Mittwoch, 11. September 2013

Lange nicht mehr gegessen: Würziges Ajvar {Make Your Own}

Die tagespolitische Diskussion kam kürzlich auf das Thema “Balkan” (man frage mich aber bitte nicht mehr nach dem Zusammenhang) und plötzlich war ich mit meinen Gedanken ganz woanders; vor meinem inneren Auge wanderte Ćevapčići vorbei, Djuvec-Reis, würziges Gulasch mit viel Paprika, Bohnen- oder Sauerkrautsuppe. Und immer dabei: ein guter Klecks Ajvar. Irgendwie hing ich mich am Ajvar auf und hatte plötzlich unbändige Lust auf die pikante Sauce. Das kleine Glas, das ich dann auch gleich kaufte, machten wir noch am selben Abend nieder. “Das kann man doch auch selbst machen!” rief die innere Stimme hinter meiner Stirn. “Ja, klar!” antwortete ich und checkte kurz die Zutaten: Paprika, Aubergine, Knoblauch und Peperoni. Klingt nach einer Gewinnerknüllerkombination, aber gut, alles mit Auberginen gewinnt bei mir. Selbstgemachtes Ajvar

Doch damit hatte es sich auch erstmal mit dem Gewinnertum – dann ging die Fieselei los. Ich hatte mir nämlich eingebildet, ganz stilecht Spitzpaprika zu verwenden. Holländische Gemüsepaprika? Pah! Spitzpaprika oder nix! Dabei hatte ich geflissentlich übersehen, dass Spitzpaprika zwar schön aromatisch sind, aber eine hartnäckige Schale über recht schmal gehaltenem Fruchtfleisch haben. Das Rösten und Enthäuten gab dann auch nur wenig Ausbeute… Also doch wieder back to the Gemüsepaprika, und diesmal ohne Häuten, so! Funktioniert ganz prima, die Schale wird durch langes Kochen weich, und das Pürieren rückt ihr dann sowieso zu Leibe.  Selbstgemachtes Ajvar

Ansonsten habe ich es mir bei der Saucenkocherei sehr einfach gemacht, ich habe nämlich einfach alles nach dem Anbraten in den Ofen geschoben und dort vor sich hin schmoren lassen. Liebe Balkanbewohner und Ajvar-Experten, bitte vergebt mir diese norddeutsche Trägheit! Um das wieder gutzumachen und um den Ajvargenuss lange über den Winter zu retten, habe ich sie auch extra noch einmal eingekocht… nur um das erste Glas quasi umgehend wieder aufzuschrauben und zusammen mit Kartoffeln im Ofen zu garen -  das Rezept findet Ihr ganz unten.

Selbstgemachtes Ajvar

Mildes Ajvar

genug für 3 Gläser à 200ml

1 kg rote Paprika - “normale” Gemüsepaprika geht ebenso wie Spitzpaprika, allerdings hat Spitzpaprika eine härtere Schale und muss gut püriert werden. Aber dafür sind sie etwas aromatischer.
1 mittelgroße Aubergine
3-4 Knoblauchzehen
2-3 Chilischote (mehr, wenn ihr es lieber schärfer wollt)
ca. 120ml Olivenöl
ca. 60ml Apfelessig (4-5 EL)
ca. 60ml Wasser
1 TL Salz
Pfeffer

ggf. etwas scharfes Paprikapulver

:: Paprika waschen, entkernen und in Würfel schneiden. Aubergine schälen und ebenfalls würfeln, Knoblauchzehen pellen und grob hacken. Die Chili waschen und in Ringe schneiden, evtl. die Fäden und Kerne entfernen, je nach Schärfe der Biester.

:: Backofen auf 180°C vorheizen.

:: Unterdessen das geschnittene Gemüse mit Olivenöl, Apfelessig, Wasser und Salz in einen Bräter geben und alles noch kräftig pfeffern. Auf dem Herd bei mittlerer Hitze aufkochen und alles etwa 10 Minuten lang leicht schmoren lassen, bis das Gemüse weich ist. Dann alles glatt pürieren – ich habe das portionsweise in einem hohen (Glas-)Gefäß gemacht, da das Pürieren des heißen Gemüses im Bräter zu sehr gespritzt hat. Alles wieder in den Bräter geben.

:: Den Bräter mit dem Gemüsepüree in den Ofen stellen und etwa 1 Stunde schmoren. Hin und wieder umrühren. Die Flüssigkeit sollte weitestgehend verdampft sein und das Ajvar sollte schön dickflüssig sein. Herausnehmen, noch einmal abschmecken (Vorsicht, sehr heiß!) und ggf. mit Salz, Pfeffer und nach Geschmack mit etwas Paprikapulver würzen.

:: In sauber ausgekochte Gläser füllen und fest verschließen. Die Gläser dann in einen Topf stellen und diesen bis ca. 2 cm über den Rand der Gläser mit Wasser füllen. Aufkochen und ca. 20 Minuten lang köcheln lassen, dann den Topf vom Herd nehmen und die Gläser im Wasser auskühlen lassen.

 

Kartoffeln mit Ajvar

500g festkochende Kartoffeln
1 Zwiebel
1 kleine rote Paprika
1 Knoblauchzehe
Öl oder Butterschmalz zum Anbraten
Salz, Pfeffer
je 1 kräftige Prise rosenscharfes und edelsüßes Paprikapulver und gemahlener Kümmel
3-4 gehäufte TL Ajvar

:: Kartoffel schälen und grob würfeln. Zwiebeln pellen, längs halbieren und in feine Scheiben schneiden. Paprika waschen, der Länge nach halbieren oder dritteln, das Kerngehäuse entfernen und die Paprika in schmale Scheiben schneiden. Knoblauch pellen und fein hacken.

:: Ofen auf 200°C vorheizen.

:: Öl oder Butterschmalz in einer ofenfesten Form erhitzen und die Kartoffeln darin kurz anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen, dann Zwiebel- und Paprikascheiben hinzufügen und ein oder zwei Minuten mitbraten, dann den Knoblauch hinzugeben und ganz kurz mitbraten. Alles mit rosenscharfem und edelsüßem Paprikapulver und mit Kümmel abstäuben und das Ajvar unterrühren.

:: Die Kartoffeln in den Ofen schieben und ca. 30 Minuten backen.

:: Zusammen mit Sauerrahm servieren – Sauerkraut und ein paar kräftige Würstchen (z.B. Krakauer oder Mettwürstchen) passen hervorragend dazu,

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Mittwoch, 11. September 2013

9 Gedanken zu „Lange nicht mehr gegessen: Würziges Ajvar {Make Your Own}

  1. Dürer

    Hallo Katharina, ich bin auch über den Artikel im Weser Kurier an deinen Blog gelangt. Mal abgesehen vom Inhalt, bin ich total hin und weg von deinen Bildern. Da läuft mir regelmässig das Wasser im Mund zusammen und ich könnte sofort einkaufen gehen und dann ab in die Küche. Einfach toll deine Bilder!

  2. Sandy

    Immer her damit! Und für Kartoffeln mit Ajvar cancele ich sogar mein derzeitiges “abends keine Kohlenhydrate”-Projekt – Gott, wie es mich allabendlich nach Kartoffeln, Brot, Pasta und Reis gelüstet…

    Grüße,
    Sandy

  3. Eva @ 1 Big Bite

    Hallo Katharina!
    Du rettest mich mit diesem Rezept! Ayvar gibt es hier in US nicht zu kaufen (nicht das ich es nicht versucht haette) und ich hab ein paar meiner Lieblingsrezepte deswegen schon sehnsuechtig vermisst!

    Vielen Dank
    Eva

  4. Sarah

    Auberginen gehen bei mir auch immer.
    Und da ich dieses Jahr im Garten eine Auberginen-Schwemme habe, freu ich mich über jedes Rezept.
    Das Ajvar wird am Wochenende sofort nachgebastelt!

    Liebe Grüße,
    Sarah =)

  5. Kirsten

    Hmmmm Ajvar ist aber auch ein verdammt leckeres Zeug! Ich hab’s vor einigen Monaten auch mal selbst gemacht und war ebenfalls ganz hin und weg :-) Dein Kartoffel-Rezept lacht mich sehr an, das muss ich mir gleich mal vormerken…

    Liebe Grüße,
    Kirsten

  6. Daniel

    Ich habe Ajvar erst seit kurzem, durch eine Freundin, für mich entdeckt. Bisher hab ich mich immer an die Fertigvarianten aus dem Supermarkt gehalten. Dank deinem Rezept, werd ich das nun mal selbst zubereiten.

  7. Nora

    Tolles Rezept! Nur verstehe ich nicht warum ich den Backofen vorheizen soll? Vllt habe ich es auch überlesen, ob und was da rein soll?? :)

    1. Katharina 1

      Der Bräter samt pürierten Ajvar-Zutaten kommt für eine gute Stunde in den Ofen. :-) Ich hatte “in den Herd schieben” geschrieben – das ist verwirrend, ich gebe es zu. *hüstel* “In den Ofen schieben” macht mehr Sinn, gleich geändert. Du kannst es natürlich auch auf der Herdplatte köcheln lassen, aber dann musst Du mehr oder weniger dabei stehen bleiben und häufig umrühren.

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