft mit Speisestärke binden, abschmecken und abkühlen lassen.

:: Schlagsahne mit gemahlener Vanille steif schlagen.

:: Jetzt schichten: Schwarzbrot auf den Boden der Gläser streuen, mit Kirschen bedecken und mit Sahne beklecksen. Dann jeweils noch eine Runde Schwarzbrot, Kirschen und Sahne daraufgeben. Mit einer Kirsche und evtl. etwas gehackter Schokolade verzieren.

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Freitag, 13. Dezember 2013

9 Gedanken zu „Mecklenburger Götterspeise: Ein entstaubter Klassiker aus meiner Kindheit

  1. Julia

    Oh, ein dicker Weihnachtsgruß an alle Großmütter, die wunderbare Speisen aus den Handgelenken schütteln. Du erinnerst Dich vielleicht an ein ähnliches Gespräch mit meiner Oma: “Oma, wie macht man Rhabarberkuchen?” “Ei, Kind, da machste Teig und obedruff de Rhabarber!” “Hmm… Ja. Und wie genau??” :) Danke für’s Last-minute-Mitmachen. Gefällt mir sehr, Dein errötendes Mädchen, wie man das Ganze in Norddeutschland nennt…

  2. Hannah

    Sieht das toll aus! Die Kombination mit dem Schwarzbrot/ Pumpernickel finde ich total spannend, das habe ich noch nie gehört -> Wird getestet und dann vielleicht das Weihnachtsdessert :)

    Rezeptnachfragen laufen mit meiner Oma übrigens ziemlich genauso ab, wenn sie denn mit dem Rezept rausrückt. Ich wohne noch in lockerer Fahrdistanz zu meinem Elternhaus mitsamt Oma (knappe 45 min), deshalb verrät sie mir manchmal ihr Rezept nicht sondern sagt nur “Des mach ich einfach wenn du es nächste Mal herkommst!”. So werde ich ganz perfide nach Hause gelockt :D

  3. Sugarprincess

    Meine Oma Annemarie ist auch Mecklenburgerin und ist leider schon lange im Himmel, so daß ich sie nicht mehr nach ihren wunderbaren Rezepten fragen kann. Als Kind habe ich danach nicht bewußt gefragt, aber immer habe ich in ihrer duftenden Küche gesessen und ihr bei der Zubereitung ihrer vorzüglichen Speisen und Backwerke zugesehen. Und das beeinflusst mich bis heute… Danke für dies schöne mecklenburgische Dessert und liebe Grüße! Yushka

  4. Johanna

    Ich kannte bis jetzt nur den Sommernachtisch “Schwarzbrotschichtspeise”: mit Kakao und Zucker angeröstete Schwarzbrotkrümel, drüber rote, schwarze und weiße Johannisbeeren, darüber süsser Quark mit Milch und obendrauf eine Staubschicht Kakao. Ich liebe, liebe, liebe das im Sommer und freue mich riesig, dass es anscheinend auch eine winterliche Entsprechung dafür gibt, sobald die Feiertage rum und die Läden wieder offen sind, werde ich das ausprobieren. Danke :)

  5. Susanne

    Hach! Westfälische Götterspeise oder Rote Grütze – ich liebe sie! Ganzjährig! Bei uns gibt es zu Weihnachten in Ostwestfalen familiär bedingt immer die “Schlesischen Mohnklöße”, auch so ein wunderbarerer Weihnachtsklassiker nach dem wohlgehüteten Rezept meiner verstorbenen Großmutter. Lecker!

  6. Isa

    Wie gut, dass ich hier in Istanbul eine verlässliche Pumpernickel-Quelle habe! Da kann ich das gleich mal ausprobieren…

  7. Luke

    Dieses Rezept ist wirklich ein Klassiker. Vielen Dank für diese Rezept . Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren.

  8. Christine

    Hallo, mein Rezept von Mecklenburger Götterspeise geht so und ist prima.
    Mecklenburger Landbrot wird gerieben, sowie Blockschokolade und dann mit Kirschwasser parfümiert und 24 Stunden kaltgestellt. Das getränkte Brot wird schichtweise mit angedickten Kirschen und geschlagener Sahne (mindestens 2 Schichten) in wunderschöne Gläser gefüllt und ausdekoriert.
    Christine, 10.Januar 2014

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