Sonntag, 10. Juli 2011

Omi-Ilse-Kuchen

Wir haben ja nicht viel Alkohol im Haus, muss ich sagen. Klar, die obligatorische Flasche Ouzo. Und einmal Wodka, für meinen Lieblings-Longdrink, den Moscow Mule. Und ein oder zwei Flaschen Wein. Aber damit hat sich’s eigentlich. Was aber immer da sein muss, immer, ist eine Flasche Eierlikör. Jup, Eierlikör. Nicht, dass ich den trinken würde, das passiert nur im Winter beim Skifahren auf einer Almhütte zusammen mit Milch und viel Schaum. Nein, die Flasche Eierlikör ist da, wenn ich mal ganz dringend Omi-Ilse-Kuchen backen muss. Oder will.
Der Kuchen heißt eigentlich Eierlikör-Schoko-Kuchen, aber er ist für mich so felsenfest mit meiner Großmutter verbunden, dass ich ihn kurzerhand umgetauft habe. Dabei gäbe es andere Torten und Kuchen, die sie mit einer derartigen Perfektion gebacken hat, die wahrscheinlich eher auf ihren Namen getauft werden sollten, aber ich habe jederzeit Schokoladen-Sahnetorte und Nuss-Marzipan-Torte stehenlassen, wenn ich nur ein Stück von diesem Eierlikör-Kuchen haben konnte. Als ich von zu Hause auszog, gab sie mir das Rezept mit, und seither kann ich es im Schlaf.
Witzigerweise habe ich immer geglaubt, dass es sich um ein aaaaaaltes, uraltes Familienrezept handeln würde, gehütet und von Generation zu Generation weitergegeben… dem war nicht ganz so. Als mir mein Opa nach Omi Ilses Tod ihre Rezeptsammlung übergab, fand ich den Eierlikörkuchen nicht etwa handschriftlich, fast verblichen auf einer der ersten Seiten, nein – ich fand einen Ausschnitt aus einer Frauenzeitschrift, anno 1989. So also! Ich musste ziemlich grinsen. Das waren ja quasi die Foodblogs der damaligen Zeit, insofern war meine Oma topaktuell.
Aber ICH habe fest vor, ein Familienrezept daraus zu machen und es irgendwann mal weiterzugeben.
Darauf ein Likörchen – prost, Omi Ilse! Love you & miss you.
Deswegen ist es heute ein sentimentales Sonntagssüß, und viele andere Ideen gibt es bei Lingonsmak.

 
Omi Ilses Eierlikör-Schokoladen-Kuchen

Ein sehr variantenreicher Kuchen. Die Originalmenge mit 5 Eiern (s.u.) reicht für eine 26-cm-Kranzform oder für ein normalgroßes Backblech, hier habe ich den Teig für eine 30x30cm-Backform berechnet.
Außerdem lässt er sich als Blechkuchen ganz hervorragend mit Obst kombinieren, so z.B. mit abgetropfen Sauerkirschen oder halbierten Aprikosen. Die Früche auf dem Teig verteilen und mitbacken.
**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der Zucker lässt sich hier aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die verwendete Menge um 20-30% erhöhen würde, je nach Süßvorliebe. Allerdings enthält der Kuchen durch Eierlikör und Schokolade immer noch Zucker. Just saying…**

3 Eier
120g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
150ml Eierlikör
150ml neutrales Pflanzenöl 
180g Mehl
2 1/2 TL Backpulver (gestrichen)
1 Prise Salz
1 gehäufter EL Kakaopulver
50g Zartbitterschokolade, gehackt

:: Den Backofen auf 180°C vorheizen und das Backblech mit Backpapier auslegen.
:: Eier, Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, bis die Masse sich verdoppelt hat und schön fluffig und weißlich ist. Eierlikör und Öl dazugeben und unterrühren.
:: Mehl, Backpulver und Salz vermischen, dann langsam und unter Rühren zum Teig geben, nicht zu viel mixen, gerade, dass sich der Teig vermengt hat und kein Klümpchen mehr zeigt.
:: 2/3 des Teigs auf das Backblech geben. Unter das restliche Drittel das Kakaopulver rühren. Esslöffelweise große Klackse in den hellen Teig setzen, so dass der Teig schön gefleckt ist. Dann mit einem Löffelstiel durch den Teig fahren und ein paar Wirbel hineinrühren. Nicht zu sehr, helle und dunkle Teile sollen noch eindeutig als solche zu erkennen sein.
:: Gehackte Schokolade gleichmäßig über dem Teig verteilen.
:: 20 Minuten backen, dann gut auskühlen lassen.
Originalmenge für eine 26er Kranzform:
5 Eier, 200g Zucker, 1 Pck. Vanillezucker, 250ml Eierlikör, 250ml Pflanzenöl, 300g Mehl, 1 1/2 Pck. Backpulver, 1 Prise Salz, 2 EL Kakaopulver, 75g gehackte Zartbitterschokolade.
:: Zubereitung wie oben, dann 2/3 des Teiges in die gefettete Kranzform gießen und den Schokoladenteig gleichmäßig daraufgeben. Mann kann es verwirbeln für den klassischen Marmorkuchen-Effekt, aber ich mag es gern, wenn hell und dunkel voneinander getrennt sind und lasse das dann einfach so.

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Sonntag, 10. Juli 2011

10 Gedanken zu „Omi-Ilse-Kuchen

  1. Christina

    Ah, wie lecker! Ich mag Eierlikör pur auch gar nicht, aber sobald der im Kuchen verbacken ist, muss ich mich draufstürzen. :D

  2. Ina

    Also pur muss es nun nicht sein, insbesondere kein gekaufter… Aber dieser Kuchen sieht ja soooooowas von lecker aus! Ich glaube, da muss doch mal wieder Eierlikör ins Haus! ;)

    Liebe Grüße,
    Ina

  3. = lingonsmak

    ich liebe eierlikörkuchen und ja, auch zum walnusseis … der kuchen kommt auf meine rezeptliste!! liebe grüße!

  4. Katharina

    Hihi, finde ich auch – Eierlikör pur trinken geht gar nicht!!! :-) Aber im Kuchen selbst schmeckt man ihn nicht durch und er gibt dem ganzen Fluffigkeit und Saftigkeit. Ich weiß allerdings nicht, wie das mit dem Alkoholgehalt ist, ob er komplett rausbäckt. Deswegen serviere ich den vorsichtshalber nur, wenn keine Kinder dabei sind.
    Sonnige Grüße!

  5. Rosa Rood

    Hihi..ja auch hier immer Eierlikör im Hause…auch nie zum so trinken ;O)
    Dieser hört sich auch gut an..und sieht auch lekker aus :O)
    Groetjes,
    Maren

  6. Nora

    Uuuh… der sieht aber lecker aus. meine Omi hieß auch Ilse und war eine grandiose Bäckerin. Muss wohl am Namen liegen.
    Liebe Grüße, Nora

  7. Katharina

    @Maren: “LEKKER” ist genau das richtige Wort. :-)
    @Nora: Wahrscheinlich liegt’s am Namen! Wobei sie immer gern die Geschichte erzählt hat, dass die Eltern sich schon auf “Johanna” geeinigt und das der Familie verkündet hatten, ihr 8-jähriger Bruder dann aber vehement auf “Ilse” bestand. :-) )

  8. Irene

    toll sieht der aus, schade habe ich eben einen Blechkuchen aus dem Ofen geholt. Das nächste mal, und das kommt bestimmt, probiere ich gerne deinen aus.
    Grüessli
    Irene

  9. Regine

    Hallo Katharina,

    vielen Dank für dieses Rezept. Der Kuchen ist super lecker und saftig geworden.
    Ich schaue öfters mal bei Dir rein.

    * * * * * * * * * *
    10 von 10 Sternen für Deine sehr ansprechende Internetpräsenz.
    * * * * * * * * * *

    Gruß Regine

    1. Katharina

      Lieben Dank, Regine! Da würde sich meine Omi Ilse sicherlich freuen. :-)
      Und dann: Herzlich willkommen! Mach’s Dir gemütlich!

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