Sonntag, 4. März 2012

Süßes Birnenbrot

Eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen sind Samstags-Kuchen. Meine Großmutter buk Samstags Kuchen und brachte ihn uns vorbei. Allerdings war Samstag kein Tortentag – Torten waren Sonntagen vorbehalten. Samstags gab es Rührkuchen oder Streuselkuchen vom Blech, und wenn ich ganz viel Glück hatte oder einen expliziten Wunsch geäußert hatte, dann gab es Birnenbrot: Süßer, buttrig-flaumiger Hefeteig mit einer Füllung aus vielen Birnenstückchen.

Meine Großmutter hat mir die Liebe zum Hefeteig mitgegeben, ebenso wie den Grundsatz, Respekt, aber bloß keine Angst vor Hefe zu haben. Respekt – und Geduld. Geduld beim Gehenlassen, aber auch Geduld beim Abkühlen lassen. Das süße Hefeteigbrot schmeckt nämlich sensationell, wenn es lauwarm ist, meine Familie liebt es mit Butter und Honig. Da wir aber nur zu zweit sind, habe ich zwei kleine Brote gebacken und eines dem Tiefkühler anvertraut – für Tage, an denen süße Seelenwärmer schnell notwendig sind oder vielleicht sogar schon hoffentlich nicht mehr so ferne Sonntagsfrühstücke in der Sonne.

Birnenbrot

Ich weiß, dass viele mit Hefeteig auf Kriegsfuß stehen, deswegen habe ich versucht, super-ausführlich die Arbeitsschritte zu beschreiben. Es ist wirklich nicht schwer. Ehrlich, das schwierigste an dem Birnenbrot ist, mit dem Essen aufzuhören! 
**Dies ist kein zuckerfreies Rezept. Der (Puder-)Zucker lässt sich aber gut durch Dextrose/Traubenzucker ersetzen, wobei ich die Menge um ca. 20-30% erhöhen würde (je nach Süß-Vorliebe).**
200ml Milch
60g Butter
20g frische Hefe (oder 1 Tütchen Trockenhefe – für Hefeanfänger vielleicht am einfachsten)
500g Mehl + Mehl zum Kneten
60g Zucker
1 Ei
2 Birnen
50g Butter zum Bestreichen 
1 TL Puderzucker
:: Milch und Butter in einem kleinen Topf erwärmen – wirklich nur erwärmen, so dass die Butter schmilzt, aber auf keinen Fall kochen. Im Zweifelsfall einfach ein bisschen abkühlen lassen, bis sie wieder lauwarm ist. Die Hefe in die Milch einbröckeln, oder die Trockenhefe einrieseln lassen, gut verrühren, bis sich Frisch- oder Trockenhefe aufgelöst haben. Kurz stehen lassen.
:: Mehl in eine große Schüssel sieben und mit Zucker mischen. Eine Mulde formen und das Ei in die Mulde gleiten lassen.
:: Eine Arbeitsfläche mit etwas Mehl ausstreuen.
:: Die Hefemilch in die Mehl-Zucker-Eier-Schüssel gießen und dann erst mit dem Rührlöffel oder den Knethaken des Mixers alles zu einem Teig verarbeiten – der sieht noch nicht fertig aus, aber Milch und Mehl sollten sich weitestgehend verbunden haben. Aus der Schüssel nehmen und auf der bemehlten Fläche mindestens 5 Minuten mit der Hand kneten. Das Schöne am Teigkneten ist, dass man sich nicht auf die Aktion an und für sich konzentrieren muss… man kann nachdenken, Musik hören, laut mitsingen (Hefeteig ist nicht geräuschempfindlich)… alles gut, solange man schön weiterknetet. Am Ende der Aktion sollte der Teig elastisch sein und hübsch glänzen.
:: Den gekneteten Teig zu einer Kugel formen und in die Schüssel zurücklegen. Mit Frischhaltefolie abdecken und den Teig jetzt ca. 1 Stunde gehen lassen. Das funktioniert am zuverlässigsten an einem feucht-warmen Platz, am einfachsten ist folgende Methode: Bevor man anfängt, den Teig zu kneten, wird der Backofen auf 50°C vorgeheizt. Dabei eine flache Schale mit Wasser füllen und “mitheizen”, dann den Ofen wieder ausstellen, kurz auslüften und die Schüssel bei eingeschaltetem Backofenlicht in den Ofen stellen.
Der Teig sollte dabei seine Größe ungefähr verdoppeln. Wenn das nach 1 Stunde noch nicht der Fall ist, ruhig noch etwas Zeit geben.
:: Kurz vor Ende der Gehzeit die Birnen waschen, halbieren, entkernen und dann in Würfel mit ca. 1cm Kantenlänge schneiden. In etwas kaltes Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft legen, damit sie nicht braun werden. Die restliche Butter schmelzen.
:: Die gegangene Teigkugel noch in der Schüssel mit der geballten Faust plattdrücken, dabei macht es lustige “pffffffff”-Geräusche, wenn die Luft entweicht. Den nun wieder kleinen Teigklumpen aus der Schüssel nehmen und mit den Händen und Fingern auswalzen, so dass ein Rechteck von ca. 40x30cm Kantenlänge entsteht. Mit der Hälfte der geschmolzenen Butter bestreichen. Die Birnenstückchen aus dem Wasser nehmen, kurz abtropfen lassen und dann gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Den Hefeteig dann von der kürzeren Seite her aufrollen. Auf mit Backpapier ausgelegtes oder gebuttertes Blech legen, noch einmal mit Frischhaltefolie abdecken und erneut 30 Minuten gehen lassen.
:: Backofen auf 180°C heizen.
:: Das Birnenbrot etwa 30 Minuten backen lassen, dann herausnehmen und das noch warme Brot mit der restlichen geschmolzenen Butter bestreichen und Puderzucker darübersieben.

Das könnte Dich auch interessieren:

 

Sonntag, 4. März 2012

7 Gedanken zu „Süßes Birnenbrot

  1. milchmaedchen

    Sieht das GUT aus!
    Das ist so’was von dermaßen gespeichert… auf die (nächsten) Birnen, fertig…!

    Von meiner Oma gab’s früher genau drei Kuchen: Rosinenrührkuchen, Schokostreuselrührkuchen und Schokomandelkuchen… und, genau: sahnige Sonntagstorten aus der Konditorei… “Hier, Kind, iss’ noch eins…”

  2. Katharina

    Meine Großmutter konnte fantastisch backen und meine Liebe zu Kuchen und Torte habe ich garantiert von ihr. Aber irgendwie waren es doch immer die simplen Klassiker, die ich am liebsten mochte, quasi die Pendants zu den 3 Kuchen von Deiner Oma. “Iss noch eins!” war aber auch ein Standardspruch! Sofort gefolgt von “Hier wird ja nicht gezählt!” :)

  3. germanabendbrot

    :) Bei uns waren es Blechkuchen wie Zwetschgen-, Streußel- oder Apfelkuchen sowie Mohn- oder Kakaozöpfe. Für mich heute noch die besten Kuchen der Welt. Oh, und natürlich die hausgemachte Rote Grütze aus Gartenfrüchten, die es dann (die Früchte wurden eingefroren) immer nach der Weihnachtsgans gab/gibt. Eine schöne Erinnerung an all die Omas, die soooo gut backen konnten u. können.

  4. Anne

    Oma-Kuchen-Brote-Torten oder was auch immer sind etwas feines. Die schmecken nicht nur gut, sondern sind außerdem noch mit wunderbaren Erinnerungen verbunden!

Kommentare sind geschlossen.