Sonntag, 2. Juni 2013

Rhabarber-Chutney

Huii, mit diesem Post hinke ich ganz schön hinterher. Eigentlich sollte er schon Freitag das Licht der Welt erblicken, aber manchmal kommt einem doch einfach das Leben dazwischen. Erst wollten die Worte nicht kommen. Dann schien die Sonne, ein so seltenes Phänomen, dass ich ob der grellen Scheibe am Himmel völlig verwirrt war. Dann war ich eingeladen auf die Jubelparty der wunderbaren Keramikdesignerin Melanie Follmer, die mit ihrem Label …F (“drei Punkt F”) einfach umwerfend schöne Dinge herstellt, alle mit einem enormen “haben-wollen”-Faktor versehen. Dazu schreibe ich bald einen Follow-up-Post, Indianerehrenwort. Ich weiß gar nicht, wieviele hunderte von Bildern ich in ihrem Atelier gemacht habe…
Ja, und dann war Fußball. Wie gesagt, manchmal kommt einem das Leben dazwischen.
Aber nun – genug der Ausreden, jetzt geht’s ans Eingemachte.

Rhabarber-Chutney mit Chili, Walnüssen, Pistazien | www.katharinakocht.com

Mengengerecht einkaufen ist nicht mein Ding, eher so “darfs a bisserl mehr sein?”. Der am häufigsten verwendete Satz gegenüber einer Verkäuferin ist “das passt so!”, und mein Augen- und Handmaß ist, um die Wahrheit zu sagen, nicht sonderlich gut. Gerade bei Saisongemüse, das uns nur eine kurze Zeit verbleibt, neige ich zu unkontrollierten Hamsterkäufen. Spargel? Lieber ein Pfund zuviel. Bärlauch? Oh, noch ein Bund. Kirschen? Gern mehr! Genauso verhält es sich mit Rhabarber. Der analytische Teil meines Hirns scheint einfach abzuschalten und der Gierschlund übernimmt. So kommt es regelmäßg dazu, dass viel zu viel Rhabarber im Haus ist, dass der Gatte bei Rhabarberkuchen Nummer siebzehn streikt (aber ich hab demnächst ein tolles Rezept für Euch) und dass Rhabarberkonfitüre bis in alle Ewigkeiten in der Tiefe unseres Kellerregals schlummert.

Rhabarber-Chutney mit Chili, Walnüssen, Pistazien | www.katharinakocht.com

 

Es musste eine Alternative her. Chutney. Allerdings ist Chutney normalerweise eine sehr süße Angelegenheit, so dass ich von allein wohl eher nicht auf den Gedanken gekommen wäre, mich daran zu versuchen. Mein Held heißt wie so oft Hans Gerlach: In seinem Buch Marmeladen und Gelees, meiner persönlichen Marmeladen-Bibel, gibt es ein Rezept für Rhabarber-Chutney, das ohne viel Aufwand zu entzuckern war. In seinem Rezept kommen eigentlich eine Menge Rosinen vor, die fructosetechnisch natürlich kein Traum sind. Eine kleine Handvoll habe ich hineingetan, wer keine Rosinen mag, lässt sie einfach raus und rührt noch einen Löffel Reissirup mehr unter das Chutney.
Rhabarber-Chutney mit Chili, Walnüssen, Pistazien | www.katharinakocht.com

Rhabarber-Chutney

ergibt 2 Gläser à 250ml
Haltbarkeit laut Hans Gerlach ca. 6 Monate – allerdings ist das mit Zucker gerechnet, ich würde davon 2-3 Monate abziehen. Geöffnete Gläser im Kühlschrank aufbewahren.
500g Rhabarber, geputzt
2 Knoblauchzehen
2 rote Chilischoten (oder nur 1, wenn sie sehr scharf sind und ihr das Chutney nicht so gern scharf habt)
2 TL grobes Meersalz
30g Walnusskerne
30g Rosinen (Original: 150g)
1 EL Schwarzkümmel
5 EL Reissirup (original 3-4 EL brauner Zucker)
100 ml Rosé- oder Weißwein (Original: Portwein)
Zitronensaft
1 Handvoll Pistazien (mit Schale – ansonsten ca. 2 EL Pistazienkerne)
3-4 Stängel Minze
dazu: überbackener Ziegenkäse und Mini-Naanbrote, nach dem Rezept von Julia/Chestnut & Sage. Bei mir nicht auf dem Grill gebacken, aber in der Grillpfanne. Und dann noch ein paar Minuten in den Ofen. 

:: Rhabarber in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Dann einen Topf Wasser aufsetzen und den Rhabarber im sprudelnden Wasser 1 Minute blanchieren. Abgießen und das Wasser wegschütten.
:: Während das Wasser zum kochen gebracht wird, kann schon Schritt 2 erfolgen: Dazu Knoblauch und Chili putzen und grob hacken. Beides zusammen mit dem Salz im Mörser zu einer Paste verrühren, alternativ ohne Salz sehr fein hacken.
:: Walnusskerne grob hacken und ohne Fett anrösten.
:: Rhabarber, Knoblauch-Chili-Paste, Walnüsse und Rosinen in den Topf geben, mit Schwarzkümmel und Reissirup verrühren und mit demWein aufgießen. Einmal unter Rühren aufkochen lassen und dann bei geschlossenem Deckel und kleiner Hitze 20 Minuten lang leise köcheln lassen.
:: Pistazien schälen und grob hacken. Minze waschen und trockenschütteln, die Blätter abzupfen und hacken.
:: Das Chutney sollte nach etwa 20 Minuten etwa die Konsistenz von frisch gekochter Marmelade haben, falls nicht noch ein wenig weiterköcheln lassen. Dann mit Zitronensaft und ggf. Salz, Pfeffer und noch etwas Reissirup abschmecken. Die Pistazien und die Minze unterrühren und das Chutney in die ausgekochten Gläser füllen und gut verschließen.

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Sonntag, 2. Juni 2013

18 Gedanken zu „Rhabarber-Chutney

  1. Julia

    Auch eine tolle Variante. Ich freestyle ja immer beim Chutney und mache natürlich Zucker dran. Aber die Idee mit Walnusskernen und Pistazien finde ich toll. Reicht die Säure vom Wein/Zitronensaft aus? Ich nehme sonst eher Essig… Aber das Foto sieht so appetitlich aus: Das MUSS einfach schmecken.

    1. Katharina

      Der Rhabarber ist ja ordentlich säuerlich, insofern hat mir persönlich das gereicht. Aber man kann ja immer noch mal nachkippen mit Essig oder Zitronensaft, personal freestyle und so. ;-)

  2. Leckerbox .com

    Sieht total toll und lecker aus. Sollte ich vielleicht auch noch machen bevor der Rhabarber seine Saison beendet. Ich habe noch gar nichts eingemacht dieses Jahr, weder Chutney noch Marmelade. Und möchte mich dieses Jahr auch dringend and Marmelade ohne Gelierzucker wagen. Aber das mit den Hamsterkäufen kenn ich, mir ist diese Woche was ähnliches passiert. In der letzten Woche hatte ich frischen deutschen Spinat in meiner Biokiste, der war so lecker, das ich für dieses Wochenende wieder welchen geordert hatte. Scheinbar war ich der festen Überzeugung das es in der letzten Woche 500g waren, also habe ich die wieder bestellt. Und als dann gestern Morgen die Kiste ankam, war da ein Beutel so groß wie ein Müllbeutel voll mit Spinat drin. Ich war erschrocken, denn in der letzten Woche war das doch viel weniger. Und dann dämerte es mir, vielleicht waren das in der letzten Woche doch nur 250g *g*… Jaja, aber der Spinat ist dann jetzt doch alle weg. Gestern zum Mittag, heute noch ein bisschen und dann noch in dem Gericht für Morgen Mittag. Gut das sich noch niemand beschwert hat er wäre doch nicht Popeye…ich habe den Spinat gut vertuscht ;-)
    Hab noch einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Simone :-)

    1. Katharina

      Hihihihi! Das hatte ich letztes Jahr auch, dank eines übermotivierten Marktverkäufers (“Ihr esst das schon!”) hatte ich ein Kilo im Korb. Ich hab STUNDEN gebraucht, bis ich den gewaschen und sortiert hatte… und dann hatte ich immer noch keinen blassen Schimmer, was ich damit machen sollte!
      Immer diese Selbstüberschätzung….
      Liebe Grüße!

  3. milchmaedchen

    Ähä… wie gut ich das kenne… – es gibt da in einem kleinen Blog eine kleine Rhabarberserie, die aus… sagen wir: ähnlichen Umständen heruas entstanden ist… ;)
    Allerdings: Schlummern in unerwarteten Resten nicht oft die dollsten Rezepturen? Also, Parole: “Ja, davon noch ein bisschen mehr…” :D

  4. Sandy

    Sollte der Rest meines Rhabarbers nach dem Hochwasser im Garten überlebt haben, wäre das genau das Richtige. Habe ich noch überhaupt gar niemals nicht probiert, klingt super! Und ein bisschen mehr ist immer gut!
    Liebe Grüße, Sandy

  5. Backen macht froh

    Ich hab ja neulich auch ein Rhabarber-Chutney gemacht. Das mit den Nüssen ist ja interessant, muss ich mir merken. Obwohl ich Erdbeeren dran hatte, die zählen ja auch als Nuss;)

  6. Christin

    Ich schmecke es schon fast im Gaumen :D Habe mir auch gerade das Kürbis-Chutney durchgelesen (2011), da wir in Argentinien gerade noch Kürbisssaison haben! Wie machst du denn immer diese tollen Etiketten? Das verzauberrt jedes Glas in eine Schönheit!

    1. Katharina

      Die Etiketten sind bisschen dilettantisch handgeklöppelt, die frühen Versionen mit PowerPoint… :-) Aber hey, auch dort kann man mittlerweile schöne Sachen basteln.

  7. Christin

    Zu diesem Gemüseschneider: ich habe den auch und der liegt jetzt nur noch im Schrank, da es mit dem Messer schneller geht! Bei diesem Schneider muss man die Gemüsestücke auf die richtige Größe schneiden, sodass sie auf die Schnittfläche passen und das ist meist mehr Arbeit. Besonders Paprika und Zwiebeln rutschen beim Runterdrücken seitlich etwas raus, sollte man sie nicht klein genug geschnitten haben –> lohnt sich nicht!

  8. coalhearted

    Das ist tatsaechlich die erste salzige Rhabarberzubereitungsart, die mir je begegnet ist :) Hoert sich superlecker an. Nur fuer die Rosinen muss ich noch eine Alternative finden, die mag ich naemlich gar nicht… Cranberries koennte ich mir stattdessen zum Beispiel auch gut vorstellen. :)

    1. Katharina

      Klar, Cranberries sollten genauso gehen. Ich denke mal, dass die eigentlich hauptsächlich da sind, um Süße zu geben, insofern kannst Du sie auch sicherlich ganz weg lassen!

  9. Kathi

    Das hört sich sehr lecker an, werde ich spätestens am Wochenende mal ausprobieren. Allerdings bin ich auch nicht so ein Fan von Rosinen, vielleicht versuche ich es dann eher mit Pflaumen oder ungeschwefelten Aprikosen. Denn so ganz ohne Süße ist mir das eher nichts.

    Aber danke für das Rezepz.

    LG
    Kathi

    1. Katharina

      Theoretisch sollte jede Art von Trockenfrucht gehen. Oder aber, wenn Du das nicht so magst, einfach noch ein ordentlicher Schwung Reissirup. Oder Honig, falls Du Zucker isst.

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