Mittwoch, 15. Mai 2013

So schön retro: Gefüllte Eier (mit Avocado und Thunfisch)

Jedes Jahr, wenn der Eurovision Song Contest näher rückt, fühle ich mich ein bisschen nostalgisch. Nicht, weil ich den ESC als besonders toll empfinde, eher im Gegenteil: Das ist eine der dämlichsten Methoden, meine Gebühren zu verschwenden. Diese unsägliche Show mit ihren austauschbaren Liedchen, knappen Kleidern, schlechter Moderation und schmalztriefender Pseudo-Piano-Romantik ist nur sehr schwer zu ertragen, daran konnte auch Lena nichts ändern.
Nein, ich bin eher ein bisschen nostalgisch, weil mich der ESC an die gute alte Zeit erinnert. An damals, als die angestaubte, aber immer noch glamouröse Veranstaltung noch mit dem klangvollen Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson bezeichnet wurde (also eigentlich “Grong Prieh Öhrohvisiong dölla Schongsong”). Als ich mit Oma und Opa vor dem Fernseher saß und an Käse-Trauben-Spieße knabberte, Unmengen von Salzstangen in mich hineinstopfte und (Festtag!) Cola trinken durfte. Als Oma und Opa mit Rührungstränen in den Augen von Udo Jürgens, von Nicole und vom großen Ralph Siegel erzählten. Als die Fönfrisur besagter Nicole mein größter Wunsch war.
Gefüllte Eier mit Avocado und Thunfisch auf www.katharinakocht.com

Bei Lichte betrachtet war der Grand Prix früherer Zeiten sicherlich genauso schlimm wie der ESC heute, und irgendwann hatte sich das Modell “Schlagerwettbewerb” dann ja auch totgelaufen. Nicht ohne Grund kamen immer mehr alberne “Acts” hinzu, die unsere sonstigen Dauerbrenner wie Katja Ebstein und die “Gruppe Wind” blass aussehen ließen. Meine Großmutter hat sich bei Guildo Horns Auftritt geweigert, die sonst so geliebte Sendung zu sehen (“Der blamiert uns alle, da muss man sich ja schämen!”), und spätestens bei Stefan Raabs künstlerisch wertvollem und so ungemein sozialkritischen Beitrag schwor sie der Show ab. Im Ernst: Ich habe sie selten so wütend gesehen. Die Absurditäten, die danach nicht nur aus Deutschland auf die Bühne gespült wurden, machten es nicht wirklich besser, und so werde ich wohl auch in diesem Jahr den ESC nicht sehen. Lustige Clips bei YouTube reichen mir im Nachhinein vollkommen, Quälsingerei kann man in Deutschland jeden Samstag abend haben.
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Allerdings ist ein “Event” wie der ESC immer dafür gut, Retro-Essen aus der Mottenkiste hervorzuholen und einmal gewaltig abzustauben. Diesmal: Gefüllte Eier. Wir hatten früher einen sogenannten Party-Pilz, dessen Kappe mit Käsespießen und Häppchen bestückt wurde, und in dessen Fußraum genügend Platz war für gefüllte Eier. Man möchte es kaum glauben, aber das war mal richtig schick. So wie Nicoles Fönfrisur.
Weit abseits von Käseigel, Fleischsalat und Tomatenpilzen sind gefüllte Eier eigentlich wirklich eine ganz feine Sache und ein hübscher Snack für das Buffet. Ich habe meine mit einem leicht scharfen Mix aus Eigelb, Avocado und Thunfisch gefüllt. Alles, was nicht in die Eier passte, wanderte direkt von Schüssel über Löffel in den Mund. Sehr gut. Allemagne, douze points.
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Gefüllte Eier

Füllung ergibt genug für 4-5 Eier, und dazu noch ein Schälchen zum Dippen
 
4 Eier
1/2 Avocado
1/2 Dose Thunfisch
1 TL Senf
Salz, Pfeffer
gemahlenes Chili nach Wahl, bei mir Chipotle und ein bisschen Pimentón de la Vera
1/2 Bund Koriander 
:: Eier hart kochen, herausnehmen und pellen. Kalt werden lassen.
:: Eier halbieren, das Eigelb herausnehmen und in einer Schüssel zusammen mit Avocado, Thunfisch, Senf und Knoblauch pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Chili würzen. Koriander waschen, trockenschleudern und grob hacken, eine Runde mit der restlichen Füllung pürieren. Alternativ alle Zutaten sehr fein hacken und miteinander verrühren. Eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen.
 
:: Füllung entweder mit dem Löffel oder mit dem Spritzbeutel in die Eiweiß-”Schalen” bugsieren. Mit Chili und etwas Koriandergrün dekorieren und dann auf einer Platte anrichten.

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Mittwoch, 15. Mai 2013

6 Gedanken zu „So schön retro: Gefüllte Eier (mit Avocado und Thunfisch)

  1. Anonymous

    Man kann Thunfisch gut mit der nicht so überfischten Makrele ersetzen. Ist dann zwar nicht so retro? Aber vielleicht etwas nachhaltiger.

    1. Katharina

      Das stimmt! Ich habe ganz vergessen, hinzuschreiben, dass der Thun möglichst nicht aus der 69-Cent-Dose stammen sollte. Thunfisch, egal ob frisch oder aus der Dose, ist bei uns ein eher seltenes Vergnügen, die andere Hälfte der Dose ging für die Spargel-Nicoise drauf (jaaa, ich gebe es zu, die Fotos sind schon ein paar Tage alt. :-) ), und der Thunfisch kam aus Angelruten-Fang.
      Geräuchte Forelle geht genau so!

  2. NY-cheesecake

    Den “Party-Pilz” hatte ich total vergessen – ich schmeiß mich weg! An gefüllte Eier habe ich mich wahrscheinlich schon Jahre (Jahrzehnte) nicht mehr getraut. Aber warum eigentlich nicht? Lieber gefüllte Eier als dieser unsägliche ESC :)

    Viele Grüße
    Carina

  3. mein feierabend

    Vom ESC halte ich auch nicht viel, und ganz ehrlich Lena Meyer macht langweilige Musik.
    Dein Rezept ist der absolute burner. Ei, Avocado und Thunfisch, das könnte man sogar Bodybuildern verkaufen :)

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