Freitag, 23. März 2012

You live, you learn – oder: Eier pochieren

Eier pochieren. Das klingt so leicht, aber meine Pochier-Versuche gingen regelmäßig in die Hose. Zumindest optisch, geschmacklich kann man an einem weichgekochten Ei ja nicht so viel verderben. Doch isst das Auge mit, und so wollte ich einmal in meinem Leben ein Ei pochieren, das nicht aussieht wie ein explodiertes Sofakissen. Oder wie ein zerrupftes Huhn. Oder wie komische Versuche beim Bleigießen an Silvester, nur in weiß. Sprich: ein Ei, bei dem sich das Eiweiß nicht überall im Topf verteilt, sondern sich schier und glatt um das Eigelb legt.
Bewaffnet mit der Lektüre diverser Kochbücher und Blogs, theoretisch trainiert durch einige Youtube-Videos und ausgestattet mit einem 10er Pack frischester Eier habe ich mich auf die Mission Pochieren begeben.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Es geht wirklich. Und es ist auch gar nicht sooo schwer!

Die schlechte, die aber eigentlich auch eine gute Nachricht ist: Ganz ohne Eiweiß-Fussel geht es nicht – aber wenn sich selbst der gute Tim Mälzer nicht drum schert, will ich mich auch mal nicht zu kritisch geben.
Zwei Dinge habe ich gelernt:
1. Das Ei muss frisch sein. Superfrisch. Quasi direkt dem Huhn unterm Hintern weggeklaut.
2. Das Wasser darf nicht mehr kochen. Eigentlich darf es noch gar nicht und auch dann überhaupt nicht kochen. Hat mich aber 4 Eier gekostet, das herauszufinden.
Hier ist meine Step-by-Step-Anleitung. Fotos sind so eine Sache, wenn man Rechtshänder ist, in der rechten Hand die Kamera hält und dann mit links das Ei ins Wasser gleiten lässt…
Pochierte Eier, Step by Step*
:: Einen mittleren Topf mit Wasser füllen, ca. 10cm hoch – so, dass nach oben noch etwas Luft ist. 2 EL milden Essig hinzufügen. Wasser erhitzen – bis kurz vorm Siedepunkt.

:: Ein Ei vorsichtig in eine Schüssel aufschlagen. Hier kann man die Frische des Eis erkennen: Wenn das Eigelb einen schönen Hügel bildet und (ganz wichtig) das Eiweiß fest um das Eigelb liegt, dann passt alles. Die Auflaufform war alles andere als geeignet zum Ins-Wasser-gießen, es ging mir nur um die Demonstration des Eis.

:: Mit einem Kochlöffel das Wasser “umrühren”, so dass ein leichter Wirbel entsteht. Kochlöffel wegnehmen und das Ei aus der Schüssel direkt ins Auge des Tornados in die Mitte des Wirbels geben, damit sich das Eiweiß möglichst fusselarm um das Eigelb schmiegt. Bisschen nachhelfen ist erlaubt: Wenn sich der Wirbel gelegt hat, kann man vorsichtig mit dem Kochlöffel um das Ei fahren und einen neuen sanften Wirbel aufbauen. Alles was sich dann nicht brav ums Ei legen will, kann man auch jetzt schon mit der Schöpfkelle entfernen.

:: Das Ei für 3-4 Minuten im Wasser gar ziehen lassen. Dann mit einer Schöpfkelle herausnehmen und auf ein Küchenpapier zum Abtropfen legen.
:: Wenn die Fussel allzu scheußlich sind: abschneiden. Ei-Optimierung, sozusagen.
:: Die Eier nacheinander pochieren, das erleichtert die Sache vor allem am Anfang ungemein. Das Gute ist, dass man am Ende die Biester ganz einfach noch mal für eine knappe Minute ins heiße Wasser legen (diesmal alle gemeinsam) und sie wieder aufwärmen kann.

 * Wer auf “Step by Step” automatisch mit “oooh Baby!” antwortet: High Five! Alle anderen: KLICK. Ja, so alt bin ich.

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Freitag, 23. März 2012

9 Gedanken zu „You live, you learn – oder: Eier pochieren

    1. Katharina

      …und ich kann 20 Jahre später auch immer noch textsicher mitsingen! Genau wie so ziemlich alles von Take That. (OK, jetzt wird’s peinlich.)

  1. Netzchen

    Hallo Katharina,

    tolle Beschreibung, hab ich auch noch nie an poschierte Eier rangewagt, allerdings, nach deiner sehr guten step by step Beschreibung, wird das sofort in meine Liste der unerledigten “was sollte-muss ich ungedingt noch Kochen”! Danke für den tollen Beitrag.

    ein schönes Wochenende
    Netzchen

    1. Katharina

      Vielen Dank, Netzchen!
      Ich liebe weichgekochte Eier einfach, aber auf die “normale” Art gekocht sind sie eine Katastrophe zum Pellen (außerdem ist mir das Eiweiß meist noch zu schlabberig). Naja, und Herausforderungen kulinarischer Art konnte ich noch nie widerstehen. :)

  2. Sandy

    Ich mag pochierte Eier sehr gern, z.B. auch als Topping auf Suppen. Bei uns hießen die früher einfach nur verlorene Eier (bin ein Ostkind) aber geschmeckt haben sie genau so.
    Mir gefällt, wie du deine Posts schreibst, schön, ein Geschichtchen im Hintergrund zu hören. Liebe Grüße

  3. ka

    … Oder man hat ne Schwiegermutter in Brighton, die einem so ne Pfanne mit porched egg Aufsatz besorgt … Sehr praktisch wenn man sonntags morgens noch nicht ganz wach ist … :-) ich mag die Dinger richtig gerne, seit ich nen Kerl mit britischem Einschlag hab …

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