Sonntag, 22. Februar 2015

Wie ich einmal mit Kind und Clean Eating verreiste – und das gar nicht mal so leicht fand. (M)ein Erfahrungsbericht.

Wenn man für ein oder zwei Tage unterwegs ist, hat das meist nur geringe Auswirkungen auf das Essverhalten. Etwas Vorbereitung und Organisation ist beim Clean Eating ohnehin der Schlüsselfaktor – und wenn man clever packt, übersteht man auch z.B. Messetage unbeschadet. Nun war ich aber neulich zehn Tage auf Urlaubsreisen, mit Mann und Maus und Skisachen. Und das mit der Bahn. Viel Platz für mehr als einen Tag “sauberer” Verpflegung war also nicht vorhanden. Die Hinreise (zehn Stunden von Lüneburg bis ins Zillertal) verlief problemlos – wir hatten Unmengen Gemüsesticks dabei, dazu Obst, Vollkornbrot und ausreichend Wasser und Tee. Ja, ich war stolz auf uns Reise-Streber.
Aber dann wurde es komplizierter. Wie in den vergangenen Jahren auch hatten wir uns in ein Hotel mit Halbpension einquartiert – bislang immer eine sehr komfortable Lösung: So kann man direkt vom Frühstück auf die Piste, ganz ohne lästiges Abwaschen. Und abends kocht jemand mehrere Gänge für uns. Dummerweise stellte sich dieses Mal gerade diese Art des Urlaubmachens als ziemlich unpassend heraus für uns.

Skiurlaub_Zillertal_Mayrhofen

Zum einen ist da ja die Sache mit dem “Urlaub”. Wann, wenn nicht im Urlaub, kann man mal fünfe gerade sein lassen und den Genuss an erste Stelle setzen? Gute Vorsätze haben es da ganz schön schwer. Während Büffets den unschlagbaren Vorteil haben, dass man sich einfach das aussucht, was zu einem passt, ist die Wahlmöglichkeit bei einem Menü schon eingeschränkter. (Immerhin am Salatbüffet habe ich die Schüssel mit den Salatblättern nahezu ganz für mich beansprucht.)
Als schwierig stellte sich auch die Sache mit der Clean-Eating-Regel vom regelmäßigen Essen heraus. Frühstück und Abendessen waren gebongt, aber Mittags war ich ehrlich gesagt schon froh, wenn ich Essen für Little C. machen konnte. Nach dem Überfall auf den örtlichen Supermarkt hatten wir immerhin einen Vorrat an Obst und Nüssen auf unserem Zimmer.
Und regelmäßiges Trinken, mühsam angewöhnt? Fehlanzeige. Auf der Piste sowieso, und wenn ich an Nicht-Skitagen mit dem Söhnchen unterwegs war, fehlte mir irgendwie mein “Wasser in Sichtweite”. Und, ääh, auch die Möglichkeit, dieses dann wieder unkompliziert loszuwerden.

So, und was habe ich nun gegessen? Immerhin bin ich ja nicht verhungert, im Gegenteil. *ähem*
Frühstück war relativ einfach zu  bewältigen – Müsli, je nach Angebot frisches Obst, einen Joghurt und/oder etwas Rührei. Mittags habe ich ehrlich gesagt meistens ausfallen lassen, ich wollte die Stunden, in denen ich Ski fahren konnte, maximal ausnutzen, und leider bieten die meisten Hütten oft nur das Standardprogramm “Bolo/Schnitzel/Germknödel/Eimersalat”. Wenn der Liebste auf der Piste war, bin ich mit dem Kindlein mittags dann meist etwas essen gegangen, allerdings lag da der Fokus eher auf seinem Mittag. Am Abend habe ich das Salatbüffet geplündert, alles, was nicht eingelegt oder mit Dressings versehen war, war meins. Beim Hauptgericht habe ich dann gegebenenfalls darum gebeten, die oft recht süßen Saucen auf meinem Teller wegzulassen, die hätte ich so oder so nicht gemocht. Dessert? Nun ja, hier überwog immer mal der Aspekt “Urlaub” und ich habe sie oft auch probiert. Immerhin waren es meistens sehr überschaubare Miniportionen. ;-)

Skiurlaub_2 Auch eine neue Erfahrung war natürlich, mit Kleinkind zu verreisen. Eine Reise im Kleinkindabteil der Bahn hatten das Söhnchen und ich ja bereits hinter uns, und auch dieses Mal fand ich es recht angenehm, wenngleich die Abteile teilweise ganz schön keimig sind. Mein Mantra: “Alles gut fürs Immunsystem” – wir konnten den kleinen Wirbelwind ja auch nicht pausenlos auf dem Schoß halten.
Mit einem fast-Einjährigen war es im Nachhinein auch nicht wirklich clever, ein Hotel zu buchen. Dinge, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte, stellten sich als hinderlich heraus. Da es natürlich nur ein Zimmer gab, bewegten wir uns in Dunkelheit, wenn Little C schlief. Immerhin – ich bin schon lange nicht mehr so früh ins Bett gegangen! ;-) Die Zeiten für Frühstück und Abendessen waren zumindest nicht mit unserem Kind kompatibel, wenn man um halb sechs geweckt wird, ist Fühstücksstart um halb acht ganz schön spät. Das Abendessen ab 18:30 Uhr war entsprechend genau in der Phase, in der der kleine Urlauber müde und ziemlich unleidig wurde. Natürlich war das nichts, wofür das Hotel etwas konnte! Dass das Babyphone zwischen dem dritten Stock und dem Speisesaal keinen Empfang hatte, auch nicht. (Leider lief eine ensprechende App auch nicht, da das WLAN im Speisesaal auch nicht funktionierte.)
Riesen-Plus allerdings: Das Schwimmbad. Unsere kleine Wasserratte konnte gar nicht genug davon bekommen.

Mein Fazit: Wenn man es für ein paar Tage nicht allzu streng nimmt, kann man auch im Urlaub halbwegs clean essen. Mir fehlten vor allem die regelmäßigen Mahlzeiten und das Trinken, da hätte ich sicherlich konsequenter sein können. Für den nächsten Urlaub werden wir aber definitiv eine Ferienwohnung mieten. Sicher, Einkaufen, Kochen und Abwaschen müssen wir dann selbst erledigen, aber wir können eben auch alles in unserem eigenen Rhythmus gestalten.
Aber schön – ja, schön war es trotzdem in den Bergen. Sehr schön sogar.

ChiemseePS: Direkt nach dem Urlaub haben wir uns alle erst einmal die in Deutschland grassierende Grippe eingefangen. Da ist einem irgendwie gar nicht viel nach Essen, clean oder nicht. Jetzt sind wir aber wieder auf dem aufsteigenden Ast, ab Montag geht es wieder frisch ans Werk!

Skiurlaub_3

 

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Sonntag, 22. Februar 2015

9 Gedanken zu „Wie ich einmal mit Kind und Clean Eating verreiste – und das gar nicht mal so leicht fand. (M)ein Erfahrungsbericht.

  1. Maria

    Hallo!

    Meine Kinder waren 14 und 13 als ich das erste Mal mit ihnen in ein Hotel ging. Davor waren wir nur in Appartements, weil das vom Raum her und vor allem vom Kochen her viel praktischer war.

    Mir macht es nichts aus selbst zu kochen, das ist für mich die beste Lösung. Auch heute selbst ohne Kinder ziehe ich Appartement einem Hotel vor.

    lg
    Maria

    1. Katharina 1

      Wir haben als (größere) Familie früher auch immer eine Ferienwohnung genutzt, als wir dann alle erwachsen waren (bzw. alle eigenes Geld verdienten), haben wir irgendwann das mit dem Hotel und der Halbpension für uns entdeckt. Das ist, so kinderlos ;-) , auch echt bequem gewesen, und ich hätte nie gedacht, dass es mit dem Kleinen derartig schwierig werden könnte, weil, “die laufen doch einfach mit!”. Haha! Nun ja, man lernt, nicht wahr?
      Kochen macht mir per se auch nichts aus, aber schön ist es schon, sich abends einfach an den gedeckten Tisch zu setzen… ;-)

  2. Hannah

    Liebe Katharina,

    dass es mit Kind und im Urlaub noch einmal schwerer ist, sich clean zu ernähren und die 5 Mahlzeiten einzuhalten, glaube ich sofort. Aber du hast dein bestes gegeben, das ist doch die hauptsache, ich finde nicht, dass man immer zu 100% clean essen muss. Im Alltag geht es dann eben wieder “normal” weiter :-)
    Liebe Grüße,
    Hannah

  3. Ingrid

    Hallo Katharina,
    hab deinen blog vor einigen Tagen entdeckt und bin so fasziniert von deinem Leben ohne süßen Geschmack, dass ich beschlossen habe, den Rest der Fastenzeit nicht nur zuckerfrei, sondern auch Apfel-Bananen &Co- frei zu verbringen.
    Nun biete ich der Familie gerade großzügig an, Muffins zu backen. Mit dem stillen Hintergedanken: Bei Katharina gibt es bestimmt eine leckere Alternative für mich. Aber: nix da, wie schade!
    Any idea?
    LG und schönen Sonntag
    Ingrid

    1. Katharina 1

      Hallo Ingrid,

      ach Mensch! Aber Du kannst mehr oder weniger jedes Muffinrezept mit einem Zuckerersatz wie bspw. Sukrin oder Xucker backen. ;-) Hmmmm… Muffins… sollte ich auch mal wieder backen!

  4. Emma

    Liebe Katharina,
    schön, dass du über dieses schwierige Thema clean-eating + Reisen schreibst :) . Ich wäre letztes Jahr in Italien beinahe verhungert, während meine Mitreisenden alle ein paar Kilos zulegten :D .
    Ich stimme dir komplett zu, auch wenn man einkaufen gehen muss und abwaschen und alles, was dazu gehört…wenn man sich clean ernähren will, ist eine Ferienwohnung viel kompatibler!
    Da ich mich Krankheits-bedingt clean (und zusätzlich noch fast vegan) ernähre und unglaublich positive Erfahrung dadurch gemacht habe, möchte ich meine Ernährung auch im Urlaub auf keinen Fall schleifen lassen.
    Es gibt zwar mittlerweile einige Hotels, die clean-eating im Programm haben, aber die sprengen oft preislich meinen Rahmen (ich studiere noch), deshalb würde ich in meinem nächsten Urlaub auch auf Selbstversorgung setzen!
    Liebe Grüße, Emma :)
    http://www.emmakochtgruen.weebly.com

  5. Arne Preuß

    Hallo Katharina,

    das Urlaubsthema kenne ich auch sehr gut! Aber zunächst gute Besserung – “Cleanesser_innen” werden schneller gesund ;) . Wir spielen im Sommer am Wochenende oft von morgens bis abends Beachvolleyball – dann ist gute Vorbereitung die einzige Lösung. Insbesondere wenn der Heißhunger anrollt.

  6. Clarissa

    Huhu Katharina,

    ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und habe fasziniert in deinen Einträgen über Clean Eating gelesen. Ich habe mich mit dem Thema vorher kaum beschäftigt – bis auf die paar Sachen, die man manchmal aus den Medien erfährt. Das einzige, worauf ich schwöre ist Kokosöl. Hab beim Stöbern deine Stillkugeln aus Haferbrei und Kokosöl entdeckt und muss sie unbedingt mal ausprobieren – klingt seeeehr lecker (auch für Nicht-Stillende *grins*)!

    Kurzum: Toller Blog, ich freue mich schon mehr von dir zu lesen. :)

    Liebe Grüße,
    Clari

  7. Julia

    Hallo Katharina,

    Ich weiss (fast) genau, wie es dir ergangen sein muss. Selbst ohne Kind ist es schon schwer, im Urlaub an seinen neu gelernten Gewohnheiten wie regelmässigem Trinken und Essen festzuhalten, mit Kind stelle ich mir das sehr schwer vor. Aber wie es klingt, hast du es so gut wie machbar hinbekommen! Viele Grüsse, Julia

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